nach­ge­dacht zum Monats­spruch August 2022

»Jubeln sol­len die Bäu­me des Wal­des vor dem Herrn, denn er kommt, um die Erde zu richten.«
1. Chro­nik 16,33

So ein Vers in einer Chro­nik? Liest man den gan­zen Text, sieht man schon am Druck, dies ist ein »Dank­lied Davids«, ver­gleich­bar mit den Psal­men. Und in Psalm 96 fin­den wir genau die­sel­ben Wor­te. Davids Dank bezieht immer wie­der die Natur in die­ses Lob, die­sen Jubel mit ein (wie spä­ter Franz von Assi­si). Und dann der Bruch: Der Herr kommt, die Erde zu richten!

Mit­ten im Lob? Liest man ande­re Psal­men, so gibt es die­se Ver­bin­dung immer wie­der. Psalm 96 trägt dem­zu­fol­ge auch die Über­schrift: »Der Schöp­fer und Rich­ter der Welt«. Wir sehen Gott oft nur als den, der in mei­ne aktu­el­le Situa­ti­on passt: Ent­we­der Vater oder Schöp­fer oder Herr­scher der Welt oder All­wis­sen­der oder oder… Dabei ist Gott doch alles gleich­zei­tig! So ist der Herr, dem sogar die Bäu­me zuju­beln, auch der Herr, dem allein die Macht über die Welt zu rich­ten zusteht. Ein im ers­ten Moment leich­ter, aber sehr inhalts­schwe­rer Vers.

Zwei Mona­te haben wir Zeit, uns mit die­sen bei­den Bibel­stel­len ver­traut zu machen, sie zu durch­den­ken, sie in unse­rem Leben Wirk­lich­keit wer­den zu lassen.

Dazu wün­sche ich allen besinn­li­che und erhol­sa­me Tage.

M. St.

nach­ge­dacht zum Monats­spruch Juni 2022

nach­ge­dacht zum Monats­spruch Juni 2022

»Lege mich wie ein Sie­gel auf dein Herz, wie ein Sie­gel auf dei­nen Arm. Denn Lie­be ist stark wie der Tod.« (Hohes­lied 8,6)

Lie­be und Tod, das ist der Stoff für Roma­ne, Dra­men und gro­ßes Kino. In bei­den Fel­dern geht es um grund­le­gen­de und wich­ti­ge Grö­ßen in unse­rem Leben: Der Tod gefähr­det unser Leben an sich. Bei der Lie­be geht es um Part­ner­schaft, und damit um die Fami­lie, um Nach­kom­men, in der Anti­ke auch um die Alterssicherung.

Neu­lich war ich in einem indi­schen Restau­rant. Das Essen war aus­ge­zeich­net. Etwas befremd­lich wirk­te auf mich der rie­si­ge Moni­tor, auf dem (immer­hin stumm­ge­schal­tet) indi­sche Musik­vi­de­os in Bol­ly­wood-Manier lie­fen. Immer ging es um Lie­be, um Sehn­sucht, um Eifer­sucht. Jun­ge Leu­te zwi­schen 20 und 30 Jah­ren tanz­ten, fuh­ren in schnel­len Autos, bevor­zugt vor das Anwe­sen der Ange­be­te­ten. Einer­seits stör­te mich die Bunt­heit und das Über­trie­be­ne. Ande­rer­seits dach­te ich an den Monats­spruch aus dem Hohen­lied. Die­ses Durch­ein­an­der der Gefüh­le, das war in den indi­schen Musik­vi­de­os mit schnel­len Schnit­ten gut eingefangen.

Trotz aller Ver­klä­rung als Gleich­nis­dich­tung zwi­schen Gott und sei­ner Gemein­de: Das Hohe­lied bleibt Lie­bes­ly­rik, und zwar sehr schö­ne. Nicht umsonst kann Lie­be in Men­schen die bes­ten Sai­ten zum Klin­gen brin­gen, und der Wunsch, dem gelieb­ten Gegen­über zu gefal­len, bewirkt man­che Verhaltensänderungen.

Den Tod hat Chris­tus über­wun­den – das ist Ostern. Wie ist es mit der Lie­be zu Gott und zu den ande­ren: Wer­den wir von ihr erfasst? Wenn wir es zulas­sen, dass die star­ken Emo­tio­nen uns ergrei­fen, dann fürch­ten man­che gleich Schwär­mer­tum, pfingst­le­ri­sche Gesin­nung, kurz: Alles, was den geord­ne­ten Glau­ben in Unord­nung brin­gen kann.

Als jemand, der meist nüch­tern denkt, fin­de ich hier und zu die­sem Text: Wäre es nicht gut, wenn aus dem abge­klär­ten, etwas stei­fen Glau­ben eine neue Lie­be sich ent­wi­ckel­te? Wenn wir uns nach der Nähe zu Gott (zu sei­nem Herz und sei­ner Hand) ver­zehr­ten? – Alles über­trie­ben? – Ent­schei­den Sie selbst…

Frank Weber

nach­ge­dacht zum Monats­spruch Mai 2022

»Ich wün­sche dir in jeder Hin­sicht Wohl­erge­hen und Gesund­heit, so wie es dei­ner See­le wohl­ergeht.« 3. Johan­nes 2

Wer nimmt nicht ger­ne so einen Wunsch ent­ge­gen und hofft auf sei­ne Erfül­lung. Der Ver­fas­ser des drit­ten Johan­nes­brie­fes schreibt das an einen Freund, »den gelieb­ten Gai­us«, einen Chris­ten, der uns sonst unbe­kannt ist. Er ist einer der Ver­trau­ens­leu­te, die der Brief­schrei­ber in der Gemein­de, zu der Gai­us gehört, noch hat. In der Gemein­de hat näm­lich ein gewis­ser Dio­tre­phes die Ober­hand gewon­nen, der gegen den Gemein­de­lei­ter und sei­ne Anhän­ger agiert. Da der Kon­flikt sich aber wohl inner­halb einer der johann­ei­schen Gemein­den abspielt, liegt es nahe, ihn mit der Aus­ein­an­der­set­zung um die Irr­leh­rer zu verbinden.

Von Gai­us, an wel­chen Johan­nes schreibt, wird her­vor­ge­ho­ben, dass es sei­ner See­le wohl­erging. Johan­nes meint hier­mit an die­ser Stel­le das Innen­le­ben von Gai­us, nament­lich sei­nen Glau­ben und Johan­nes bringt mit dem Wunsch zum Aus­druck, dass es ihm in sei­ner Gesund­heit eben­so wohl­erge­hen möge. Viel­leicht war Gai­us nicht mit gro­ßer kör­per­li­cher Kraft geseg­net, um viel ertra­gen zu kön­nen, wenn es um Streit­fra­gen ging; aber sein Wan­del in der Wahr­heit Got­tes und sei­ne treue Für­sor­ge und Lie­be zu denen, die das Werk des Herrn wei­ter­ge­tra­gen haben, waren sehr lobens- und erwäh­nens­wert. Mit der Wahr­heit ist die Wahr­heit über Jesus gemeint, die durch die Apos­tel ver­kün­det wird.

Gai­us glaubt die­ser Bot­schaft und führt ein Leben in Lie­be zu Gott und den Mit­men­schen, ins­be­son­de­re den Glau­bens­ge­schwis­tern. Gai­us kann­te die Wahr­heit nicht nur, son­dern hat­te sie bis dahin so ange­nom­men, dass er dar­in wan­del­te. Der Aus­druck in der Wahr­heit zu »wan­deln«, zeigt, dass die Wahr­heit sein gan­zes Leben präg­te. Anders gesagt, hat­te er Jesus, sein Werk und sei­nen Wil­len so tief ver­in­ner­licht, dass Jesus sein Den­ken, Reden und prak­ti­sches Leben bestimm­te. Wahr­heit und die Nächs­ten­lie­be gehö­ren untrenn­bar zusam­men und sind das Mar­ken­zei­chen von uns Chris­ten. Hil­fe an unse­ren Mit­men­schen ist gera­de in der jet­zi­gen Zeit an vie­len Stel­len gefragt.

Was kann uns Bes­se­res pas­sie­ren, als Mit­hel­fen zu kön­nen. Ich wün­sche uns allen, dass die­ser Satz aus dem 3.Johannesbrief eine Hil­fe und ein Ansporn dafür ist, dass es unse­rer See­le gut geht.

S. Sch.

nach­ge­dacht zum Monats­spruch April 2022

»Maria von Mag­da­la kam zu den Jün­gern und ver­kün­de­te ihnen: Ich habe den Herrn gese­hen. Und sie berich­te­te, was er ihr gesagt hatte.«
Johan­nes 20,18 (E)

Maria von Mag­da­la – in Lukas 8,2 erfah­ren wir, dass Jesus sie von sie­ben Dämo­nen befreit hat. Jesus holt die­se Frau, die so gut wie kei­ne Mög­lich­kei­ten mehr hat,am Leben und an der Gesell­schaft teil­zu­neh­men, die sich kom­plett auf­ge­ge­ben hat, wie­der ins Leben zurück. Die Hei­lung eines Men­schen ist aber nicht nur ein schö­nes Phä­no­men in der Bibel – es ist auch eine Auf­for­de­rung an uns, ein Mut machen­des Bild, dass wir mit unse­ren Dämo­nen, unse­ren Unzu­läng­lich­kei­ten und unse­rem Leid zu Jesus gehen und ihn um Hil­fe bit­ten können.

Maria von Mag­da­la hat sich Jesus ange­schlos­sen, ist mit ihm gegan­gen und hat ihm zuge­hört: Jesus rede­te von Gott – anders als so vie­le ande­re: Gott will das vol­le Leben für alle Men­schen. Und Maria erlebt, wie Jesus den Men­schen nahe war, wie er gehol­fen hat, die Augen geöff­net hat. Als Jesus nach Jeru­sa­lem geht, geht sie gemein­sam mit ihm und sei­nen Freunden.

Und dann erlebt sie dort das Ent­setz­li­che: Jesus wird ver­haf­tet, ver­ur­teilt und gekreu­zigt – er stirbt einen bit­te­ren Tod am Kreuz.

Sein Leben ist been­det und schein­bar auch sei­ne Bot­schaft vom Leben. Maria hat nichts mehr in den Hän­den – nichts ist ihr geblie­ben als Ver­zweif­lung und Trau­er. Ich kann mir kaum vor­stel­len, wie es Maria in die­ser Situa­ti­on gegan­gen sein muss. Ich den­ke dabei an Men­schen, deren Hoff­nun­gen ent­täuscht wer­den. Men­schen, die etwas Lie­bes ver­lie­ren. Lebens­ent­wür­fe, die schön erdacht sind – dann aber doch nicht Wirk­lich­keit wer­den, son­dern bru­tal been­det wer­den. Krank­heit, Tod, Ver­sa­gen, Tren­nung, Schuld, Lei­den unter Gewalt. All das fin­det gera­de statt.

Doch dann berich­tet die Bibel von Mari­as wun­der­ba­rer Begeg­nung. Sie steht dort in dem Gar­ten – alle ihre Hoff­nun­gen waren zunich­te gemacht. Nicht ein­mal den toten Jesus kann sie mehr errei­chen. Doch dann hört sie eine Stim­me: »Frau, was weinst du, wen suchst du?« Maria – in der Annah­me, es sei der Gärt­ner, der da spricht, – ant­wor­tet: »Herr, hast du ihn weg­ge­tra­gen, so sage mir, wo du ihn hin­ge­legt hast, so will ich ihn holen?« Dann hört sie ihren Namen: »Maria!« Und dann begreift sie, wen­det sich um und sagt: »Rab­bu­ni!« Das heißt: Meister.

Es ist für mich eine der emp­find­sams­ten Text­stel­len in der Bibel. Nur ein paar Wor­te: »Sage mir wo er ist. – Maria – Rab­bu­ni« – und dann weiß Maria, dass das Leben tri­um­phiert hat. Dass es Hoff­nung gibt. »Ich habe den Herrn gese­hen!« Nach die­ser Oster­er­fah­rung, nach der Begeg­nung mit dem Auf­er­stan­de­nen, kann Maria neu los­ge­hen. Sie wird zur »Apos­te­lin der Apostel.«

Ostern – das ist nicht bloß die­ses ein­ma­li­ge Gesche­hen damals in Jeru­sa­lem. Ostern ist nicht ein­fach – Ostern will wer­den. Gott zeigt uns, dass das Leben sie­gen wird, dass Recht und Gerech­tig­keit sie­gen wer­den, Gott zeigt, dass die Lie­be stär­ker ist als die Lebens­ver­ach­tung. Und so bleibt der Wunsch, dass Men­schen neue Kraft, Hoff­nung und Zuver­sicht bekom­men, dass sie Got­tes Güte spü­ren. Es bleibt der Wunsch auf einen Auf­stand für das Leben.

Pas­tor Dirk Liebern

nach­ge­dacht zum Monats­spruch März 2022:

»Betet alle­zeit mit allem Bit­ten und Fle­hen im Geist und wacht dazu mit aller Beharr­lich­keit und Fle­hen für alle Heiligen.«
Ephe­ser 6,18

Wel­che Rol­le spielt das Gebet in unse­rem Leben? Ist es eine »For­mel«, die man regel­mä­ßig vor dem Essen spricht oder ein abend­li­ches Ritu­al vor dem Ein­schla­fen? Oder ist es viel mehr als das, viel­leicht ein Zwie­ge­spräch mit unse­rem Schöp­fer, ein Abge­ben aller Freu­den, Nöte und Sor­gen an den, der alles in sei­nen Hän­den hält?
Die Auf­for­de­rung zum Gebet im Ephe­ser­brief fin­den wir direkt hin­ter der Beschrei­bung der geist­li­chen Kampf­aus­rüs­tung. Wir sol­len den Helm des Heils tra­gen, den Brust­pan­zer der Gerech­tig­keit, den Schild des Glau­bens usw. Das Bild eines Sol­da­ten, der in den Krieg zieht – passt das denn zu dem Evan­ge­li­um von Frie­den, Gerech­tig­keit und Lie­be? Glau­bens­kampf – das ist doch eher etwas für über­am­bi­tio­nier­te Chris­ten, die ger­ne mal in die fun­da­men­ta­lis­ti­sche Schub­la­de gesteckt werden.

Aber haben nicht auch wir mit bedroh­li­chen Situa­tio­nen zu tun? Mit Her­aus­for­de­run­gen, die zu groß erschei­nen und bei denen wir manch­mal am liebs­ten den Kopf in den Sand ste­cken wol­len? Und ken­nen wir nicht auch die inne­ren Kämp­fe, die im All­tag aus­zu­fech­ten sind?

Das sind doch die Situa­tio­nen, die Kämp­fe, in denen wir als »Sol­da­ten Got­tes« einen Unter­schied machen kön­nen. Und hier kommt das Gebet ins Spiel. Gebet ist eben nicht nur eine from­me Übung, son­dern eine erns­te Arbeit, ein Stück des Kamp­fes und der geist­li­chen Rit­ter­schaft. Wie wir lesen, for­dert es unse­ren vol­len Ein­satz, wir sol­len alles geben.

Vier­mal »alles« – alle­zeit, mit allem Bit­ten und Fle­hen, mit aller Beharr­lich­keit und für alle Hei­li­gen. Das erscheint doch unmög­lich. Die­ses Pro­jekt ist zum Schei­tern ver­ur­teilt, der Kampf ist doch schon verloren.

Oder?

Der Schlüs­sel ist hier der Geist. Wir haben Got­tes Geist emp­fan­gen. Er ist unser Bei­stand und Trös­ter, er ver­tritt uns vor Gott. In Römer 8,26 lesen wir: »Und auch der Geist Got­tes tritt mit Fle­hen und Seuf­zen für uns ein; er bringt das zum Aus­druck, was wir mit unse­ren Wor­ten nicht sagen kön­nen. Auf die­se Wei­se kommt er uns in unse­rer Schwach­heit zu Hil­fe, weil wir ja gar nicht wis­sen, wie wir beten sol­len, um rich­tig zu beten.«

John Wes­ley sag­te es so: »Bete, ob du kannst oder nicht, ob du fröh­lich oder betrübt bist. Bete, mit vie­len Wor­ten, mit weni­gen Wor­ten oder ganz ohne Worte.«

Lasst uns doch ein­mal neu das Gebet im Geist aus­pro­bie­ren. Viel­leicht geht jetzt bei der einen oder dem ande­ren auch wie­der eine Schub­la­de auf – viel zu abge­ho­ben, viel zu cha­ris­ma­tisch. Aber ich bin über­zeugt, dass uns schon alles von Gott geschenkt ist, was wir für unse­ren per­sön­li­chen Glau­bens­kampf brau­chen. Wir müs­sen nur die rich­ti­gen Quel­len anzap­fen. Und die­se Quel­le, Got­tes Geist, ist schon in uns drin. (Und wenn wir uns da nicht so sicher sind, dann lasst uns ihn ein­la­den, in uns zu wohnen.)

Dann kön­nen wir mit John Wes­ley beten:

»Hoch­ge­lob­ter Erlö­ser, sei du alles, was mein Herz ver­langt, Raum und Ziel mei­nes Lebens. Wenn ich auf­wa­che, bli­cke ich auf dich, und wenn ich auf­ste­he, nei­ge ich mich zuerst demü­tig vor dir. Wäh­rend des Tages will ich mei­ne Gedan­ken immer wie­der auf dich rich­ten, und wenn ich mich zur Ruhe bege­be, will ich mei­ne Augen mit einem Blick auf dich schlie­ßen. Jeden Tag will ich neu von der Herr­lich­keit dei­nes Rei­ches reden; und Nacht für Nacht will ich dei­ner gro­ßen Güte und dei­ner freund­li­chen Gna­den­er­wei­se geden­ken, die sich in allen dei­nen Wer­ken zei­gen. So soll mei­ne Zeit von dei­ner Gna­de bestimmt und mei­ne Ewig­keit mit dei­ner Herr­lich­keit gekrönt sein. Amen.«

Vio­la Liebern