Dies ist ein Teil des beglei­te­ten Bibel­le­sens für Jugend­li­che. Der Beta­kurs ist für Ein­stei­gen­de gedacht, sol­che, die mög­li­cher­wei­se erst­mals ein bibli­sches Buch lesen.

Jesus am Kreuz (Mar­kus 15,21–32)

Wenn da Leu­te zur Hin­rich­tung geführt wer­den, soll­te man nicht vor­bei­lau­fen. Das ist gefähr­lich. Womög­lich muss man für jeman­den – hier für Jesus – das Kreuz tra­gen. So aber wis­sen wir heu­te noch den Namen die­ses Simon von Zyre­ne. Jeman­den zu kreu­zi­gen, dazu muss man jeman­den schon sehr has­sen. Ich hal­te Hass für einen denk­bar schlech­ten Beglei­ter, am wenigs­ten geeig­net für Mäch­ti­ge. Die soll­ten anders ticken.

Ich gehe mal nicht auf die Details einer Kreu­zi­gung ein, aber: Hier kam straf­ver­schär­fend hin­zu, dass die Leu­te Jesus ver­spot­te­ten. Was wäre wohl gewe­sen, wenn Jesus tat­säch­lich vom Kreuz her­un­ter gestie­gen wäre, die Leu­te aus dem Hohen Rat sich hät­te in den nächs­ten Brun­nen stür­zen las­sen? Ich bin über­zeugt davon, dass er das ver­mocht hät­te. – Und dass er es nicht tat, war für die Geset­zes­leh­rer usw. ein Argu­ment, dass er nicht der Mes­si­as sein könnte.

Ich behaup­te das Gegen­teil: Jesus wäre ein Macht­ha­ber wie ande­re, wenn er nicht zuge­las­sen hät­te, dass er, der künf­ti­ge Rich­ter der Welt, hin­rich­tet wird. Dass er gera­de nicht so han­delt, das macht viel aus. Leicht war es sicher nicht.

Jesus stirbt (Mar­kus 15,33–41)

Die Bezie­hung zwi­schen Jesus und Gott war extrem eng. Jesus konn­te das tun, was er tat, weil er sehr nah dran war am Wil­len und Her­zen Got­tes. – Wenn er in sei­nem Ster­ben aus­ruft: »Mein Gott, mein Gott, war­um hast du mich ver­las­sen!«, dann ist das wahr­schein­lich der schlimms­te Moment in sei­nem Leben – und zugleich der letz­te Augen­blick sei­nes mensch­li­chen Lebens vor der Auferweckung.

Die­se drei Stun­den zwi­schen 12 Uhr mit­tags und 15 Uhr am Nach­mit­tag sind der Kern des Evan­ge­li­ums. Das ist der Wen­de­punkt für die Welt­ge­schich­te aus christ­li­cher Sicht. Wenn das nicht so gekom­men wäre, dann gäbe es kei­ne Chris­ten­tum. Dann wäre viel­leicht ein Kreis um Jesus eine Art reli­giö­ser Bewe­gung im Juden­tum gewe­sen. Und geblie­ben. Das eigent­li­che Wachs­tum aber pas­sier­te unter den nicht-jüdi­schen Menschen.

Und: Wenn nicht Jesus für die Schuld aller Men­schen gestor­ben wäre, dann hät­ten wir selbst die Pro­ble­me, und das wäre für unser Ver­hält­nis als schuld-belas­te­te Men­schen zum hei­li­gen Gott eine Kata­stro­phe. Ich wäre jeden­falls nicht der, der ich bin.

Fort­set­zung am Dienstag.

F.W.