Dies ist ein Teil des beglei­te­ten Bibel­le­sens für Jugend­li­che. Der Beta­kurs ist für Ein­stei­gen­de gedacht, sol­che, die mög­li­cher­wei­se erst­mals ein bibli­sches Buch lesen.

Der Lohn für die, die alles auf­ge­ge­ben haben (Mar­kus 10,28–31)

Ver­lust tut weh. Petrus wird das so emp­fun­den haben: Er hat­te alles ste­hen und lie­gen las­sen, offen­bar hat­te er Fami­lie, denn sonst hät­te er kei­ne Schwie­ger­mut­ter, die krank war… Er war Jesus gefolgt, wahr­schein­lich wür­de er das auch wie­der tun. Aber: Er nimmt eben auch wahr, was er zurück­ge­las­sen hat. Und das fehlt ihm (weiß nicht, ob das auch für die Schwie­ger­mut­ter so sehr gilt).

Jesus jeden­falls kün­digt an, dass es einen Lohn geben wird, dass Gott sei­ne Arbei­ter nicht aus­beu­tet. Wer um des Evan­ge­li­ums etwas zurück lässt, der soll mehr­fach belohnt wer­den: Hier in die­ser Welt und dann in Got­tes neu­er Welt.

Wie ist das prak­tisch? – Wenn es gut geht, dann bil­det die Gemein­de, die Gemein­schaft der Leu­te, die Jesus nach­fol­gen, so etwas wie eine neue Fami­lie. »Fami­lia« heißt im Latei­ni­schen die Haus­ge­mein­schaft, es kommt vom Wort für »ver­traut«. Eine Haus­ge­mein­schaft (dazu gehör­ten in der Anti­ke auch die Skla­ven und Haus­be­schäf­tig­ten) sind wir. Und wir haben ein ganz neu­es Netz von ver­trau­ten Men­schen um uns. – Eini­ge zie­hen das der »natür­li­chen Fami­lie« vor. Bei denen, bei denen die Fami­lie eine kost­ba­re Gabe ist, kann ja auch bei­des gesche­hen: Dass gan­ze  Fami­li­en zur Gemein­de gehö­ren.

Die Per­spek­ti­ve von Chris­ten­men­schen ist aber eine grö­ße­re als bloß die, ein sozia­les Kon­strukt um uns zu haben. Ein Netz­werk von Bezie­hun­gen. – Es geht um Got­tes Reich. Gut, wenn wir uns wohl­füh­len. Den Sinn aber bekommt Gemein­de nicht dadurch, dass sich Leu­te dar­in wohl­füh­len. Gemein­de ist Dienst­ge­mein­schaft: Es geht um den Bau des Rei­ches Got­tes. Dadurch bekommt christ­li­che Gemein­schaft ihren Sinn. Aus der Bezie­hung zu Gott, aus der Chris­tus-Nach­fol­ge. Das ist der »Mehr­wert«, den Gemein­de bie­tet und nach dem sie stre­ben muss, wenn sie eine Ein­rich­tung Got­tes ist und sein will.

Jesus kün­digt zum drit­ten Mal sei­nen Tod an (Mar­kus 10,32–34)

Auf dem Weg nach Jeru­sa­lem wird den Jün­gern sehr deut­lich, dass sie da eigent­lich nicht hin wol­len. Nicht unter den Umstän­den. Jesus geht vor­an (wahr­schein­lich haben die Jün­ger eher getrö­delt, sie hat­ten es ja nicht eilig. Als Jesus dann zum drit­ten Mal – und jetzt auch ziem­lich kon­kret – ankün­digt, dass er dort von den füh­ren­den Leu­ten zum Tode ver­ur­teilt wird und den Frem­den (= den Römern) aus­ge­lie­fert wer­den wird, da wür­den die Jün­ger sicher am liebs­ten sofort umkeh­ren, zurück nach Gali­läa. Wie sol­len sie das auch ver­ste­hen, was Jesus zum Schluss sagt: »doch nach drei Tagen wird er vom Tod auf­er­ste­hen.«?

Nicht herr­schen, son­dern die­nen (Mar­kus 10,35–45)

Jako­bus und Johan­nes hat­ten ein beson­de­res Ver­hält­nis zu Jesus: Er war ihnen außer­or­dent­lich wich­tig. So ist es nicht ver­wun­der­lich, dass sie sich die Plät­ze neben ihm wün­schen, wenn er in sein Reich kommt. Dass die ande­ren das nicht mögen, schon die Fra­ge als frech und unan­ge­bracht emp­fin­den, das ver­wun­dert mich auch nicht.

Der Kelch, von dem Jesus spricht, das ist sei­ne Ermor­dung. Hier ein Vers von sei­nem Gebet unmit­tel­bar vor der Gefan­gen­nah­me im Gar­ten Get­se­ma­ne:

»Abba, Vater«, sag­te er, »alles ist dir mög­lich! Erspa­re es mir, die­sen Kelch trin­ken zu müs­sen! Aber es soll gesche­hen, was du willst, nicht was ich will.« (Mar­kus 14,36)

Kurz gesagt: Jesus über­lässt es sei­nem Vater, die Platz­kar­ten für den Him­mel zu ver­tei­len, aber den Jün­gern wird nichts erspart blei­ben. Auch sie wer­den ver­folgt um ihrer Nach­fol­ge wil­len, sie wer­den umge­bracht so wie Jesus. Aber: Sie sol­len anders leben als das welt­li­che Herr­scher tun: Sie sol­len den Men­schen die­nen. Ihre Grö­ße erweist sich gera­de dar­in, dass sie den Men­schen die­nen.

Nach­fol­ge bedeu­tet inso­fern, wie Jesus selbst zu leben: Er ist bereit, sein Leben auf­zu­ge­ben um der Men­schen wil­len. – Ich habe den Ein­druck, dass da alle Gemein­den, die ich ken­ne, noch ein gutes Stück von ent­fernt sind. Oft ist »Gemein­de­ent­wick­lung« ein The­ma. Ja, vie­le brin­gen sich sehr lie­be­voll ein. Aber: Es ist ein extre­mes Bei­spiel, das Jesus selbst uns vor­ge­lebt hat. Da ist noch viel Luft nach oben.

Fort­set­zung am Sams­tag.

F.W.