Dies ist ein Teil des beglei­te­ten Bibel­le­sens für Jugend­li­che. Der Beta­kurs ist für Ein­stei­gen­de gedacht, sol­che, die mög­li­cher­wei­se erst­mals ein bibli­sches Buch lesen.

Jesus bricht auf nach Judäa (Mar­kus 10,1)

Die­ser Vers klingt wie eine Regie­an­wei­sung. Ob er nun in Gali­läa oder in Judäa ist, auf die­ser oder auf jener Sei­te des Jor­dans… Was soll es. Wir aber, wie heu­ti­gen Lesen­den, wir kön­nen es bes­ser wis­sen: Der Weg nach Jeru­sa­lem ist der Weg, der mit einer Kreu­zi­gung endet. Fast endet. Es kommt ja Ostern usw.

Über die Ehe­schei­dung (Mar­kus 10,2–12)

Wenn Ehen und Part­ner­schaf­ten gut lau­fen, ist es ein Segen. Dafür gibt es kei­ne Garan­tie. Nicht ein­mal bei from­men Leu­ten. Gera­de aber wenn es schwie­rig ist und schlecht läuft, ergibt sich eine Men­ge an Schwie­rig­kei­ten und auch theo­lo­gi­schen Fra­gen. – Inso­fern ver­ständ­lich, dass die Pha­ri­sä­er bei dem The­ma Jesus in eine Fal­le zu füh­ren ver­su­chen. Klar ist, was die Über­lie­fe­rung sagt. Die lässt Jesus zitie­ren. Das ist schon ein­mal eine soli­de Grund­la­ge: Was sagt denn die Bibel? – Jetzt kommt es aber dar­auf an, was man dar­aus macht. Wie wird der Text aus­ge­legt?

Jesus ord­net die Vor­schrift ein, er sagt, war­um das so ist. Er nennt Hart­her­zig­keit als Grund. Damit ist letzt­lich gemeint, dass Men­schen Gott nicht an sich her­an las­sen, dass sie nicht ihn ihr Herz bestim­men las­sen. Klar ist: Ehe­schei­dung ist nicht erwünscht. Nie­mand möch­te das. – Und doch war es bei Jesus eben­so der Fall, dass Paa­re sich trenn­ten, wie es heu­te der Fall ist.

In der Erklä­rung für die Jün­ger (die Men­schen­men­ge und die Pha­ri­sä­er sind ja am Ende nicht mehr dabei) erklärt Jesus noch etwas genau­er, was er meint. Wenn jemand sich trennt von sei­ner Part­ne­rin, um mit einer ande­ren zu leben, dann ist das Ehe­bruch. Umge­kehrt eben­so. Offen­bar denkt Jesus also Ehe auf Dau­er. – Das wün­schen sich auch heu­te noch vie­le: Eine Part­ner­schaft auf Dau­er. Es kam damals zu Brü­chen und auch heu­te noch. Aber: Es wäre nicht gut, den Gedan­ken der Dau­er raus­zu­las­sen.

6 Gott hat am Anfang den Men­schen als Mann und Frau geschaf­fen. 7 Des­halb ver­lässt ein Mann Vater und Mut­ter, um mit sei­ner Frau zu leben. 8 Die zwei sind dann eins, mit Leib und See­le. Sie sind also nicht mehr zwei, son­dern eins. 9 Und was Gott zusam­men­ge­fügt hat, das sol­len Men­schen nicht schei­den.

Das gehört viel­fach bei kirch­li­chen Trau­un­gen dazu, wird ver­le­sen als einer der bibli­schen Tex­te zur Ehe. Weil dies der Beta­kurs ist, belas­se ich es mal dabei. (Wei­ter­füh­rend könn­te man drü­ber nach­den­ken, ob ein Chris­ten­mensch Fach­an­walt für Fami­li­en­recht wer­den kann bzw. soll­te, ob es Patch­work-Fami­li­en geben darf oder muss, … All das las­se ich hier weg.)

Jesus und die Kin­der (Mar­kus 10,13–16)

Dass die Jün­ger Jesus von der tota­len Über­las­tung (mit Leh­ren und Hei­len usw.) ret­ten wol­len, ver­ständ­lich. Jesus aber denkt da, gera­de hin­sicht­lich der Kin­der, anders: Lasst sie zu mir kom­men und hin­dert sie nicht. Got­tes Reich ist ein­fach nur so zu emp­fan­gen. So, wie Kin­der sich freu­en, aber nichts vor­zu­wei­sen haben, kei­nen Ver­dienst, kei­nen Anspruch. Ein­fach geschenkt gibt es Got­tes Reich, unver­dient. Und alle – eben auch die Kin­der – dür­fen sich ein­fach drü­ber freu­en.

Der Umgang mit Kin­dern ist für mich ein star­ker Hin­weis dar­auf, wie jemand tickt. Jesus liegt an den Kin­dern, und ich bin davon über­zeugt – ohne das anhand die­ses Tex­ten bewei­sen zu kön­nen – dass er das nicht nur so macht hier, um ein gutes Bei­spiel für sei­ne Aus­sa­ge über das Reich Got­tes zu haben.

Die Gefahr des Reich­tums (Mar­kus 10,17–27)

Was kann einem bes­se­res pas­sie­ren, als das jemand kommt, um zu fra­gen, was zu tun ist, um das ewi­ge Leben zu bekom­men? Jesus ist für ernst gemein­te Fra­gen zu haben. Und das Reich Got­tes ist ja ohne­hin sein The­ma. Wie kommt man da nun rein? – Man hält die Gebo­te, das ist klas­sisch. War­um aber hält jemand die Gebo­te ein? Weil es so tra­di­tio­nell dran ist? Das ist doch ein schwa­ches Argu­ment. Wenn ich das tue, dann, weil ich Gott eine Freu­de machen möch­te. Das Hal­ten der Gebo­te selbst ist also nicht die Fröm­mig­keit, die Hal­tung, alles von Gott zu erwar­ten. Es ist ein Aus­druck die­ser Hal­tung.

Wenn ich aber an etwas so hän­ge, dass es mir wich­ti­ger wird, als die Bezie­hung mit Gott, dann muss ich mir Sor­gen machen. Das gilt für einen Besitz, aber auch für z.B. mei­ne Freun­din oder ähn­lich. Dar­in besteht die Gefahr des Reich­tums. Die Kin­der gera­de, die sind auf gute Gaben ange­wie­sen. Dass es Men­schen (Eltern, Geschwis­ter, Nach­barn, Leh­ren­de usw.) mit ihnen gut mei­nen. – Die Rei­chen füh­len sich nicht ange­wie­sen.

Mir ging es mehr­fach so beim Motor­rad­fah­ren, dass mir sehr bewusst wur­de, wie ange­wie­sen ich bin. Wenn ich in guten Wet­ter los­ge­fah­ren bin, und plötz­lich gießt es nur noch, ich kann kaum etwas sehen, ich weiß, wie lang mein Brems­weg ist, und so viel Platz lässt einem nie­mand auf der Stra­ße. Kurz: Ich blei­be vor­sich­tig usw., aber ich weiß: Das reicht nicht, um heil anzu­kom­men. Mir wird in sol­chen Situa­tio­nen mei­ne Abhän­gig­keit und Bedürf­tig­keit sehr bewusst.

Dass wir stets anhän­gig sind von Gott, ist eine Tat­sa­che. Dass mir das manch­mal beson­ders bewusst wird, fühlt sich nicht gut an, ist aber gut und rich­tig so. – Zurück zum rei­chen Men­schen, der zu Jesus kommt: Dass der alle Gebo­te seit sei­ner Jugend gehal­ten hat, das stellt Jesus nicht in Fra­ge. Er weiß ja, wo es hakt: Bei dem Besitz, an dem der rei­che Mensch hängt. – Trau­rig ist er, als er merkt, dass ihm sein Besitz wich­ti­ger gewor­den ist als Gott.

1. Alles ist an Got­tes Segen
und an sei­ner Gnad gele­gen
über alles Geld und Gut.
Wer auf Gott sein Hoff­nung set­zet,
der behält ganz unver­let­zet
einen frei­en Hel­den­mut.

Viel­leicht kennt Ihr dies alte Gesang­buch­lied (aus Nürn­berg, belegt 1676)? Ich glau­be, dass dies der Gegen­ent­wurf zu unse­rem eige­nen Tun ist: Auf Gott zu bau­en, zu ver­trau­en. – Die Jün­ger frag­ten sich: »Wer kann dann über­haupt geret­tet wer­den?« Sie haben erkannt, wie Men­schen ticken, wir (fast) alle. Jesus soll auch hier das letz­te Wort haben: Jesus sah sie an und sag­te: »Wenn es auf die Men­schen ankommt, ist es unmög­lich, aber nicht, wenn es auf Gott ankommt. Für Gott ist alles mög­lich.«

Fort­set­zung folgt am Don­ners­tag.

F.W.