Jugend­P­lus online: Gam­ma­kurs »Römer­brief« Teil 21 – beglei­te­tes Bibel­le­sen für Fort­ge­schrit­te­ne.

War­um Pau­lus so offen schreibt (Römer 15,14–21)

Offen­bar gehört zur Gemein­de dazu – so zumin­dest die­ser Brief (V.14) – ein­an­der zu ermah­nen. Wozu zu ermah­nen? Dazu, als Chris­ten ent­spre­chend unse­rer Beru­fung zu leben. Das tat damals Not und heu­te ist es nicht anders. Ermah­nen kann man aber nur, wenn man es mit dem ande­ren wirk­lich gut meint. Sonst ist Ermah­nen Kri­tik, die schnell zur Ver­ur­tei­lung wird – und vor allem so klingt.

Chris­tus als Ret­ter und Sohn Got­tes zu ver­kün­di­gen, das war dem Pau­lus ein Anlie­gen, wie er schreibt. Dies gilt ins­be­son­de­re dort, wo noch nie­mand sonst gepre­digt hat, wo gera­de den Nicht-Juden nie­mand das Evan­ge­li­um ver­mit­telt hat.

Kurz vor dem Abschluss sei­nes Brie­fes an die christ­li­che Gemein­de in Rom fasst Pau­lus noch ein­mal zusam­men. Wir wis­sen das, aber: Wie ist es eigent­lich heu­te? Ist uns die Ver­kün­di­gung an ande­re ein Anlie­gen wie das bei Pau­lus war? Ja, wir fei­ern Got­tes­diens­te (ob vor dem You­tube-Bild­schirm in die­sen Zei­ten oder sonst in der Gemein­de), wir bemü­hen uns, als Chris­ten zu leben. Vie­len von uns aber ist Mis­si­on und Evan­ge­li­sa­ti­on nicht in dem Maße ein Anlie­gen, wie das bei Pau­lus war.

Ich fra­ge mich, ob in unse­rer Zeit die Situa­ti­on eine grund­le­gend ande­re ist? Man­ches spricht dafür: Wir haben es mit einer Kul­tur zu tun, in der wei­ter­hin das Per­sön­li­che wich­tig ist, aber man Nach­rich­ten und Infor­ma­tio­nen über das Inter­net, über Bücher usw. in belie­bi­ger Aus­führ­lich­keit haben kann. Die Leu­te wis­sen, was Chris­ten glau­ben. In dem Sin­ne braucht es kei­ne Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums. – Aber nur weni­gen ist das ein exis­ten­zi­el­les Bedürf­nis. Das »Wis­sen-über« ist eben gera­de nicht der Glau­be. – Ich habe den Ein­druck, dass Mis­si­on und Evan­ge­li­sa­ti­on heu­te wie damals drin­gend gebo­ten sind, aber das muss heu­te anders gesche­hen: Die Gegen­über soll­ten wir lie­ben und also ernst neh­men. Eine Ver­kün­di­gung wie die Zeu­gen Jeho­vas sie betrei­ben, ist nur für weni­ge pas­send, so mein Ein­druck. Ich rech­ne aber damit, dass es auch heu­te Got­tes Geist ist und wir­ken kann, dass Men­schen Glau­ben ent­de­cken und ent­wi­ckeln. – Zum Bei­spiel in unse­rer Jugend­ar­beit.

Pau­lus will nach Rom kom­men (Römer 15,22–33)

Pau­lus stellt sich der christ­li­chen Gemein­de in Rom mit die­sem Brief vor, und zwar nicht grund­los: Viel­mehr plant er, nach Rom zu rei­sen – und von dort wei­ter (nach Spa­ni­en). – Offen­bar ist in sei­nem Umfeld die Mis­si­ons­land­schaft abge­grast.

Er spricht die Samm­lung für Jeru­sa­lem an. Die dor­ti­ge Gemein­de war mit­tel­los, und so war es Pau­lus ein Anlie­gen, in den neu­en Gemein­den, gera­de den, in denen »Hei­den­chris­ten« zum Glau­ben gekom­men waren, zu sam­meln für die ers­te Gemein­de. – Es ging also um zwei­er­lei: Einer­seits um Soli­da­ri­tät zwi­schen den Gemein­de, dar­um, zu sehen: Da braucht jemand Hil­fe, und die dann, sofern mög­lich, zu geben. Zum ande­ren aber ging es um eine Ver­bun­den­heit zwi­schen den Gemein­den: Wir haben heu­te etwas in unse­rer Kir­che, das sich Kon­ne­xio nennt. Es geht um Aus­tausch (etwa von Mit­ar­bei­ten­den, aber auch von The­men, um Geld, aber vor allem dar­um, dass alle den welt­wei­ten Auf­trag sehen, den die jewei­li­gen Kir­chen am Ort dann erfül­len – ggf. mit Hil­fe aus den ande­ren Kir­chen.

Man kann Kir­che ja ganz unter­schied­lich den­ken und »kon­stru­ie­ren«. Ich bin froh, dass ich das nicht muss, dass ich viel­mehr damit rech­ne, dass der, der eine ein­zel­ne Gemein­de aus unter­schied­li­chen Men­schen zusam­men­fügt, der Geist Got­tes, auch die Kir­chen in der Welt so baut, wie er es möch­te und es den Men­schen nutzt.

In der röm.-katholischen Kir­che gibt es einen hier­ar­chi­schen Auf­bau von ganz oben (Papst) bis ganz unten (Orts­ge­mein­de…) Ande­re Kir­chen sind in den Gemein­den orga­ni­siert (Bap­tis­ten etwa), alles ande­re ist ein loser Zusam­men­schluss usw. Mir geht es nicht dar­um, wel­ches Modell wofür am bes­ten ist: Es geht dar­um, dass wir die ande­ren nicht aus dem Blick ver­lie­ren soll­ten, die ande­ren Chris­ten welt­weit, aber auch den Auf­trag der »Kir­che Chris­ti«, die ja »Gemein­schaft der Hei­li­gen« sein soll.

Nicht alle kön­nen her­um­rei­sen und Gemein­den grün­den wie Pau­lus, aber: Manch­mal sind wir zu bequem, zu beschränkt auf unse­re Gemein­de.

Fort­set­zung folgt am Mon­tag.

F.W.