Jugend­P­lus online: Gam­ma­kurs »Römer­brief« Teil 16 – beglei­te­tes Bibel­le­sen für Fortgeschrittene.

Lob­preis der wun­der­ba­ren Weis­heit Got­tes (Römer 11,33–36)

Der Abschnitt Kapi­tel 9–11, in dem es um der Ver­hält­nis des »alten Bun­des« (Gott und Isra­el) und des »neu­en Bun­des« (Chris­tus mit allen Natio­nen) geht, kommt mit einem Lob Got­tes zum Abschluss. Die­se Art von »Weis­heits­li­te­ra­tur« ken­nen wir eher aus dem Pre­di­ger­buch (»Kohe­let«) oder aus dem Hiob­buch. Die kann­te Pau­lus sicher gut.

Unser Leben als Got­tes­dienst (Römer 12,1–2)

Die­se zwei Ver­se haben es in sich. Sie sind grund­le­gend für die metho­dis­ti­sche Hei­li­gung, aber auch für etwa Bon­hoef­fers Ethik. Die ein­fa­che Erkennt­nis, die Pau­lus aus­spricht, ist: Man ist Christ, oder eben nicht. – Wenn man es ist, so ist das gesam­te Leben ein Gottesdienst.

Es geht eben nicht, dass ich beruf­lich ein Mafio­si bin, ande­re erpres­se, umbrin­ge oder bedro­he, und dabei »gut katho­lisch«. Es geht eben auch nicht, dass mich als Christ ver­ste­he, »neben­bei« aber mich mit mei­ner Alko­hol­sucht oder Spiel­sucht oder was auch immer, arran­gie­re. – Ich scha­de mir und ande­ren, und ich bin nicht frei für Gott. – Ich bräuch­te Hil­fe, um frei zu wer­den. Die gibt es glück­li­cher­wei­se. Wir sind als Chris­ten nicht bes­ser, aber wir sind bes­ser dran.

Es muss nicht so blei­ben, wie es ist. Ich kann (wenn ich Mafio­si bin/war) ein neu­es Leben begin­nen. Und wenn es dazu einer Selbst­an­zei­ge bedarf und viel­leicht einer Haft­stra­fe. – Ich kann, wenn ich süch­tig bin, mir Hil­fe holen. Wir haben die Sucht­be­auf­trag­te der Nord­deut­schen Jähr­li­chen Kon­fe­renz in der Gemeinde…

Aber: Auch »nor­ma­le« Fäl­le von »Zwie­den­ken« (Aus­druck nach Geor­ge Orwells »1984«) gehen eben nicht. Ich kann den Geschäfts­part­ner nicht über­töl­pen und dann am Sonn­tag so tun, als wäre nichts gewe­sen. In allen Berei­chen unse­res Lebens sind wir Chris­ten, oder wir sind es gar nicht. – Häus­li­che Gewalt ist in den Medi­en ein The­ma. Das passt nicht zum Glau­ben, denn wenn ich in allem Gott die­ne, dann kann ich mei­nen Haus­ge­nos­sen nicht gewalt­sam begeg­nen, auch wenn die Iso­la­ti­on nervt.

2 Passt euch nicht den Maß­stä­ben die­ser Welt an. Lasst euch viel­mehr von Gott umwan­deln, damit euer gan­zes Den­ken erneu­ert wird. […]

Vor Gott ist nicht die Fra­ge, ob es gera­de als okay ange­se­hen wird, jeman­dem lieb­los zu begeg­nen. Wenn wir unser Den­ken (und dann – im zwei­ten Schritt – unser Leben) erneu­ern las­sen von Gott, dann meint das alles, unse­re gesam­te Exis­tenz. Die frü­hen Metho­dis­ten hat­ten dafür ein Hilfs­mit­tel: Die Klas­sen oder Klein­grup­pen. Das ist so eine Art von Haus­kreis, wobei es – wie übri­gens auch in heu­ti­gen Grup­pen oft – nicht um das Lesen von bibli­schen Bücher und das Gespräch dar­über ging. Der Zweck ist: Ein­an­der wei­ter zu hel­fen im Leben als Christ. Wir wis­sen alle, dass es Berei­che gibt, in denen noch etwas zu tun wäre. Wenn wir ehr­lich mit­ein­an­der (mit eini­gen weni­gen) dar­über spre­chen, und uns hel­fen, dass wir Berei­che Gott hin­hal­ten, dass er uns ändern kann, dann ist das ein guter Dienst.

Hei­li­gung – dies alte und im Metho­dis­mus wich­ti­ge Wort – bedeu­tet: Mehr und mehr so zu wer­den, wie Gott es ist: hei­lig. Aus uns allein kön­nen wir das nicht. Es geht auch nicht dar­um, dass wir mora­lisch etwas bes­ser wer­den. Es geht dar­um, aus der Nähe, in der wir zu Gott und ande­ren aus der »hei­li­gen christ­li­chen Kir­che, Gemein­schaft der Hei­li­gen« leben, gehei­ligt zu wer­den. Es brö­selt etwas von Gott auf die in sei­ner Nähe. – Und plötz­lich kann etwas, was unmög­lich schien, anders wer­den. – Nicht aus eige­ner Kraft, son­dern aus Got­tes Kraft.

Yes, he can!

Fort­set­zung am Dienstag.