Dies ist ein Teil des beglei­te­ten Bibel­le­sens für Jugend­li­che. Der Beta­kurs ist für Ein­stei­gen­de gedacht, sol­che, die mög­li­cher­wei­se erst­mals ein bibli­sches Buch lesen.

Haba­kuk schaut Got­tes Ein­grei­fen (Haba­kuk 3,1–19)

Haba­kuk dich­tet – wie in einem Psalm. Er medi­tiert das, was er sieht: Noch bleibt Got­tes Ein­grei­fen aus. Aber er sieht in sich schon die Macht Got­tes, der in der Ver­gan­gen­heit »Ruh­mes­ta­ten« (V.2) getan hat. Der Pro­phet wünscht sich, zu sehen, wie und dass Gott ein­greift. Er traut ihm das zu (nicht zuletzt wegen der Vergangenheit).

Gott zu erbli­cken, das erträgt kein Mensch. Ein typi­sches Motiv im Alten Tes­ta­ment. So wählt Haba­kuk das Bild des strah­len­den Son­nen­lichts. – Wo Gott vor­bei­ge­gan­gen ist, da wirkt er gewal­tig. Das Bild von Pest und Seu­che in Vers 5 bedeu­tet hier die gewal­ti­ge Macht. Wir erle­ben gera­de, wie win­zi­ge Viren unse­re Welt durch­ein­an­der bringt. Nichts ist, wie es war. – Das, was immer so war, die Land­schaft mit Ber­gen und Hügeln, wird ein­ge­eb­net (Vers 6). Wenn nicht ein­mal die Geo­gra­phie Bestand hat, dann ist nichts mehr sicher. – Ganz am Schluss des zwei­ten Tei­les des Jesa­ja­bu­ches (Jes. 54,10) begeg­net uns das glei­che Motiv:

10 Ber­ge mögen von ihrer Stel­le wei­chen und Hügel wan­ken, aber mei­ne Lie­be zu dir kann durch nichts erschüt­tert wer­den und mei­ne Frie­dens­zu­sa­ge wird nie­mals hin­fäl­lig.‹ Das sage ich, der Herr, der dich liebt.«

Die Völ­ker erzit­tern von Gott

Wer sind eigent­lich die­se Kuschi­ter und Midia­ni­ter, von denen Haba­kuk in Vers 7 spricht? Kuschi­ter sie die Leu­te aus Kusch, und ganz prak­tisch han­delt es sich um Völ­ker um Juda. Jesa­ja spricht (frü­her) von Kuschi­tern, die in Ägyp­ten lebten:

Weh dem Land der Heu­schre­cken­schwär­me jen­seits der Flüs­se von Kusch. Es schickt sei­ne Boten aus auf dem Nil, in Papy­rus­käh­nen über das Was­ser. Geht, ihr schnel­len Boten, zu dem hoch­ge­wach­se­nen Volk mit der glän­zen­den Haut, zu der Nati­on, die man weit und breit fürch­tet, zu dem Volk, das kraft­voll alles zer­tritt, des­sen Land von den Flüs­sen durch­schnit­ten wird.“ (Jesa­ja 18,1 – Ein­heits­über­set­zung) – vgl. Wiki­pe­dia-Arti­kel »Kusch in der Bibel« – In der Guten Nach­richt ist hier mit »Äthio­pi­en« über­setzt

Auch wenn umstrit­ten ist, ob Haba­kuk Noma­den im Ost­jor­dan­land mein­te (der »Zel­te« wegen). Im Ivrit, dem moder­nen Hebrä­isch, meint »Kuschim« so viel wie »Afri­ka­ner«. Die Deu­tung mit den Noma­den im Ost­jor­dan­land hat aber für sich, dass sie eine Par­al­le­le mit den Midia­ni­tern ergibt, denn das waren Noma­den im Süd­os­ten von Juda, in der Wüs­te, heu­te ver­mut­lich Sau­di Arabien.

Die Ver­se 8 bis 12 machen deut­lich: Gott ist mäch­tig, er herrscht über die Natur. Wenn sich die Son­ne und der Mond vor ihm ver­ber­gen, weil sie ihn fürch­ten, soll­ten dann die Nach­bar­kö­ni­ge unbe­hel­ligt sich an Got­tes Volk ver­ge­hen kön­nen? – Das lie­ße Gott nicht zu! In den Ver­sen ab 13 sagt es Haba­kuk: Gott hilft sei­nem Volk und des­sen König.

Noch steht (so Vers 16b und 17) aus, dass Gott die Fein­de schlägt. Noch ist kei­ne Frucht da, so dass man fei­ern kann. Aber: Gott ist treu und mäch­tig. Er wird eingreifen.

Dich­tung im Alten Testament…

Oben schrieb ich, dass es sich um eine Art Psalm han­de­le. Psal­men, das sind Gedich­te oder Lie­der. Bei uns wird meist gereimt (jeden­falls tra­di­tio­nell). Ins­be­son­de­re ken­nen wir den Stab­reim (»Mars macht mobil…« und den End­reim (»Haus« auf »Maus« auf »Laus«). In hebräi­scher Dich­tung gibt es auch eine Rhyth­mi­sie­rung der Spra­che, vor allem aber den Sinn­reim (»Par­al­le­lis­mus Mem­bro­rum« = Par­al­le­le der Teilverse).

Ein Bei­spiel aus Psalm 23: Der HERR ist mein Hir­te / mir wird nichts man­geln. – Bei­de Halb­ver­se sagen qua­si das Glei­che: Wenn Gott mein Hir­te ist, dann fehlt mir nichts. – Wer es deut­lich genau­er wis­sen möch­te, möge hier schau­en. Klar ist: Es gibt eini­ge Unter­ty­pen (syn­the­ti­scher, anti­the­ti­scher, pola­rer, syn­ony­mer… Par­al­le­lis­mus). Wich­tig ist nur: Wer bibli­sche Dich­tung ver­ste­hen möch­te, muss ich auf die­se Art von Stil­mit­tel ein­las­sen. Dass eben die Halb­ver­se oder die Ein­zel­sät­ze qua­si aus unter­schied­li­chen Blick­rich­tun­gen ein­an­der ergän­zend ein Bild mit Wor­ten malen.

Wenn Du das erst­mals hier liest, klingt es sehr fremd und »schwie­rig«. Lass Dich ein­mal dar­auf ein. Lies Psalm 1 und Psalm 23. Ger­ne in der Guten Nach­richt, aber war­um nicht auch ein­mal in der Fas­sung der Luther­bi­bel? Wenn Du ein Gespür für die­se Art zu den­ken und zu spre­chen ent­wi­ckelst, dann begin­nen zuvor unver­ständ­li­che und lang­wei­li­ge Tex­te plötz­lich, Dich zu fes­seln. Mir jeden­falls geht es so!

Heu­te ein schwie­ri­ger Abschnitt, aber dafür auch nur einer.

Fort­set­zung am Sams­tag (Kar­frei­tag ist Feiertag!)

F.W.