Fort­set­zung des »beglei­te­ten Bibel­le­sens« für Fort­ge­schrit­te­ne…

Die gesam­te Mensch­heit ist schul­dig (Römer 1,18–32)

V.18: Sein hei­li­ger Zorn wird … alle tref­fen, die Gott nicht ehren und sei­nen Wil­len miss­ach­ten. – Das ist ja eine kla­re Ansa­ge. Wenn das so ist (was Pau­lus ja hier behaup­tet), dann ist es für die meis­ten Men­schen, die von Gott nichts wis­sen (und noch viel mehr: nichts wis­sen wol­len) eine gro­ße Gefahr.
In V.20 wird gesagt, dass man es aus der Schöp­fung erken­nen kön­ne, wie sein Wesen sei.

Das erin­nert nicht bloß an »Nar­ren« (V.22): Sie sehen es, wol­len es aber nicht wahr­ha­ben. Mich erin­nert das auch an die Kri­tik des drit­ten Teils des Pro­phe­ten­bu­ches Jesa­ja (in Jesa­ja 65,1ff): Gott war bereit zu hel­fen, aber nie­mand bat ihn um Hil­fe, er war für sein Volk immer zu fin­den, aber nie­mand hat ihn gesucht.
Wer statt Got­tes eige­ne Götzen(bilder) ver­ehrt, der scha­det sich vor allem selbst – und kränkt Gott.

Was dann kommt, ist für Pau­lus klar: In jeder anti­ken Groß­stadt gab es zahl­rei­che sexu­el­le Prä­fe­ren­zen. Man hielt sich Lust­kna­ben, es gab Pro­sti­tu­ti­on. Frau­en lieb­ten Frau­en. Für Pau­lus war das uner­träg­lich und es stieß sein mora­li­sches Bild vor den Kopf. – Heu­te: Wie ist es heu­te? Die einen stel­len (zutref­fend) fest, dass eine Bezie­hung auf Augen­hö­he etwas ande­res sei als ein Lust­kna­be. Die ande­re gewin­nen gera­de auch aus die­sem Text Argu­men­te, war­um gleich­ge­schlecht­li­che Bezie­hun­gen »wider­na­tür­lich« sei­en.

Ich stel­le fest: Hier geht es um ganz etwas ande­res als um Sex: Es geht dar­um, dass alle Las­ter und Sün­den (Sie­he V.29ff) dar­aus fol­gen, dass Men­schen nicht tun wol­len, was Gott gefällt. Anders gesagt: Die meis­ten Men­schen leh­nen sich gegen Gott auf, wol­len selbst, nach ihrer eige­nen Lust, ihrem eige­nen Vor­teil usw. ent­schei­den. – Und das zieht (V.32) den Tod nach sich.

Für alle gilt der glei­che Maß­stab (Römer 2,1–16)

Haben wir nicht vie­le, auf die wir mora­lisch her­ab sehen, die wir ver­ur­tei­len? – Über­le­ge Dir, ob es ande­re (in der Klas­se, von denen Du weißt, in der Poli­tik – zumin­dest da ken­nen wir sicher eini­ge Bei­spie­le, von denen wir sagen: Die sind ja noch viel schlim­mer als ich…)

Pau­lus spricht in den Ver­sen 5 und 6 vom Gericht, das Gott hal­ten wird, und zwar ent­spre­chend den Taten der Men­schen. In Römer 2,14f geht es um die Gerech­ten unter den Völ­kern also um Men­schen, die, obwohl sie nicht Juden sind und damit das Gesetz der Tho­ra nicht haben oder ken­nen, trotz­dem mora­lisch gut han­deln: Eben weil wir Men­schen ein natür­li­ches Emp­fin­den dafür haben, was gut ist und was nicht.

Wie ist das bei uns? Geht es uns um unse­re klei­nen Zie­le? Oder set­zen wir alles dar­an, dass unser gesam­tes Leben Gott Freu­de berei­tet? Ihr kennt die »All­ge­mei­nen Regeln« (Com­mon Rules), ein Kern­be­stand­teil der metho­dis­ti­schen Tra­di­ti­on? Sicher, war ja The­ma im Kirch­li­chen Unter­richt. Ich las­se ein­mal die prak­ti­schen Bei­spie­le weg.

»Es wird daher von allen, wel­che Mit­glie­der der Gemein­schaft sein und blei­ben wol­len, erwar­tet, dass sie ihr Ver­lan­gen nach Selig­keit stets dadurch bewei­sen, dass sie

ers­tens: Nichts Böses tun, son­dern Böses aller Art mei­den, beson­ders sol­che Sün­den, wel­che am meis­ten ver­übt wer­den, wie:… (prak­ti­sche Bei­spie­le fol­gen hier, Trunk­sucht, Zoll-Hin­ter­zie­hung, Skla­ven­hal­tung, …)

zwei­tens: Dadurch, dass sie Gutes tun; in jeder Hin­sicht nach ihrem Ver­mö­gen sich barm­her­zig erwei­sen und bei jeder Gele­gen­heit Gutes aller Art, soweit die Kräf­te rei­chen, allen Men­schen erzei­gen: (wie­der fol­gen prak­ti­sche Bei­spie­le, Hil­fe für Bedürf­ti­ge usw.)

drit­tens: Durch den Gebrauch aller von Gott ver­ord­ne­ten Gna­den­mit­tel, als da sind:
Der öffent­li­che Got­tes­dienst.
Das Hören des Wor­tes Got­tes, es wer­de sol­ches gele­sen oder aus­ge­legt. Das Abend­mahl des Herrn. Das Beten mit der Fami­lie und im Ver­bor­ge­nen. Das For­schen in der Schrift. Fas­ten und Ent­halt­sam­keit.«

Anders gesagt: Auch wir als Chris­ten­men­schen haben eine gro­ße Frei­zeit, Gott mehr oder weni­ger zu fol­gen. Es gibt zwar eine Tren­nung in Christ und nicht-Christ, aber auch wenn jemand sich als Chris­ten­mensch ver­steht, dann fängt die Nach­fol­ge und Hei­li­gung an. Das ist nicht das Ende der Fah­nen­stan­ge, son­dern der Beginn eines Weges. Dazu am Diens­tag mehr.

Schla­ge vor, Ihr nehmt Euch ein­fach ein­mal Berei­che Eures Lebens, in denen noch Luft nach oben ist im Sin­ne der Hei­li­gung. – Bin gewiss, dass wir da alle Berei­che haben. Und dann nimm Dir rea­lis­tisch etwas vor, wo Du etwas änderst. Das ist mehr als man glaubt.

Fort­set­zung folgt.
F.W.