Dies ist der vier­te Teil des beglei­te­ten Bibel­le­sens für Jugend­li­che. Der Beta­kurs ist für Ein­stei­gen­de gedacht, sol­che, die mög­li­cher­wei­se erst­mals ein bibli­sches Buch lesen.

Timo­theus und Epa­phro­di­tus (Phil­ip­per 2,19–30)

Heu­te, lie­be Leu­te, geht es um zwei Mit­ar­bei­ten­de in der frü­hen Chris­ten­heit. Aus der Gemein­de in Phil­ip­pi war der Epa­phro­di­tus mit Geld zu Pau­lus geschickt wor­den. Von kei­ner ande­ren Gemein­de hat Pau­lus sich unter­stüt­zen las­sen. Er war ja Hand­wer­ker, Zelt­ma­cher, um es genau­er zu sagen (vgl. Apos­tel­ge­schich­te 18,3). Die weni­gen Din­ge, die er für sei­nen Beruf brauch­te, konn­te er offen­bar mit­neh­men.

Jeden­falls stellt Pau­lus gegen­über den korin­thi­schen Chris­ten fest, dass er unab­hän­gig ist, weil er sein Geld selbst ver­dient, obwohl ande­re völ­lig selbst­ver­ständ­lich von den Gemein­den ver­sorgt wur­den (vgl. 1. Kor.4,12). Dem Pau­lus war sei­ne Unab­hän­gig­keit wich­tig. Inso­fern ist es ein Zei­chen beson­de­rer Nähe zu der Gemein­de in Phil­ip­pi, dass er sich von den dor­ti­gen Chris­ten durch den Boten Epa­phro­di­tus beschen­ken ließ. – Es ist ja nicht zu 100 % klar, wo (in wel­cher Gefan­gen­schaft) Pau­lus die­sen Brief schreibt. – Die Mehr­heits­mei­nung ist, dass er in Rom war. Dort hat­te er gewis­se Frei­hei­ten, er konn­te Men­schen emp­fan­gen, sie bestär­ken im Glau­ben, Fra­gen klä­ren. Die Apos­tel­ge­schich­te endet mit den Sät­zen:

30 Vol­le zwei Jah­re lang blieb Pau­lus in sei­ner Miet­woh­nung und konn­te dort alle emp­fan­gen, die ihn auf­su­chen woll­ten. 31 Ihnen allen ver­kün­de­te er, wie Gott jetzt sei­ne Herr­schaft auf­rich­tet, und lehr­te sie alles über Jesus Chris­tus, den Herrn – frei und offen und völ­lig unge­hin­dert. (Apos­tel­ge­schich­te 28, Gute Nach­richt Bibel)

Gera­de das letz­te Wort »unge­hin­dert« war dem Ver­fas­ser der Apos­tel­ge­schich­te wich­tig; es fing in der Apos­tel­ge­schich­te klein und ver­ängs­tigt in Jeru­sa­lem an. Am Ende ist das Evan­ge­li­um in der Haupt­stadt des römi­schen Rei­ches ange­kom­men, und dort wirkt Pau­lus (aus sei­ner Miet­woh­nung) unge­hin­dert.

Wer aber zahl­te die Mie­te? Wovon? Woh­nen war auch damals nicht bil­lig. Inso­fern konn­te Pau­lus gut eine Unter­stüt­zung gebrau­chen. Den Epa­phro­di­tus schickt Pau­lus mit dem Brief zurück, denn die Gemein­de hat­te sich bereits Sor­gen gemacht, weil Epa­phro­di­tus schwer erkrankt war.

Pau­lus weiß, dass die Gemein­de auch theo­lo­gisch oder geist­lich Rat und Impul­se braucht. Am liebs­ten käme Pau­lus selbst, aber er ist ja gefan­gen. Was also das Zweit­bes­te ist: Den Timo­theus zu schi­cken. (Seht Euch z.B. mal den 1. Timo­theus­brief an…)

Auf­ruf zur Freu­de (Phil. 3,1)

Vom posi­ti­ven Den­ken ist Pau­lus weit ent­fernt. Und trotz­dem freut er sich und ermu­tigt auch die Gemein­de in Phil­ip­pi, dass die sich freu­en sol­len. War­um? Heu­te leh­ren Trai­ner, dass man sich selbst im Spie­gel anlä­cheln soll, dass man, statt das Glas als halb­leer anzu­se­hen, es als halb­voll betrach­ten sol­le. Klar, man kann sich die Welt schön-reden oder schön-trin­ken. Das hilft aber nur begrenzt.

Was Pau­lus macht ist etwas ande­res: Er stellt die Bezie­hun­gen zwi­schen dem Glau­ben an das Evan­ge­li­um und den jet­zi­gen Miss­lich­kei­ten her. Klar, es wäre klas­se, wenn es kei­ne Chris­ten­ver­fol­gung gäbe. Es wäre schön, wenn Pau­lus als ange­se­he­ner Kir­chen­leh­rer in Jeru­sa­lem leben könn­te, leh­re und Bücher schrei­ben. – Aber es ist nun mal anders. Er reist umher, qua­si im gesam­ten Mit­tel­meer­raum, pre­digt, lehrt, wird ein­ge­sperrt, geschla­gen usw. Mehr­fach ver­sucht man Anschlä­ge auf ihn, um ihn umzu­brin­gen. Aber er sieht es als erfreu­lich an, weil er weiß, war­um er all das in Kauf nimmt.

ich weiß nicht, ob Ihr schon ein­mal vom psy­cho­lo­gi­schen Kon­zept des »Flow« gehört habt. Hier der Wiki-Arti­kel. Es geht dar­um, dass glück­lich Men­schen sind, wenn sie sehr gefor­dert sind, ohne über­for­dert zu sein. Dann kön­nen Men­schen in einen Zustand gelan­gen, in dem sie ganz im Hier-und-Jetzt leben, in dem sie aktiv sind, aber es kaum mer­ken. So den­ke ich, dass es Pau­lus in sei­ner Arbeit ging. Er war über­aus gefor­dert, ein­ge­bun­den, aber er wuss­te auch, war­um er das macht. Und es mach­te ihn glück­lich.

Fort­set­zung am Frei­tag.

F.W.