Dies ist der zwei­te Teil des beglei­te­ten Bibel­le­sens für Jugend­li­che. Der Beta­kurs ist für Ein­stei­gen­de gedacht, sol­che, die mög­li­cher­wei­se erst­ma­lig ein bibli­sches Buch lesen.

Was auch kommt: Die Zukunft heißt Chris­tus (Phil­ip­per 1,18–26)

Hof­fe, Ihr habt den ers­ten Teil noch im Gedächt­nis. Pau­lus schreibt nach Phil­ip­pi aus einer Gefan­gen­schaft, bei der die Gelehr­ten strei­ten, um wel­che es sich han­delt. Heu­te, im zwei­ten Teil geht es um den Kon­trast zwi­schen der äuße­ren Situa­ti­on: Gefan­gen­schaft – eigent­lich nichts, wor­über man sich freut.  Pau­lus hat­te gera­de fest­ge­stellt, dass eini­ge ande­re pre­di­gen, um ihn zu über­trump­fen. Ande­re wol­len ihm Kum­mer berei­ten.

Vie­le nei­gen dazu, das Glas als halb­leer anzu­se­hen. Es ist zugleich halb­voll. Klar. – Pau­lus geht noch einen Schritt wei­ter: Er weiß, dass Gott, der Chris­tus auf­er­weckt hat, auch ihn, Pau­lus ans Ziel brin­gen wird. – Wie die Gefan­gen­schaft aus­geht, das weiß er nicht. Viel­leicht bleibt er lebens­läng­lich gefan­gen, viel­leicht wird er umge­bracht. Aber: Wenn er gefan­gen ist um Chris­ti Wil­len (also nicht, weil er selbst etwas aus­ge­fres­sen hat), dann wird Gott sich um ihn küm­mern.

Seht Euch Vers 21 an: Könn­test Du das auch so sagen? Ich hän­ge manch­mal erstaun­lich an Klei­nig­kei­ten – und wie viel mehr an mei­nem Leben. Pau­lus fin­det – und das kann ich nach­voll­zie­hen -, dass er sich wünscht bei Gott zu sein, am Ziel des Lebens. Aber er sieht auch, was und wie viel noch zu tun ist. (Sie­he V.25)

Für Chris­tus kämp­fen und lei­den (Phil. 1,27–30)

Wenn Pau­lus die Gemein­de auf­for­dert, so zu leben, dass sie Chris­tus Ehre macht, dann bedeu­tet das: Wir kön­nen durch die Art, wie wir leben, einen Unter­schied machen. Auch als Chris­ten kön­nen wir bes­ser oder schlech­ter leben. Wenn das alles nur eine Fra­ge wäre, ob Got­tes Geist mir sagt: »Tu das! oder »Lass jenes!«, und wir es dann qua­si auto­ma­tisch machen wür­den, dann wäre so eine Auf­for­de­rung Quatsch.

Die frü­hen Metho­dis­ten wur­den mit die­sem Spott­na­men »Metho­dis­ten« belegt, weil ande­re fan­den, dass sie es mit ihrer Nach­fol­ge über­trie­ben. Sich immer­zu zum beten zu tref­fen, danach zu fra­gen, wie Gott möch­te, dass sie leben soll­ten. – Pau­lus hät­te damit ver­mut­lich mehr anfan­gen kön­nen als die Stu­den­ten in Eng­land im frü­hen 18. Jahr­hun­dert.

Metho­dis­ti­sche und wes­leya­ni­sche Kir­chen sind Kir­chen, die in Theo­lo­gie und Kir­chen­ver­fas­sung auf der von John Wes­ley begrün­de­ten metho­dis­ti­schen Tra­di­ti­on beru­hen. Bei John Wes­ley liegt das Haupt­ge­wicht sei­ner Theo­lo­gie nicht auf Mei­nun­gen und Leh­ren, son­dern auf Gesin­nung und Lebens­füh­rung.[1] Mit­be­grün­der der metho­dis­ti­schen Kir­chen waren Johns Bru­der Charles Wes­ley und Geor­ge White­field. (vgl.Wikipedia, hier)

Pau­lus geht in Vers 28 von einem dop­pel­ten Aus­gang am Ende der Zei­ten aus: Eini­ge (die Geg­ner) wer­den ver­lo­ren gehen, die Chris­ten in Phil­ip­pi wer­den geret­tet wer­den. Über­le­ge Dir ein­mal: Wenn Gott am Ende alles für alle gut macht, wenn – flap­sig gesagt – alle in den Him­mel kom­men: Wärst Du dann Christ? Wäre es nicht »beque­mer« anders?

Mir scheint, dass die so schon Fra­ge falsch gestellt ist: Es geht ja nicht um Medi­ka­men­te mit unter­schied­li­cher Wirk­sam­keit. Es geht um Bezie­hung. Wenn ich mit Gott leben möch­te, dann ist das unab­hän­gig davon, ob das ein­fach oder schwie­rig ist, ob es gera­de Staats­re­li­gi­on ist, was ich glau­be, oder ob es Chris­ten­ver­fol­gung gibt. Es geht um die­se Bezie­hung. – Beim Hei­ra­ten heißt es oft »in guten wie in schwe­ren Zei­ten«.

Pau­lus spitzt das zu: Die Chris­ten in Phil­ip­pi dür­fen (viel­leicht müs­sen) für Gott etwas tun: Sie dür­fen lei­den. Pau­lus sieht das als Vor­recht an, und sicher nicht, weil er Maso­chist wäre, und es so gut fin­det, wenn jemand lei­det. Leicht kann Christ-Sein zum Kampf wer­den, denn jeder abso­lu­te Anspruch (also: »Ich bin Christ und da mache ich kei­ne Kom­pro­mis­se…«) ist für ande­re eine Zumu­tung. Leicht kann es zu Anfein­dun­gen kom­men.

Fort­set­zung folgt am Mon­tag!

F.W.