Bon­hoef­fer wur­de im April 1945 hin­ge­rich­tet, somit sind sei­ne Wer­ke seit 1. Janu­ar 2016 gemein­frei. Wir ver­öf­fent­li­chen hier in wöchent­li­chen Abschnit­ten sein Buch »Nach­fol­ge« von 1938 als gan­zes.

Die­ses ist der letz­te Abschnitt. Wir wer­den »Nach­fol­ge« als Gan­zes noch ver­füg­bar machen auf die­ser Sei­te.

F.W.

Die Boten.
Mt. 9,35–10,42.

Die Ern­te.

»Und Jesus ging umher in alle Städ­te und Märk­te, lehr­te in ihren Schu­len und pre­dig­te das Evan­ge­li­um von dem Reich und heil­te aller­lei Seu­che und Krank­heit. Und da er die Volks­men­ge sah, jam­mer­te ihn der­sel­ben; denn sie waren miß­han­delt und dar­nie­der­lie­gend wie die Scha­fe, die kei­nen Hir­ten haben. Da sprach er zu sei­nen Jün­gern: Die Ern­te ist groß; aber weni­ge sind der Arbei­ter. Dar­um bit­tet den Herrn der Ern­te, daß er Arbei­ter in sei­ne Ern­te sen­de« (Mt. 9,35–38).

Der Blick des Hei­lan­des fällt erbar­mend auf sein Volk, auf Got­tes Volk. Es konn­te ihm nicht genug sein, daß eini­ge weni­ge sei­nen Ruf gehört hat­ten und ihm nach­folg­ten. Er konn­te nicht dar­an den­ken, sich mit sei­nen Jün­gern aris­to­kra­tisch abzu­son­dern und in der Wei­se gro­ßer Reli­gi­ons­stif­ter ihnen in der Abge­schie­den­heit von der Men­ge des Vol­kes die Leh­ren höhe­rer Erkennt­nis und voll­kom­me­ner Lebens­füh­rung zu über­mit­teln. Jesus war gekom­men, er arbei­te­te und er litt um sei­nes gan­zen Vol­kes wil­len. Und die Jün­ger, die ihn allein für sich haben wol­len, die ihm die Beläs­ti­gung durch die Kin­der, die man zu ihm bringt, und durch man­chen armen Bett­ler am Weg­rand fern­hal­ten wol­len (Mk. 10,48), müs­sen erken­nen, daß Jesus sich sei­nen Dienst durch sie nicht ein­schrän­ken läßt. Sein Evan­ge­li­um vom Rei­che Got­tes und sei­ne Hei­lands­kraft gehör­te den Armen und Kran­ken, wo er sie in sei­nem Vol­ke fand.

Der Anblick der Volks­men­ge, der in sei­nen Jün­gern viel­leicht Wider­wil­len, Zorn oder Ver­ach­tung erreg­te, erfüll­te Jesu Herz mit tie­fem Erbar­men und Jam­mer. Kein Vor­wurf, kei­ne Ankla­ge! Got­tes lie­bes Volk lag miß­han­delt am Boden, und die Schuld dar­an traf die, die an ihm den Dienst Got­tes ver­se­hen soll­ten. Nicht die Römer hat­ten das ange­rich­tet, son­dern der Miß­brauch des Wor­tes Got­tes durch die beru­fe­nen Die­ner am Wort. Es waren kei­ne Hir­ten mehr da! Eine Her­de, die nicht zum fri­schen Was­ser geführt wird, deren Durst unge­stillt bleibt, Scha­fe, die kein Hir­te vor dem Wolf mehr schützt, geschun­den und ver­wun­det, erschreckt und ver­ängs­tigt unter dem har­ten Stab ihrer Hir­ten, am Boden lie­gend – so fand Jesus Got­tes Volk vor. Fra­gen, aber kei­ne Ant­wort, Not, aber kei­ne Hil­fe, Gewis­sens­angst, aber kei­ne Befrei­ung, Trä­nen, aber kei­nen Trost, Sün­de, aber kei­ne Ver­ge­bung! Wo war der gute Hir­te, den die­ses Volk brauch­te? Was half es hier, daß da Schrift­ge­lehr­te waren, die das Volk mit har­tem Zwang in die Schu­len trie­ben, daß die Geset­zes­ei­fe­rer die Sün­der hart ver­ur­teil­ten ohne ihnen zu hel­fen, was hal­fen da selbst die recht­gläu­bigs­ten Pre­di­ger und Aus­le­ger des Wor­tes Got­tes, wenn nicht das gan­ze Erbar­men und der gan­ze Jam­mer über das miß­brauch­te und miß­han­del­te Volk Got­tes sie erfüll­te? Was sind Schrift­ge­lehr­te, Geset­zes­from­me, Pre­di­ger, wenn die Hir­ten der Gemein­de feh­len? Gute Hir­ten, »Pas­to­ren«, braucht die Her­de. »Wei­de mei­ne Läm­mer!« ist der letz­te Auf­trag Jesu an Petrus. Der gute Hir­te kämpft für sei­ne Her­de gegen den Wolf, der gute Hir­te flieht nicht, son­dern gibt sein Leben für die Scha­fe. Er kennt alle sei­ne Scha­fe bei Namen und liebt sie. Er weiß ihre Not, ihre Schwach­heit. Er heilt, was ver­wun­det ist, er tränkt, was durs­tig ist, er rich­tet auf, was fal­len will. Er wei­det sie mit Freund­lich­keit und nicht mit Här­te. Er lei­tet sie auf den rech­ten Weg. Er sucht das eine ver­lor­ne Schaf und bringt es zurück zur Her­de. Die bösen Hir­ten aber herr­schen mit Gewalt, sie ver­ges­sen ihre Her­de und suchen die eig­ne Sache. Gute Hir­ten sucht Jesus, und sie­he da, es sind kei­ne zu fin­den. Das greift ihm ans Herz. Sein gött­li­ches Erbar­men umfaßt die­se ver­las­se­ne Her­de, die Men­ge des Vol­kes um ihn her­um. Mensch­lich gese­hen ist es ein hoff­nungs­lo­ses Bild. Aber nicht so für Jesus. Er sieht hier, wo Got­tes Volk miß­han­delt, elend und arm­se­lig vor ihm steht, das rei­fe Ern­te­feld Got­tes. »Die Ern­te ist groß!« Sie ist reif, daß sie ein­ge­bracht wer­de in die Scheu­nen. Die Stun­de ist gekom­men, daß die­se Armen und Elen­den heim­ge­bracht wer­den ins Reich Got­tes. Jesus sieht über den Mas­sen des Vol­kes die Ver­hei­ßung Got­tes anbre­chen. Die Schrift­ge­lehr­ten und Geset­zes­ei­fe­rer sahen hier nur ein zer­tre­te­nes, ver­brann­tes, zer­schla­ge­nes Feld. Jesus sieht das rei­fe, wogen­de Ähren­feld für Got­tes Reich. Die Ern­te ist groß! Sein Erbar­men allein sieht das! Nun ist kei­ne Zeit zu ver­lie­ren. Ern­te­ar­beit lei­det kei­nen Ver­zug. »Aber weni­ge sind der Arbei­ter«. Ist das ein Wun­der, da ja so weni­gen die­ser barm­her­zi­ge Blick Jesu geschenkt ist? Wer könn­te auch in die­se Arbeit ein­tre­ten als der, der am Her­zen Jesu Anteil gewon­nen hat, der durch ihn sehen­de Augen emp­fan­gen hat?

Jesus sucht Hil­fe. Er kann das Werk nicht allein tun. Wer sind die Mit­ar­bei­ter, die ihm hel­fen? Gott allein kennt sie und muß sie sei­nem Sohn geben. Wer dürf­te sich auch von sich aus dazu anbie­ten, Jesu Hel­fer zu sein? Selbst die Jün­ger dür­fen es nicht. Sie sol­len den Herrn der Ern­te bit­ten, Arbei­ter zu sen­den zur rech­ten Stun­de; denn es ist Zeit.

Die Apos­tel.

»Und er rief sei­ne zwölf Jün­ger zu sich und gab ihnen Macht über die unsau­be­ren Geis­ter, daß sie die aus­trie­ben und heil­ten aller­lei Seu­che und aller­lei Krank­heit. Die Namen aber der zwölf Apos­tel sind die­se: der ers­te Simon, genannt Petrus, und Andre­as, sein Bru­der; Jako­bus, des Zebedä­us Sohn, und Johan­nes, sein Bru­der; Phil­ip­pus und Bar­tho­lo­mä­us; Tho­mas und Mat­thä­us, der Zöll­ner; Jako­bus, des Alphä­us Sohn; Leb­bä­us, mit dem Zuna­men Thad­dä­us; Simon von Kana und Judas Ischa­rioth, wel­cher ihn ver­riet« (Mt. 10,1–4).

Das Gebet ist erhört. Der Vater hat dem Soh­ne sei­nen Wil­len offen­bart. Jesus Chris­tus ruft sei­ne zwölf Jün­ger und sen­det sie in die Ern­te. Er macht sie zu »Apos­teln«, zu sei­nen Boten und Mit­ar­bei­tern. »Und er gab ihnen Macht«. Um die­se Macht geht es in der Tat. Nicht nur ein Wort, nicht nur eine Leh­re, son­dern wirk­sa­me Macht emp­fan­gen die Apos­tel. Wie sol­len sie auch ihre Arbeit tun ohne die­se Macht? Es muß eine Macht sein, die grö­ßer ist als die Macht des­sen, der auf Erden herrscht, des Teu­fels. Daß der Teu­fel Macht hat, wis­sen die Jün­ger, obwohl es gera­de die List des Teu­fels ist, sei­ne Macht zu ver­leug­nen, den Men­schen vor­zu­spie­geln, er exis­tie­re gar nicht. Gera­de die­se gefähr­lichs­te Aus­übung sei­ner Macht muß getrof­fen wer­den. Der Teu­fel muß ans Licht und muß besiegt wer­den durch die Chris­tus­macht. Damit tre­ten die Apos­tel neben Jesus Chris­tus selbst. Sein Werk sol­len sie ihm ja tun hel­fen. So ver­sagt ihnen Jesus zu die­sem Auf­trag auch nicht die höchs­te Gabe, näm­lich teil­zu­ha­ben an sei­ner Kraft über die unsau­be­ren Geis­ter, über den Teu­fel, der von der Mensch­heit Besitz ergrif­fen hat. In die­sem Auf­trag sind die Apos­tel Chris­tus gleich gewor­den. Sie tun Chris­tus­wer­ke.

Die Namen die­ser ers­ten Boten wer­den der Welt auf­be­wahrt bis zum letz­ten Tag. Zwölf Stäm­me zähl­te das Volk Got­tes. Zwölf Boten sind es, die das Werk Chris­ti an ihm voll­brin­gen sol­len. Zwölf Thro­ne wer­den im Reich Got­tes für sie als Rich­ter Isra­els bereit­ste­hen (Mt. 19,28). Zwölf Tore wird das himm­li­sche Jeru­sa­lem haben, in die das hei­li­ge Volk ein­zie­hen wird und auf denen die Namen der Stäm­me zu lesen sein wer­den. Zwölf Grund­stei­ne hat die Mau­er der Stadt und sie wer­den die Namen der Apos­tel tra­gen (Offbg. 21,12.14).

Es ist allein der erwäh­len­de Ruf Jesu, der die Zwölf ver­eint. Simon, den Fel­sen­mann, Mat­thä­us, den Zöll­ner, Simon, den Zelo­ten, den Eife­rer um Recht und Gesetz gegen heid­ni­sche Bedrü­ckung, Johan­nes, den Jesus lieb hat­te und der an Jesu Busen lag, und die ande­ren, von denen uns nur der Name blieb, und schließ­lich Judas Ischa­rioth, der ihn ver­riet. Nichts auf der Welt hät­te die­se Män­ner zu dem­sel­ben Werk zu ver­bin­den ver­mocht als der Ruf Jesu. Hier war alle frü­he­re Ent­zwei­ung über­wun­den, und neue, fes­te Gemein­schaft war in Jesus begrün­det. Daß auch Judas aus­ging, um das Chris­tus­werk zu tun, bleibt ein dunk­les Rät­sel und eine furcht­ba­re War­nung.

Die Arbeit.

»Die­se zwölf sand­te Jesus, gebot ihnen und sprach: Gehet nicht auf der Hei­den Stra­ße und zie­het nicht in der Sama­ri­ter Städ­te, son­dern gehet hin zu den ver­lo­re­nen Scha­fen aus dem Hau­se Isra­el« (Mt. 10,5.6).

Als Gehil­fen Jesu ste­hen die Jün­ger in ihrer Wirk­sam­keit unter dem kla­ren Befehl ihres Herrn. Es ist ihnen nicht frei­ge­stellt, wie sie ihre Arbeit anfas­sen und auf­fas­sen wol­len. Das Chris­tus­werk, das sie trei­ben sol­len, zwingt die Boten ganz in den Wil­len Jesu hin­ein. Wohl ihnen, die sol­chen Befehl für ihr Amt haben und befreit sind von eige­nem Gut­dün­ken und Berech­nen! Gleich das ers­te Wort legt den Boten eine Beschrän­kung ihrer Arbeit auf, die ihnen befremd­lich und schwer gewe­sen sein muß. Sie dür­fen sich das Arbeits­feld nicht selbst wäh­len. Nicht wohin es sie in ihrem Her­zen drängt, son­dern wohin sie gesandt wer­den, ist ent­schei­dend. Damit wird es ganz deut­lich, daß sie nicht ein eige­nes Werk, son­dern Got­tes Werk trei­ben sol­len. Hät­te es nicht nahe gele­gen, gera­de zu den Hei­den und den Sama­ri­tern zu gehen, weil sie doch der fro­hen Bot­schaft beson­ders bedürf­tig waren? Mag es auch so sein, es ist doch kein Auf­trag dazu gege­ben. Got­tes Wer­ke aber kön­nen nicht ohne Auf­trag getan wer­den; sie wären sonst ohne Ver­hei­ßung getan. Gilt denn aber die Ver­hei­ßung und der Auf­trag zur Pre­digt des Evan­ge­li­ums nicht über­all? Bei­des gilt allein dort, wo Gott den Auf­trag dazu gege­ben hat. Ist es aber nicht gera­de die Lie­be Chris­ti, die uns dringt, unbe­grenzt die Bot­schaft aus­zu­rich­ten? Die Lie­be Chris­ti unter­schei­det sich von dem Über­schwang und dem Eifer des eige­nen Her­zens dadurch, daß sie sich an den Auf­trag hält. Nicht um unse­rer noch so gro­ßen Lie­be zu unse­ren Brü­dern im Volk oder zu den Hei­den in frem­den Län­dern wil­len brin­gen wir ihnen das Heil des Evan­ge­li­ums, son­dern um des Auf­trags des Herrn wil­len, den er im Mis­si­ons­be­fehl gege­ben hat. Allein der Auf­trag zeigt uns den Ort, an dem die Ver­hei­ßung liegt. Wenn Chris­tus nicht woll­te, daß ich hier oder dort das Evan­ge­li­um pre­di­ge, so soll­te ich alles fah­ren las­sen und an Chris­ti Wil­len und Wort blei­ben. So wer­den die Apos­tel gebun­den an das Wort, an den Auf­trag. Wo das Wort Chris­ti, wo der Auf­trag ist, dort allein sol­len die Apos­tel sich fin­den las­sen. »Gehet nicht auf der Hei­den Stra­ße und zie­het nicht in der Sama­ri­ter Städ­te, son­dern gehet zu den ver­lo­re­nen Scha­fen aus dem Hau­se Isra­el«.

Wir, die wir zu den Hei­den gehör­ten, waren einst­mals aus­ge­schlos­sen von der Bot­schaft. Erst muß­te Isra­el die Chris­tus­bot­schaft hören und ver­wer­fen, damit sie zu den Hei­den kom­me und eine Gemein­de der Hei­den­chris­ten geschaf­fen wür­de nach dem Auf­trag Jesu Chris­ti. Erst der Auf­er­stan­de­ne gibt den Mis­si­ons­be­fehl. So wur­de die Beschrän­kung des Auf­tra­ges, die die Jün­ger wohl nicht begrei­fen konn­ten, gera­de zur Gna­de für die Hei­den, die die Bot­schaft des Gekreu­zig­ten und Auf­er­stan­de­nen emp­fin­gen. Das ist Got­tes Weg und Weis­heit. Uns bleibt nur der Auf­trag.

»Geht aber und pre­digt und sprecht: Das Him­mel­reich ist nahe her­bei­ge­kom­men. Macht die Kran­ken gesund, rei­nigt die Aus­sät­zi­gen, weckt die Toten auf, treibt die Teu­fel aus. Umsonst habt ihrs emp­fan­gen, umsonst gebt es auch« (Mt. 10,7.8). – Die Bot­schaft und die Wirk­sam­keit der Boten ist von der Jesu Chris­ti selbst in nichts unter­schie­den. Sie haben teil­be­kom­men an sei­ner Macht. Jesus befiehlt die Ver­kün­di­gung des Anbruchs des Him­mel­rei­ches und er befiehlt die Zei­chen, die die­se Bot­schaft bekräf­ti­gen. Jesus befiehlt Kran­ke zu hei­len, Aus­sät­zi­ge zu rei­ni­gen, Tote auf­zu­er­we­cken, die Teu­fel aus­zu­trei­ben! Ver­kün­di­gung wird zum Gescheh­nis, und das Gescheh­nis bezeugt die Ver­kün­di­gung. Reich Got­tes, Jesus Chris­tus, Ver­ge­bung der Sün­den, Recht­fer­ti­gung des Sün­ders aus Glau­ben, das alles ist nichts ande­res als Ver­nich­tung der Teu­fels­macht, Hei­lung, Toten­auf­er­we­ckung. Als das Wort des all­mäch­ti­gen Got­tes ist es Tat, Ereig­nis, Wun­der. Der eine Jesus Chris­tus geht in sei­nen zwölf Boten durch das Land und tut sein Werk. Die könig­li­che Gna­de, mit der die Jün­ger aus­ge­stat­tet wer­den, ist das schöp­fe­ri­sche und erlö­sen­de Wort Got­tes.

»Ihr sollt nicht Gold noch Sil­ber noch Erz in euren Gür­teln haben, auch kei­ne Tasche zur Weg-Fahrt, auch nicht zwei Röcke, kei­ne Schu­he, auch kei­nen Ste­cken. Denn ein Arbei­ter ist sei­ner Spei­se wert« (Mt. 10,9–10). – Weil der Auf­trag und die Kraft der Boten allein im Wor­te Jesu bestehen, dar­um soll an Jesu Boten nichts gese­hen wer­den, was die­se könig­li­che Sen­dung undeut­lich oder unglaub­wür­dig macht. In könig­li­cher Armut sol­len die Boten Zeug­nis able­gen von dem Reich­tum ihres Herrn. Was sie von Jesus emp­fan­gen haben, ist kein eige­ner Besitz, mit dem sie ande­re Güter ein­han­deln könn­ten. »Umsonst habt ihr es emp­fan­gen«. Jesu Bote zu sein ver­leiht kei­ner­lei per­sön­li­ches Recht, kei­nen Anspruch auf Ehrung oder Macht. Auch wo aus dem frei­en Boten Jesu der beam­te­te Pfar­rer gewor­den ist, ist das nicht anders. Die Rech­te des stu­dier­ten Man­nes, die gesell­schaft­li­chen Ansprü­che eines Stan­des haben für den, der Jesu Bote gewor­den ist, kei­ne Gel­tung mehr. »Umsonst habt ihrs emp­fan­gen!« Oder war es doch nicht allein Jesu Ruf, der uns unver­dient in sei­nen Dienst zog? »Umsonst gebt es auch!« Laßt es deut­lich wer­den, daß ihr mit allem Reich­tum, den ihr zu ver­ge­ben habt, nichts für euch begehrt, nicht Besitz, aber auch nicht Anse­hen, Aner­ken­nung, ja, auch nicht ein­mal Dank­bar­keit! Woher hät­tet ihr auch einen Anspruch dar­auf? Alles, was an Ehrung auf uns fal­len soll, rau­ben wir ja dem, dem es in Wahr­heit gehört, dem Herrn, der uns gesandt hat. Die Frei­heit der Boten Jesu soll sich in ihrer Armut erwei­sen. Wenn sich Mar­kus und Lukas in der Auf­zäh­lung des­sen, was den Jün­gern mit­zu­neh­men ver­bo­ten oder erlaubt ist, um eini­ges von Mat­thä­us unter­schei­den, so läßt das doch kei­ne wei­te­ren Schlüs­se zu. Jesus befiehlt denen, die in der Voll­macht sei­nes Wor­tes aus­zie­hen, Armut. Es ist wohl gut, nicht zu über­se­hen, daß es sich hier um ein Gebot Jesu han­delt. Ja, der Besitz­stand der Jün­ger ist bis ins ein­zel­ne gere­gelt. Nicht als Bett­ler, nicht mit zer­ris­se­nen Klei­dern sol­len sie sich auf­fäl­lig machen und den ande­ren als Para­si­ten zur Last fal­len. Aber in dem Dienst­kleid der Armut sol­len sie ein­her­ge­hen. Sie sol­len so wenig bei sich haben wie der, der über Land geht und gewiß ist, daß er abends bei Freun­den das Haus fin­det, das ihn beher­bergt und ihn mit der nöti­gen Nah­rung ver­sorgt. Sol­ches Ver­trau­en sol­len sie zwar nicht auf Men­schen set­zen, aber auf den, der sie gesandt hat, und auf den himm­li­schen Vater, der für sie sor­gen wird. Damit wer­den sie die Bot­schaft glaub­wür­dig machen, die sie ver­kün­di­gen, näm­lich die anbre­chen­de Herr­schaft Got­tes auf Erden. In der­sel­ben Frei­heit, in der sie ihren Dienst tun, sol­len sie auch Her­ber­ge und Nah­rung anneh­men, nicht als Bet­tel­brot, son­dern als die Spei­se, deren ein Arbei­ter wert ist. »Arbei­ter« nennt Jesus sei­ne Boten. Träg­heit aller­dings ist nicht der Spei­se wert. Aber was ist Arbeit, wenn nicht die­ser Kampf mit den Mäch­ten des Satans, die­ser Kampf um die Her­zen der Men­schen, die­ser Ver­zicht auf eige­nen Ruhm, auf die Güter und Freu­den der Welt, um des Diens­tes an den Armen, Miß­han­del­ten, Elen­den wil­len? Gott selbst hat Mühe und Arbeit gehabt mit den Men­schen (Jes. 43,24), die See­le Jesu hat gear­bei­tet bis zum Tode am Kreuz zu unse­rem Heil (Jes. 53,11). An die­ser Arbeit neh­men die Boten teil, in der Ver­kün­di­gung, in der Über­win­dung des Satans und im für­bit­ten­den Gebet. Wer die­se Arbeit nicht aner­kennt, hat noch nichts begrif­fen vom Dienst des treu­en Boten Jesu. Ohne Beschä­mung dür­fen sie den täg­li­chen Lohn ihrer Arbeit emp­fan­gen, ohne Beschä­mung aber sol­len sie dabei arm blei­ben um ihres Diens­tes wil­len.

»Wo ihr aber in eine Stadt oder einen Markt geht, da erkun­digt euch, ob jemand dar­in sei, der es wert ist; und bei dem­sel­ben blei­bet, bis ihr von dan­nen zieht. Wo ihr aber in ein Haus geht, so grü­ßet es; und so es das Haus wert ist, wird euer Frie­de auf sie kom­men. Ist es aber nicht wert, so wird sich euer Frie­de wie­der zu euch wen­den. Und wo euch jemand nicht anneh­men wird noch eure Rede hören, so geht her­aus von dem­sel­ben Hau­se oder der Stadt und schüt­telt den Staub von euren Füßen. Wahr­lich, ich sage euch: Dem Lan­de der Sodo­mer und Gomor­rer wird es erträg­li­cher gehen am Jüngs­ten Gericht denn sol­cher Stadt« (Mt. 10,11–15).

– Die Arbeit in der Gemein­de wird ihren Aus­gangs­punkt neh­men von den Häu­sern, »die es wert sind«, Jesu Boten zu beher­ber­gen. Gott hat noch über­all eine beten­de und war­ten­de Gemein­de. Hier wer­den die Jün­ger im Namen ihres Herrn demü­tig und wil­lig auf­ge­nom­men. Hier wird ihre Arbeit im Gebet mit­ge­tra­gen wer­den, hier ist eine klei­ne Schar, die stell­ver­tre­tend für die gan­ze Gemein­de dasteht. Um den Unfrie­den in der Gemein­de und fal­scher Begehr­lich­keit oder Nach­gie­big­keit der Jün­ger zu weh­ren, gebie­tet Jesus den Apos­teln in dem­sel­ben Hau­se zu blei­ben, so lan­ge sie am Orte sind. Unver­züg­lich kom­men die Boten beim Betre­ten eines Hau­ses und einer Stadt zur Sache. Die Zeit ist kost­bar und kurz. Noch vie­le war­ten auf die Bot­schaft. Schon das ers­te Gruß­wort, mit dem sie wie ihr Herr ein Haus grü­ßen: »Frie­de sei mit die­sem Hau­se!« (Lk. 10,5), ist kei­ne lee­re For­mel, son­dern es bringt sogleich die Kraft des Got­tes­frie­dens über die, »die es wert sind«. Die Ver­kün­di­gung der Boten ist kurz und klar. Sie mel­den den Anbruch des Got­tes­rei­ches, sie rufen zur Umkehr und zum Glau­ben. Sie kom­men in der Voll­macht des Jesus von Naza­reth. Ein Befehl wird aus­ge­rich­tet, und ein Ange­bot wird gemacht in höchs­ter Auto­ri­sie­rung. Damit ist alles gesche­hen. Weil alles von größ­ter Ein­fach­heit und Klar­heit ist und weil die Sache kei­nen Auf­schub lei­det, dar­um bedarf es kei­ner wei­te­ren Vor­be­rei­tung, Dis­kus­si­on, Wer­bung. Ein König steht vor der Tür, jeden Augen­blick kann er kom­men: Wollt ihr euch unter­wer­fen und ihn demü­tig emp­fan­gen, oder wollt ihr, daß er euch in sei­nem Zorn ver­nich­te und töte? Wer hören will, der hat hier alles gehört; der kann auch den Boten nicht auf­hal­ten wol­len, denn der muß wei­ter in die nächs­te Stadt. Wer aber nicht hören will, für den ist die Gna­den­zeit vor­über, er hat sich selbst das Gericht gespro­chen. »Heu­te, so ihr sei­ne Stim­me höret, so ver­sto­cket eure Her­zen nicht!« (Hebr. 4,7). Das ist evan­ge­li­sche Pre­digt. Ist das unbarm­her­zi­ge Hast? Nichts ist unbarm­her­zi­ger als den Men­schen vor­zu­spie­geln, daß sie noch Zeit hät­ten zur Umkehr. Nichts ist barm­her­zi­ger, nichts ist fro­he­re Bot­schaft als dies, daß die Sache eilt, daß das Reich sehr nahe ist. Der Bote kann nicht war­ten, bis es jedem immer wie­der und jedem in sei­ner Spra­che gesagt ist. Got­tes Spra­che ist klar genug. Der Bote ver­fügt auch nicht dar­über, wer hören wird und wer nicht. Gott allein kennt die, »die es wert sind«. Die­se aber wer­den das Wort hören, so wie es von den Jün­gern gesagt wird. Wehe aber der Stadt und dem Haus, da der Bote Jesu nicht auf­ge­nom­men wird! Es wird ein furcht­ba­res Gericht erge­hen. Sodom und Gomor­rha, die Städ­te der Unzucht und der Ver­kom­men­heit, wer­den ein gnä­di­ge­res Gericht zu erwar­ten haben als die Städ­te Isra­els, die das Wort Jesu ver­wer­fen. Las­ter und Sün­de kön­nen ver­ge­ben wer­den durch das Wort Jesu, wer aber das Heils­wort selbst ver­wirft, der hat kei­ne Ret­tung mehr. Es gibt kei­ne schwe­re­re Sün­de als den Unglau­ben gegen das Evan­ge­li­um. Hier bleibt den Boten nichts als die­sen Ort zu räu­men. Sie gehen, weil das Wort hier nicht blei­ben kann. Mit Furcht und Stau­nen müs­sen sie zugleich die Kraft und die Schwach­heit des gött­li­chen Wor­tes erken­nen. Weil aber die Jün­ger nichts gegen das Wort und über das Wort hin­aus erzwin­gen kön­nen noch sol­len, weil es in ihrem Auf­trag nicht um heroi­schen Kampf, nicht um fana­ti­sche Durch­set­zung einer gro­ßen Idee, einer »guten Sache« geht, dar­um blei­ben sie nur dort, wo das Wort Got­tes bleibt. Wird es ver­wor­fen, so las­sen sie sich mit ihm ver­wer­fen. Den Staub aber schüt­teln sie von ihren Füßen zum Zei­chen des Flu­ches, der die­sen Ort tref­fen wird und an dem sie kei­nen Teil haben. Der Frie­de aber, den sie die­sem Orte brach­ten, wird auf sie zurück­keh­ren. »Das ist den Die­nern der Kir­che ein Trost, wel­che mei­nen, sie brin­gen nichts zustan­de. Ihr dürft euch nicht krän­ken; was ande­re nicht wol­len, das wird euch selbst zu einem des­to grö­ße­ren Segen. Die­sen sagt es der Herr also: Jene haben es ver­schmäht, so behal­tet ihr es für euch« (Ben­gel).

Das Lei­den der Boten.

»Sie­he, ich sen­de euch wie Scha­fe mit­ten unter die Wöl­fe; dar­um seid klug wie die Schlan­gen und ohne Falsch wie die Tau­ben. Hütet euch aber vor den Men­schen; denn sie wer­den euch über­ant­wor­ten vor ihre Rat­häu­ser und wer­den euch gei­ßeln in ihren Schu­len. Und man wird euch vor Fürs­ten und Köni­ge füh­ren um mei­net­wil­len, zum Zeug­nis über sie und über die Hei­den. Wenn sie euch nun über­ant­wor­ten wer­den, so sor­get nicht, wie oder was ihr reden sollt; denn es soll euch zu der Stun­de gege­ben wer­den, was ihr reden sollt. Denn ihr seid es nicht, die da reden, son­dern eures Vaters Geist ist es, der durch euch redet. Es wird aber ein Bru­der den ande­ren zum Tod über­ant­wor­ten und der Vater den Sohn, und die Kin­der wer­den sich empö­ren wider ihre Eltern und ihnen zum Tode hel­fen. Und ihr müßt geh­aßt wer­den von jeder­mann um mei­nes Namens wil­len. Wer aber bis an das Ende beharrt, der wird selig. Wenn sie euch aber in einer Stadt ver­fol­gen, so flieht in eine ande­re. Wahr­lich, ich sage euch: Ihr wer­det mit den Städ­ten Isra­els nicht zu Ende kom­men, bis des Men­schen Sohn kommt. Der Jün­ger ist nicht über sei­nen Meis­ter noch der Knecht über den Herrn. Es ist dem Jün­ger genug, daß er sei wie sein Meis­ter und der Knecht wie sein Herr. Haben sie den Haus­va­ter Beel­ze­bub gehei­ßen, wie­viel mehr wer­den sie sei­ne Haus­ge­nos­sen also hei­ßen!« (Mt. 10,16–25).

Erfolg­lo­sig­keit und Feind­schaft kön­nen den Boten nicht dar­an irre wer­den las­sen, daß er von Jesus gesandt ist. Als star­ken Halt und Trost wie­der­holt es Jesus: »Sie­he, ich sen­de euch!« Es ist ja kein eig­ner Weg und kein eig­nes Unter­neh­men; es ist Sen­dung. Damit ver­heißt der Herr, daß er bei sei­nen Boten blei­ben wird, wenn sie wie Scha­fe unter den Wöl­fen sein wer­den, wehr­los, ohn­mäch­tig, geängs­tigt und in gro­ßer Gefahr. Es wird ihnen nichts wider­fah­ren, was Jesus nicht weiß. »Dar­um seid klug wie die Schlan­gen und ohne Falsch wie die Tau­ben.« Wie oft haben Die­ner Jesu die­sen Satz miß­braucht! Wie schwer ist es auch für den wil­li­gen Boten Jesu, hier recht zu ver­ste­hen und im Gehor­sam zu blei­ben! Wer ver­mag denn geist­li­che Klug­heit von welt­li­cher Schlau­heit immer zu unter­schei­den? Wie gern ist man daher bereit, lie­ber auf jede »Klug­heit« zu ver­zich­ten und nur der Ein­falt der Tau­ben gleich zu sein, und eben­da­mit unge­hor­sam zu wer­den. Wer sagt uns, wo wir dem Lei­den aus Furcht aus­wei­chen und wo wir es aus Ver­we­gen­heit suchen? Wer zeigt uns die ver­bor­ge­nen Gren­zen, die hier gezo­gen sind? Es ist ja der­sel­be Unge­hor­sam, mit dem wir uns auf das Gebot der Klug­heit gegen die Ein­falt, wie umge­kehrt auf die Ein­falt gegen die Klug­heit beru­fen. Weil hier kei­nes Men­schen Herz sich in sich selbst aus­kennt und weil Jesus sei­ne Jün­ger nie­mals in die Unge­wiß­heit, son­dern immer in die höchs­te Gewiß­heit rief, dar­um kann die­se Mah­nung Jesu den Jün­ger zu nichts ande­rem rufen als zum Blei­ben am Wort. Wo das Wort ist, dort soll der Jün­ger auch sein, das ist sei­ne rech­te Klug­heit und sei­ne rech­te Ein­falt. Muß das Wort wei­chen, weil die Ver­wer­fung offen­bar gewor­den ist, so wei­che der Jün­ger mit dem Wort; bleibt das Wort im offe­nen Kampf, so blei­be auch der Jün­ger. Er wird in bei­dem klug und ein­fäl­tig zugleich han­deln. Nie­mals aber gehe der Jün­ger aus »Klug­heit« einen Weg, der vor dem Wort Jesu nicht bestehen kann. Nie­mals recht­fer­ti­ge er einen Weg, der dem Wort nicht ent­spricht, mit »geist­li­cher Klug­heit«. Allein die Wahr­heit des Wor­tes wird ihn erken­nen leh­ren, was klug ist. Nie­mals aber kann es »klug« sein, der Wahr­heit auch nur den gerings­ten Teil abzu­bre­chen, um irgend­ei­ner mensch­li­chen Aus­sicht oder Hoff­nung wil­len. Nicht unse­re Beur­tei­lung der Lage ver­mag uns zu zei­gen, was klug ist, son­dern allein die Wahr­heit des Wor­tes Got­tes. Klug kann es immer nur sein, bei der Wahr­heit Got­tes zu blei­ben. Hier allein ist die Ver­hei­ßung auf Got­tes Treue und Hil­fe. Es wird sich zu aller Zeit bewäh­ren, daß es für den Jün­ger in die­ser und in jener Zeit das »Klügs­te« ist, ein­fäl­tig allein bei dem Wor­te Got­tes zu blei­ben.

Vom Wor­te her wer­den die Boten auch die rech­te Kennt­nis der Men­schen gewin­nen. »Hütet euch vor den Men­schen«. Nicht Furcht vor den Men­schen, nicht böses Miß­trau­en, vor allem nicht Men­schen­haß, aber auch nicht leicht­sin­ni­ge Ver­trau­ens­se­lig­keit, Glau­be an das Gute in allen Men­schen, son­dern rech­tes Wis­sen um das Ver­hält­nis des Wor­tes zum Men­schen und des Men­schen zum Wort sol­len die Jün­ger zei­gen. Sind sie hier nüch­tern gewor­den, dann kön­nen sie es auch ertra­gen, wenn Jesus ihnen vor­her­sagt, daß ihr Weg unter den Men­schen ein Lei­dens­weg sein wird. Aber eine wun­der­ba­re Kraft wohnt dem Lei­den der Jün­ger inne. Wäh­rend der Ver­bre­cher in der Ver­bor­gen­heit sei­ne Stra­fe erlei­det, so wird der Lei­dens­weg die Jün­ger vor Fürs­ten und Köni­ge füh­ren, »um mei­net­wil­len, zum Zeug­nis über sie und über die Hei­den«. Durch Lei­den wird die Bot­schaft vor­an­ge­tra­gen wer­den. Weil das Got­tes Plan und Jesu Wil­le ist, dar­um wird auch in der Stun­de der Ver­ant­wor­tung vor Gerich­ten und Thro­nen den Jün­gern die Kraft gege­ben wer­den zu einem guten Bekennt­nis, zu einem furcht­lo­sen Zeug­nis. Der hei­li­ge Geist selbst wird ihnen bei­ste­hen. Er wird sie unüber­wind­lich machen. Er wird ihnen eine »Weis­heit geben, wel­cher nicht sol­len wider­spre­chen kön­nen noch wider­ste­hen alle eure Wider­sa­cher« (Lk. 21,15). Weil die Jün­ger im Lei­den am Wor­te blei­ben, dar­um wird das Wort auch bei ihnen blei­ben. Gesuch­tes Mar­ty­ri­um hät­te die­se Ver­hei­ßung nicht. Aber das Lei­den mit dem Wort ist ihrer ganz gewiß.

Der Haß gegen das Wort der Boten Jesu wird blei­ben bis ans Ende. Er wird die Jün­ger schul­dig spre­chen an aller Ent­zwei­ung, die über Städ­te und Häu­ser kom­men wird. Jesus und sei­ne Jün­ger wer­den als die Zer­stö­rer der Fami­lie, als die Ver­füh­rer des Vol­kes, als wahn­sin­ni­ge Schwär­mer und Auf­rüh­rer von allen ver­ur­teilt wer­den. Jetzt ist die Ver­su­chung zum Abfall nahe an den Jün­ger her­an­ge­tre­ten. Aber nahe ist auch das Ende. Bis dahin noch gilt es treu zu blei­ben, durch­zu­hal­ten, zu behar­ren. Selig wird allein der sein, der bis zuletzt bei Jesus und sei­nem Wor­te bleibt. Wenn aber das Ende kommt, wenn die Feind­schaft gegen Jesus und sei­ne Jün­ger offen­bar gewor­den ist in aller Welt, dann, frei­lich erst dann sol­len die Boten flie­hen von einer Stadt in die ande­re, um nur das Wort noch sagen zu kön­nen, wo es noch gehört wird. Sie tren­nen sich auch in die­ser Flucht nicht vom Wort, son­dern sie blei­ben fest bei ihm.

Die Ver­hei­ßung Jesu von der nahen Wie­der­kunft ist uns von der Gemein­de auf­be­wahrt wor­den im Glau­ben dar­an, daß sie wahr sei. Ihre Erfül­lung ist dun­kel, und es ist nicht gut, hier mensch­li­che Aus­we­ge zu suchen. Aber dies ist klar und für uns heu­te allein wich­tig, daß Jesu Wie­der­kunft schnell kom­men wird und daß sie gewis­ser ist als daß wir unse­re Arbeit in sei­nem Dienst noch voll­enden kön­nen, daß sie gewis­ser ist als unser Tod. In dem allen kön­nen Jesu Boten aber kei­nen grö­ße­ren Trost emp­fan­gen als die Gewiß­heit, daß sie in ihren Lei­den ihrem Herrn gleich sein wer­den. Wie der Meis­ter, so der Jün­ger; wie der Herr, so der Knecht. Wird Jesus Teu­fel genannt, wie­viel mehr die Die­ner sei­nes Hau­ses. So wird Jesus bei ihnen sein und sie wer­den in allem Chris­tus gleich sein.

Die Ent­schei­dung.

»So fürch­tet euch denn nicht vor ihnen. Es ist nichts ver­bor­gen, das nicht offen­bar wer­de, und ist nichts heim­lich, das man nicht wis­sen wer­de. Was ich euch sage in der Fins­ter­nis, das redet im Licht; und was ihr hört in das Ohr, das pre­digt auf den Dächern. Und fürch­tet euch nicht vor denen, die den Leib töten und die See­le nicht töten kön­nen; fürch­tet euch aber viel­mehr vor dem, der Leib und See­le ver­der­ben kann in die Höl­le. Kauft man nicht zwei Sper­lin­ge um einen Pfen­nig? Den­noch fällt deren kei­ner auf die Erde ohne euren Vater. Nun aber sind auch eure Haa­re auf dem Haupt alle gezählt. So fürch­tet euch denn nicht; ihr seid bes­ser als vie­le Sper­lin­ge. Wer nun mich bekennt vor den Men­schen, den will ich auch beken­nen vor mei­nem himm­li­schen Vater. Wer mich aber ver­leug­net vor den Men­schen, den will ich auch ver­leug­nen vor mei­nem himm­li­schen Vater. Ihr sollt nicht wäh­nen, daß ich gekom­men sei, Frie­den zu sen­den auf die Erde. Ich bin nicht gekom­men, Frie­den zu sen­den, son­dern das Schwert. Denn ich bin gekom­men, den Men­schen zu erre­gen wider sei­nen Vater und die Toch­ter wider ihre Mut­ter und die Schwie­ger­toch­ter wider ihre Schwie­ger­mut­ter. Und des Men­schen Fein­de wer­den sei­ne eige­nen Haus­ge­nos­sen sein. Wer Vater oder Mut­ter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert; und wer Sohn oder Toch­ter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist mein nicht wert. Wer sein Leben fin­det, der wird’s ver­lie­ren; und wer sein Leben ver­liert um mei­net­wil­len, der wird’s fin­den« (Mt. 10,26–39).

Der Bote bleibt beim Wort und das Wort bleibt beim Boten jetzt und in Ewig­keit. Drei­mal stärkt Jesus sei­ne Boten mit dem Ruf: »fürch­tet euch nicht!« Was ihnen jetzt im Ver­bor­ge­nen wider­fährt, wird nicht ver­bor­gen blei­ben, son­dern offen­bar wer­den vor Gott und den Men­schen. Das heim­lichs­te Lei­den, das man ihnen zufügt, hat die Ver­hei­ßung, einst an den Tag zu kom­men, zum Gericht über die Ver­fol­ger, zur Ver­herr­li­chung der Boten. Aber auch das Zeug­nis der Boten soll nicht im Dun­keln blei­ben, son­dern ein öffent­li­ches Zeug­nis wer­den. Nicht heim­li­che Sek­tie­re­rei, son­dern öffent­li­che Pre­digt soll das Evan­ge­li­um sein. Auch wenn es heu­te noch hier und da in Win­keln leben muß, in der letz­ten Zeit wird die­se Pre­digt den gan­zen Erd­kreis erfül­len zum Heil und zur Ver­wer­fung. Die Offen­ba­rung des Johan­nes aber weis­sagt: »und ich sah einen Engel flie­gen mit­ten durch den Him­mel, der hat­te ein ewi­ges Evan­ge­li­um zu ver­kün­di­gen denen, die auf Erden woh­nen, und allen Hei­den und Geschlech­tern und Spra­chen und Völ­kern« (14,6). Dar­um »fürch­tet euch nicht!«

Nicht die Men­schen sind zu fürch­ten. Sie ver­mö­gen den Jün­gern Jesu nicht viel anzu­ha­ben. Ihre Macht hört mit dem leib­li­chen Tode auf. Todes­furcht aber sol­len die Jün­ger über­win­den durch Got­tes­furcht. Nicht das Gericht der Men­schen, son­dern Got­tes Gericht, nicht das Ver­der­ben des Lei­bes, son­dern das ewi­ge Ver­der­ben des Lei­bes und der See­le bringt dem Jün­ger Gefahr. Wer die Men­schen noch fürch­tet, der fürch­tet Gott nicht. Wer Gott fürch­tet, der fürch­tet die Men­schen nicht mehr. Der täg­li­chen Erin­ne­rung ist die­ser Satz für die Pre­di­ger des Evan­ge­li­ums wert.

Die Macht, die den Men­schen für kur­ze Zeit auf die­ser Erde gege­ben ist, ist nicht ohne Got­tes Wis­sen und Wil­len. Fal­len wir in der Men­schen Hän­de, trifft uns Lei­den und Tod durch mensch­li­che Gewalt, so sind wir doch des­sen gewiß, daß alles von Gott kommt. Er, der kei­nen Sper­ling zu Boden fal­len sieht ohne sein Wol­len und Wis­sen, er läßt den Sei­nen nichts gesche­hen, als was ihnen und der Sache, für die sie ste­hen, gut und nütz­lich ist. Wir sind in Got­tes Hän­den. Dar­um »fürch­tet euch nicht!«.

Die Zeit ist kurz. Die Ewig­keit ist lang. Es ist Ent­schei­dungs­zeit. Wer hier am Wort und am Bekennt­nis bleibt, bei dem wird in der Stun­de des Gerichts Jesus Chris­tus ste­hen. Er wird ihn ken­nen und sich zu ihm stel­len, wenn der Ver­klä­ger sein Recht for­dern wird. Alle Welt wird Zeu­ge sein, wenn Jesus unsern Namen nen­nen wird vor sei­nem himm­li­schen Vater. Wer sich im Leben zu Jesus gehal­ten hat, zu dem wird sich Jesus in der Ewig­keit hal­ten. Wer sich aber die­ses Herrn und die­ses Namens schämt, wer ihn ver­leug­net, des­sen wird sich auch Jesus in der Ewig­keit schä­men, den wird er ver­leug­nen. Die­se letz­te Schei­dung muß schon auf Erden anhe­ben. Der Frie­de Jesu Chris­ti ist das Kreuz. Das Kreuz aber ist Got­tes Schwert auf die­ser Erde. Es schafft Ent­zwei­ung. Der Sohn gegen den Vater, die Toch­ter gegen die Mut­ter, die Haus­ge­nos­sen gegen den Haus­va­ter, und das alles um des Rei­ches Got­tes und sei­nes Frie­dens wil­len, das ist Chris­ti Werk auf Erden! Ist es ver­wun­der­lich, daß die Welt ihn, der die Lie­be Got­tes den Men­schen brach­te, des Men­schen­has­ses schul­dig spricht? Wer darf denn über Vater- und Mut­ter­lie­be, über die Lie­be zum Sohn und zur Toch­ter so spre­chen, wenn nicht ent­we­der der Zer­stö­rer alles Lebens oder aber der Schöp­fer eines neu­en Lebens? Wer kann die Lie­be und das Opfer der Men­schen so für sich allein in Anspruch neh­men, als der Men­schen­feind oder aber der Men­schen­hei­land? Wer wird das Schwert in die Häu­ser tra­gen als der Teu­fel oder Chris­tus, der Frie­de­fürst? Got­tes Lie­be zum Men­schen und der Men­schen Lie­be zu ihrem eige­nen Geschlecht sind gar zu ver­schie­den. Got­tes Lie­be zum Men­schen heißt Kreuz und Nach­fol­ge, aber eben dar­in Leben und Auf­er­ste­hung. »Wer sein Leben ver­liert um mei­net­wil­len, der wird’s fin­den«. In die­ser Zusa­ge spricht der, der die Macht hat über den Tod, der Sohn Got­tes, der zum Kreuz und zur Auf­er­ste­hung geht und die Sei­nen mit­nimmt.

Die Frucht.

»Wer euch auf­nimmt, der nimmt mich auf; und wer mich auf­nimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Pro­phe­ten auf­nimmt in eines Pro­phe­ten Namen, der wird eines Pro­phe­ten Lohn emp­fan­gen. Wer einen Gerech­ten auf­nimmt in eines Gerech­ten Namen, der wird eines Gerech­ten Lohn emp­fan­gen. Und wer die­ser Gerings­ten einen nur mit einem Becher kal­ten Was­sers tränkt in eines Jün­gers Namen, wahr­lich, ich sage euch, es wird ihm nicht unbe­lohnt blei­ben« (Mt. 10,40–42).

Die Trä­ger des Wor­tes Jesu emp­fan­gen ein letz­tes ver­hei­ßen­des Wort für ihr Werk. Sie sind Chris­ti Mit­ar­bei­ter und Gehil­fen gewor­den, sie sol­len Chris­tus gleich sein in allen Stü­cken, so sol­len sie auch für die Men­schen, zu denen sie gehen, »wie Chris­tus« sein. Mit ihnen betritt Jesus Chris­tus selbst das Haus, das sie auf­nimmt. Sie sind Trä­ger sei­ner Gegen­wart. Sie brin­gen den Men­schen das kost­bars­te Geschenk, Jesus Chris­tus, und mit ihm Gott, den Vater, und das heißt ja Ver­ge­bung, Heil, Leben, Selig­keit. Das ist der Lohn und die Frucht ihrer Arbeit und ihres Lei­dens. Jeder Dienst, den man ihnen tun wird, ist an Jesus Chris­tus selbst getan. Das ist in glei­cher Wei­se Gna­de für die Gemein­de und für die Boten. Die Gemein­de wird den Boten um so wil­li­ger Gutes erwei­sen, sie ehren und ihnen die­nen; denn mit ihnen ist ja der Herr selbst bei ihnen ein­ge­kehrt. Die Jün­ger aber dür­fen wis­sen, daß ihr Ein­tritt in ein Haus nicht ver­geb­lich und leer bleibt, son­dern daß sie eine unver­gleich­li­che Gabe brin­gen. Es ist ein Gesetz im Rei­che Got­tes, daß jeder der Gabe teil­haf­tig wird, die er wil­lig als von Gott gekom­men emp­fängt. Wer den Pro­phe­ten auf­nimmt im Wis­sen dar­um, was er tut, der wird sei­ner Sache, sei­ner Gabe und sei­nes Loh­nes teil­haf­tig. Wer einen Gerech­ten auf­nimmt, der wird den Lohn eines Gerech­ten emp­fan­gen, denn er hat an sei­ner Gerech­tig­keit teil­ge­nom­men. Wer aber einem die­ser Gerings­ten, die­ser Ärms­ten, denen kein Ehren­na­me zukommt, die­ser Boten Jesu Chris­ti nur einen Becher Was­ser reicht, der hat Jesus Chris­tus selbst gedient, und der Lohn Jesu Chris­ti wird ihm zufal­len.

So wird der letz­te Gedan­ke der Boten nicht auf den eige­nen Weg, auf das eige­ne Lei­den und auf den eige­nen Lohn gerich­tet, son­dern auf das Ziel ihrer Arbeit, auf das Heil der Gemein­de.