Bon­hoef­fer wur­de im April 1945 hin­ge­rich­tet, somit sind sei­ne Wer­ke seit 1. Janu­ar 2016 gemein­frei. Wir ver­öf­fent­li­chen hier in wöchent­li­chen Abschnit­ten sein Buch »Nach­fol­ge« von 1938 als gan­zes.

Der Schluß.

»Dar­um, wer die­se mei­ne Rede hört und tut sie, den ver­glei­che ich einem klu­gen Mann, der sein Haus auf einen Fel­sen bau­te. Da nun ein Platz­re­gen fiel und ein Gewäs­ser kam und weh­ten die Win­de und stie­ßen an das Haus, fiel es doch nicht; denn es war auf einen Fel­sen gegrün­det. Und wer die­se mei­ne Rede hört und tut sie nicht, der ist einem törich­ten Man­ne gleich, der sein Haus auf den Sand bau­te. Da nun ein Platz­re­gen fiel und kam ein Gewäs­ser und weh­ten die Win­de und stie­ßen an das Haus, da fiel es und tat einen gro­ßen Fall. Und es begab sich, da Jesus die­se Rede voll­endet hat­te, ent­setz­te sich das Volk über sei­ne Leh­re; denn er pre­dig­te gewal­tig und nicht wie die Schrift­ge­lehr­ten« (Mt. 7,24–29).

Wir haben die Berg­pre­digt gehört, wir haben sie viel­leicht ver­stan­den. Aber wer hat sie recht gehört? Auf die­se Fra­ge ant­wor­tet Jesus zuletzt. Jesus läßt sei­ne Zuhö­rer nicht ein­fach weg­ge­hen, damit sie nun aus sei­ner Rede machen, was ihnen gefällt, damit sie her­aus­su­chen, was ihnen für ihr Leben wert­voll erscheint, damit sie prü­fen, wie sich die­se Leh­re zu der »Wirk­lich­keit« ver­hal­te. Jesus gibt sein Wort sei­nen Zuhö­rern nicht frei, daß es unter ihren krä­me­ri­schen Hän­den miß­braucht wird, son­dern er gibt es ihnen so, daß es allein Macht über sie behal­ten muß. Mensch­lich gese­hen gibt es unzäh­li­ge Mög­lich­kei­ten, die Berg­pre­digt zu ver­ste­hen und zu deu­ten. Jesus kennt nur eine ein­zi­ge Mög­lich­keit: ein­fach hin­ge­hen und gehor­chen. Nicht deu­ten, anwen­den, son­dern tun, gehor­chen. So allein ist Jesu Wort gehört. Aber auch wie­der nicht vom Tun als von einer idea­len Mög­lich­keit reden, son­dern wirk­lich mit dem Tun anfan­gen.

Die­ses Wort, dem ich über mich recht­ge­be, die­ses Wort, das aus dem »ich habe dich erkannt« her­kommt, das mich sofort ins Tun, ins Gehor­chen stellt, ist der Fels, auf dem ich ein Haus bau­en kann. Die­sem Wort Jesu aus der Ewig­keit her ent­spricht nur noch das schlich­te Tun. Jesus hat gere­det, sein ist das Wort, unser ist der Gehor­sam. Allein im Tun behält das Wort Jesu unter uns sei­ne Ehre, sei­ne Kraft und Macht. Jetzt kann der Sturm über das Haus fah­ren, die Ein­heit mit Jesus, die durch sein Wort geschaf­fen ist, kann es nicht mehr zer­rei­ßen.

Neben dem Tun gibt es nur noch das Nicht­tun. Es gibt aber kein Tun­wol­len und doch nicht tun. Wer mit Jesu Wort irgen­d­an­ders umgeht als durchs Tun, gibt Jesus unrecht, sagt Nein zur Berg­pre­digt, tut sein Wort nicht. Alles Fra­gen, Pro­ble­ma­ti­sie­ren und Deu­ten ist Nicht­tun. Der rei­che Jüng­ling, der Schrift­ge­lehr­te aus Lk. 10 kom­men in Sicht. Und wenn ich mei­nen Glau­ben, mei­ne grund­sätz­li­che Aner­ken­nung die­sem Wort gegen­über noch so sehr beteu­er­te, Jesus nennt das Nicht­tun. Das Wort aber, das ich nicht tun will, ist mir kein Fels, auf den ich ein Haus bau­en kann. Hier ist kei­ne Ein­heit mit Jesus. Er hat mich noch nie erkannt. Dar­um, wenn der Sturm jetzt kommt, dann geht mir das Wort schnell ver­lo­ren, dann erfah­re ich, daß ich in Wahr­heit nie geglaubt habe. Ich hat­te nicht Chris­ti Wort, son­dern ein Wort, das ich ihm ent­wun­den und zu mei­nem eige­nen gemacht hat­te, indem ich dar­über nach­dach­te, es aber nicht tat. Nun tut mein Haus einen gro­ßen Fall, weil es nicht auf Chris­ti Wort ruht.

»Und das Volk ent­setz­te sich…« Was war gesche­hen? Der Sohn Got­tes hat­te gere­det. Er hat­te das Welt­ge­richt in sei­ne Hand genom­men. Und sei­ne Jün­ger stan­den an sei­ner Sei­te.