Bon­hoef­fer wur­de im April 1945 hin­ge­rich­tet, somit sind sei­ne Wer­ke seit 1. Janu­ar 2016 gemein­frei. Wir ver­öf­fent­li­chen hier in wöchent­li­chen Abschnit­ten sein Buch »Nach­fol­ge« von 1938 als ganzes.

Die Ein­falt des sorg­lo­sen Lebens.

Ihr sollt euch nicht Schät­ze sam­meln auf Erden, da sie die Mot­ten und der Rost fres­sen und da die Die­be nach­gra­ben und steh­len. Sam­melt euch aber Schät­ze im Him­mel, da sie weder Mot­ten noch Rost fres­sen und da die Die­be nicht nach­gra­ben und steh­len. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz. Das Auge ist des Lei­bes Licht. Wenn dein Auge ein­fäl­tig ist, so wird dein gan­zer Leib licht sein; ist aber dein Auge ein Schalk, so wird dein gan­zer Leib fins­ter sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Fins­ter­nis ist, wie groß wird dann die Fins­ter­nis sein! Nie­mand kann zwei Her­ren die­nen; ent­we­der er wird den einen has­sen und den ande­ren lie­ben, oder er wird dem einen anhan­gen und den ande­ren ver­ach­ten. Ihr könnt nicht Gott die­nen und dem Mam­mon“ (Mt. 6,19–24).

Das Leben des Nach­fol­gen­den bewährt sich dar­in, daß nichts zwi­schen Chris­tus und ihn tritt, nicht das Gesetz, nicht die eige­ne Fröm­mig­keit, aber auch nicht die Welt. Der Nach­fol­gen­de sieht immer nur Chris­tus. Er sieht nicht Chris­tus und das Gesetz, Chris­tus und die Fröm­mig­keit, Chris­tus und die Welt. Er tritt in die­se Refle­xi­on gar nicht ein, son­dern er folgt in allem allein Chris­tus. So ist sein Auge ein­fäl­tig. Es ruht ganz und gar auf dem Licht, das ihm von Chris­tus kommt und hat kei­ne Fins­ter­nis, kei­ne Zwei­deu­tig­keit in sich. Wie das Auge ein­fäl­tig, klar, rein sein muß, damit der Leib im Lich­te blei­be, wie Fuß und Hand von nir­gends anders­her Licht emp­fan­gen als vom Auge, wie der Fuß strau­chelt und die Hand sich ver­fehlt, wenn das Auge trü­be ist, wie der gan­ze Leib im Fins­tern ist, wenn das Auge erlischt, so ist der Nach­fol­ger nur solan­ge im Licht, als er ein­fäl­tig auf Chris­tus sieht und nicht noch auf die­ses oder jenes; so muß das Herz des Jün­gers allein auf Chris­tus gerich­tet sein. Sieht das Auge etwas ande­res als das Wirk­li­che, so ist der gan­ze Leib betro­gen. Hängt sich das Herz an den Schein der Welt, an die Krea­tur statt an den Schöp­fer, so ist der Jün­ger verloren.

Es sind die Güter der Welt, die das Herz des Jün­gers Jesu abwen­den wol­len. Wohin steht das Herz des Jün­gers? das ist die Fra­ge. Steht es zu den Gütern der Welt, steht es auch nur zu Chris­tus und den Gütern? oder steht es zu Chris­tus ganz allein? Das Licht des Lei­bes ist das Auge, das Licht des Nach­fol­gen­den ist das Herz. Ist das Auge fins­ter, wie fins­ter muß der Leib sein. Ist das Herz fins­ter, wie fins­ter muß es in dem Jün­ger sein. Das Herz aber wird fins­ter, wenn es sich an die Güter der Welt hängt. Nun mag der Ruf Jesu noch so ein­dring­lich sein, er prallt ab, er fin­det kei­nen Ein­gang in den Men­schen, denn das Herz ist ver­schlos­sen, es gehört einem Ande­ren. Wie kein Licht in den Leib dringt, wenn das Auge böse ist, so dringt das Wort Jesu nicht mehr zu dem Jün­ger, wenn sein Herz sich ver­schließt. Das Wort ist erstickt, wie das Samen­korn unter den Dor­nen, unter Sor­gen, Reich­tum und Wol­lust die­ses Lebens“ (Lk. 8,14). Die Ein­falt des Auges und des Her­zens ent­spricht jener Ver­bor­gen­heit, die von nichts weiß als von Chris­ti Wort und Ruf, die in der völ­li­gen Gemein­schaft mit Chris­tus besteht. Wie geht der Nach­fol­gen­de ein­fäl­tig mit den Gütern der Erde um? Nicht den Gebrauch der Güter ver­sagt ihnen Jesus. Jesus war Mensch, aß und trank wie sei­ne Jün­ger. Er hat dadurch den Gebrauch der Güter der Erde gerei­nigt. Die Güter, die sich unter der Hand ver­zeh­ren, die zur täg­li­chen Not­durft und Nah­rung des leib­li­chen Lebens die­nen, soll der Nach­fol­gen­de dank­bar gebrauchen.

Man muß wie Pil­ger wandeln, /
frei, bloß und wahr­lich leer; /
viel sam­meln, hal­ten, handeln /
macht unsern Gang nur schwer. /
Wer will, der trag sich tot; /
wir rei­sen abgeschieden, /
mit weni­gem zufrieden; /
wir brauchen’s nur zur Not“. (Ters­tee­gen).

Dazu sind die Güter gege­ben, daß sie gebraucht wer­den; aber nicht dazu, daß sie gesam­melt wer­den. Wie Isra­el in der Wüs­te das Man­na täg­lich von Gott emp­fing und nicht zu sor­gen hat­te um Essen und Trin­ken, und wie das Man­na, das von einem Tag für den ande­ren auf­be­wahrt wur­de, als­bald fau­lig wur­de, so soll der Jün­ger Jesu täg­lich das Sei­ne von Gott emp­fan­gen; aber indem er es anhäuft zu blei­ben­dem Besitz, ver­dirbt er die Gabe und sich selbst. Am ange­sam­mel­ten Schatz hängt das Herz. Das ange­stau­te Gut tritt zwi­schen mich und Gott. Wo mein Schatz ist, da ist mein Ver­trau­en, mei­ne Sicher­heit, mein Trost, mein Gott. Der Schatz ist Abgöt­te­rei (Anm.: Es ist kein Zufall, daß in den pau­li­ni­schen Las­ter­ka­ta­lo­gen Hure­rei und Hab­gier immer wie­der neben­ein­an­der-ste­hen und bei­de als Abgöt­te­rei bezeich­net werden).

Wo aber ver­läuft die Gren­ze zwi­schen den Gütern, die ich gebrau­chen soll, und dem Schatz, den ich nicht haben soll? Keh­ren wir den Satz um und sagen: wor­an dein Herz hängt, das ist dein Schatz, dann ist die Ant­wort schon gege­ben. Es kann ein sehr unschein­ba­rer Schatz sein, auf die Grö­ße kommt es nicht an, auf das Herz allein kommt es an, auf dich. Fra­ge ich aber wei­ter, wie ich erken­ne, wor­an mein Herz hängt, so ist auch hier die Ant­wort ein­fach und klar: alles, was dich hin­dert, Gott über alle Din­ge zu lie­ben, was zwi­schen dich und dei­nen Gehor­sam gegen Jesus tritt, ist der Schatz, an dem dein Herz hängt.

Weil aber des Men­schen Herz am Schatz hängt, dar­um soll der Mensch auch nach Jesu Wil­len einen Schatz haben (Anm.: Es soll wohl beach­tet wer­den, daß Jesus dem mensch­li­chen Her­zen nicht raubt, was es bedarf, den Schatz, die Ehre, den Ruhm. Aber er gibt ihm einen ande­ren Gegen­stand, die Ehre von Gott (Joh. 5,44), den Ruhm des Kreu­zes (Gal. 6,14), den Schatz im Him­mel), aber nicht auf Erden, wo er in sich zer­fällt, son­dern im Him­mel, wo er bleibt. Die Schät­ze“ im Him­mel, von denen Jesus redet, sind offen­bar nicht der Eine Schatz, Jesus selbst, son­dern wirk­lich von den Nach­fol­gen­den gesam­mel­te Schät­ze. Es ist dar­in eine gro­ße Ver­hei­ßung aus­ge­spro­chen, daß in der Nach-fol­ge Jesu der Jün­ger himm­li­sche Schät­ze erwirbt, die nicht ver­ge­hen, die auf ihn war­ten, mit denen er ver­ei­nigt wer­den soll. Was für Schät­ze kön­nen das sein als jenes Außer­or­dent­li­che, als jenes Ver­bor­ge­ne des Jün­ger­le­bens, was für Schät­ze kön­nen es sein, als die Früch­te des Lei­dens Chris­ti, die das Leben der Nach-fol­gen­den trägt? Hat der Jün­ger sein Herz ganz bei Gott, dann ist es für ihn klar, daß er nicht zwei Her­ren die­nen kann. Er kann es nicht. Es ist unmög­lich in der Nach­fol­ge. Es läge ja nahe, sei­ne christ­li­che Klug­heit und Erfah­rung gera­de dar­in zu erwei­sen, daß er es eben doch ver­ste­he, bei­den Her­ren zu die­nen, dem Mam­mon und Gott, daß er jedem sein begrenz­tes Recht gebe. War­um sol­len wir nicht auch gera­de als Kin­der Got­tes fröh­li­che Kin­der die­ser Welt sein, die sich an sei­nen guten Gaben freu­en und die ihre Schät­ze als Segen Got­tes emp­fan­gen? Gott und Welt, Gott und die Güter sind wider­ein­an­der, weil Welt und Güter nach unse­rem Her­zen grei­fen und erst, indem sie das Herz gewon­nen haben, sind, was sie sind. Ohne unser Herz sind Güter und Welt nichts. Sie leben von unse­rem Her­zen. So sind sie wider Gott. Wir kön­nen unser Herz nur einem in vol­ler Lie­be geben, wir kön­nen nur einem Herrn ganz anhan­gen. Was die­ser Lie­be ent­ge­gen­steht, ver­fällt dem Haß. Es gibt nach Jesu Wort Gott gegen­über nur Lie­be oder Haß. Lie­ben wir Gott nicht, dann has­sen wir ihn. Es gibt kein Mitt­le­res. Gott ist so und dar­in Gott, daß er nur geliebt oder geh­aßt wer­den kann. Es gibt hier nur das Ent­we­der-Oder: ent­we­der du liebst Gott oder du liebst die Güter der Welt. Liebst du die Welt, so haßt du Gott, liebst du Gott, so haßt du die Welt. Ob du das willst, ob du es wis­sent­lich tust, dar­an liegt gar nichts. Ganz gewiß, du wirst es nicht wol­len, du wirst es wohl auch nicht wis­sen, was du tust; viel­mehr willst du das eben nicht, son­dern du willst ja gera­de bei­den Her­ren die­nen. Du willst Gott lie­ben und die Güter, also du wirst es immer für eine Unwahr­heit hal­ten, daß du Gott haßt. Du liebst ihn ja, wie du meinst. Aber eben indem wir Gott lie­ben und die Güter der Welt auch, ist die­se Lie­be zu Gott Haß, ist das Auge nicht mehr ein­fäl­tig, ist das Herz nicht mehr in der Gemein­schaft Jesu. Ob wir das wol­len oder nicht, es kann eben nicht anders sein. Ihr könnt nicht zwei Her­ren die­nen, ihr, die ihr in der Nach­fol­ge Jesu steht.

Dar­um sage ich euch: Sor­get nicht für euer Leben, was ihr essen und trin­ken wer­det, auch nicht für euren Leib, was ihr anzie­hen wer­det. Ist nicht das Leben mehr denn die Spei­se? und der Leib mehr denn die Klei­dung? Sehet die Vögel unter dem Him­mel an: sie säen nicht, sie ern­ten nicht, sie sam­meln nicht in die Scheu­nen; und euer himm­li­scher Vater nährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? Wer ist aber unter euch, der sei­ner Län­ge eine Elle zuset­zen möge, ob er gleich dar­um sor­get? Und war­um sor­get ihr für die Klei­dung? Schau­et die Lili­en auf dem Fel­de, wie sie wach­sen: sie arbei­ten nicht, auch spin­nen sie nicht. Ich sage euch, daß auch Salo­mo in aller sei­ner Herr­lich­keit nicht beklei­det gewe­sen ist wie der­sel­ben eins. So denn Gott das Gras auf dem Fel­de also klei­det, das doch heu­te steht und mor­gen in den Ofen gewor­fen wird; soll­te er das nicht viel mehr euch tun, o ihr Klein­gläu­bi­gen? Dar­um sollt ihr nicht sor­gen und sagen: Was wer­den wir essen, was wer­den wir trin­ken, womit wer­den wir uns klei­den? Nach sol­chem allen trach­ten die Hei­den. Denn euer himm­li­scher Vater weiß, daß ihr des alles bedür­fet. Trach­tet am ers­ten nach dem Reich Got­tes und nach sei­ner Gerech­tig­keit, so wird euch sol­ches alles zufal­len. Dar­um sor­get nicht für den ande­ren Mor­gen; denn der mor­gen­de Tag wird für das Sei­ne sor­gen. Es ist genug, daß ein jeg­li­cher Tag sei­ne eige­ne Pla­ge habe“ (Mt. 6,25–34).

Sor­get nicht! Die Güter spie­geln dem mensch­li­chen Her­zen vor, ihm Sicher­heit und Sorg­lo­sig­keit zu geben; aber in Wahr­heit ver­ur­sa­chen sie gera­de erst die Sor­ge. Das Herz, das sich an die Güter hängt, emp­fängt mit ihnen die ersti­cken-de Last der Sor­ge. Die Sor­ge schafft sich Schät­ze, und die Schät­ze schaf­fen wie­der die Sor­ge. Wir wol­len unser Leben durch die Güter sichern, wir wol­len durch Sor­ge sorg­los wer­den; aber in Wahr­heit erweist sich das Gegen­teil. Die Fes­seln, die uns an die Güter bin­den, die die Güter fest­hal­ten, sind selbst – Sorgen.

Der Miß­brauch der Güter besteht dar­in, daß wir sie zur Siche­rung für den nächs­ten Tag gebrau­chen. Sor­ge ist immer auf das Mor­gen gerich­tet. Die Güter aber sind in strengs­tem Sinn allein für das Heu­te bestimmt. Gera­de die Siche­rung für den mor­gi­gen Tag macht mich heu­te so unsi­cher. Es ist genug, daß jeder Tag sei­ne eige­ne Pla­ge habe. Wer das Mor­gen ganz in die Hand Got­tes legt und heu­te ganz emp­fängt, was er zum Leben braucht, der allein ist wahr­haft gesi­chert. Das täg­li­che Emp­fan­gen macht mich frei vom Mor­gen. Der Gedan­ke an das Mor­gen lie­fert mich der unend­li­chen Sor­ge aus. Sor­get nicht für den ande­ren Mor­gen“ – das ist ent­we­der ein furcht­ba­rer Hohn auf die Armen und Elen­den, zu denen Jesus gera­de spricht, auf alle die, die – mensch­lich gere­det – mor­gen ver­hun­gern, wenn sie heu­te nicht sor­gen. Es ist ent­we­der ein uner-träg­li­ches Gesetz, das der Mensch mit Wider­wil­len von sich stößt oder aber – es ist die ein­zig­ar­ti­ge Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums selbst von der Frei­heit der Kin­der Got­tes, die einen Vater im Him­mel haben, der ihnen sei­nen lie­ben Sohn geschenkt hat. Wie soll­te er uns mit ihm nicht alles schenken?

Sor­get nicht für den ande­ren Mor­gen“ – das ist nicht zu begrei­fen als Lebens­weis­heit, als Gesetz. Es ist allein zu begrei­fen als das Evan­ge­li­um von Jesus Chris­tus. Nur der Nach­fol­gen­de, der Jesus erkannt hat, emp­fängt aus die­sem Wort die Zusa­ge der Lie­be des Vaters Jesu Chris­ti und die Frei­heit von allen Din­gen. Nicht die Sor­ge macht den Jün­ger sorg­los, son­dern der Glau­be an Jesus Chris­tus. Nun weiß er: Wir kön­nen gar nicht sor­gen (v. 27). Der nächs­te Tag, die nächs­te Stun­de ist uns gänz­lich ent­nom­men. Es ist sinn­los, so zu tun, als könn­ten wir über­haupt sor­gen. Wir kön­nen ja an den Zustän­den der Welt nichts ändern. Gott allein kann sor­gen, weil er die Welt regiert. Weil wir nicht sor­gen kön­nen, weil wir so völ­lig ohn­mäch­tig sind, dar­um sol­len wir auch nicht sor­gen. Wir maßen uns damit das Regi­ment Got­tes an.

Der Nach­fol­gen­de aber weiß auch, daß er nicht nur nicht sor­gen kann und darf, son­dern daß er auch nicht zu sor­gen braucht. Nicht die Sor­ge, aber auch nicht die Arbeit schafft das täg­li­che Brot, son­dern Gott der Vater. Die Vögel und die Lili­en arbei­ten und spin­nen nicht, und doch wer­den sie ernährt und geklei­det, sie emp­fan­gen täg­lich das Ihre ohne Sor­ge. Sie brau­chen die Güter der Welt nur zum täg­li­chen Leben, sie sam­meln sie nicht, und gera­de so prei­sen sie den Schöp­fer, nicht durch ihren Fleiß, ihre Arbeit, ihre Sor­ge, son­dern durch das täg­li­che, ein­fäl­ti­ge Emp­fan­gen der Gabe, die Gott gibt. So wer­den Vögel und Lili­en zu Exem­peln für die Nach­fol­gen­den. Jesus löst den ohne Gott gedach­ten not­wen­di­gen Zusam­men­hang von Arbeit und Nah­rung auf. Er preist das täg­li­che Brot nicht als den Lohn der Arbeit, son­dern er spricht von der sorg­lo­sen Ein­falt des­sen, der in Jesu Wegen geht und alles von Gott empfängt.

Nun arbei­tet kein Tier um sei­ne Nah­rung, son­dern ein jeg­li­ches hat sein Werk, dar­nach sucht’s und fin­det sei­ne Spei­se. Das Vög­lein fliegt und sin­get, machet Nes­ter und zeu­get Jun­ge; das ist sei­ne Arbeit, aber davon näh­ret sich’s nicht. Och­sen pflü­gen, Pfer­de tra­gen und strei­ten, Scha­fe geben Wol­le, Milch, Käse, das ist ihre Arbeit; aber davon näh­ren sie sich nicht; son­dern die Erde trägt Gras und nährt sie durch Got­tes Segen. Also soll und muß der Mensch auch arbei­ten und etwas tun, aber doch dane­ben wis­sen, daß ein Ande­rer sei, der ihn ernäh­re, denn sei­ne Arbeit, näm­lich Got­tes rei­cher Segen; wie­wohl es schei­net, als näh­re ihn sei­ne Arbeit, weil Gott ohne sei­ne Arbeit ihm nichts gibt. Wie­wohl das Vög­lein nicht säet noch ern­tet, aber doch müß­te Hun­gers ster­ben, wo es nicht nach der Spei­se flö­ge und such­te. Daß es aber Spei­se fin­det, ist nicht sei­ne Arbeit, son­dern Got­tes Güte. Denn wer hat Spei­se dahin­ge­legt, daß es sie fin­det? Denn wo Gott nicht hin­legt, da fin­det nie­mand nichts, und sollt sich alle Welt zu Tod arbei­ten und suchen“ (Luther). Wenn aber Vögel und Lili­en vom Schöp­fer erhal­ten wer­den, soll­te der Vater nicht viel­mehr sei­ne Kin­der ernäh­ren, die ihn täg­lich dar­um bit­ten, soll­te er ihnen nicht geben kön­nen, was sie zur Not­durft ihres Lebens täg­lich brau­chen, er, dem alle Güter der Erde gehö­ren und der sie ver­tei­len kann nach sei­nem Wohl­ge­fal­len? Gott gebe mir nun jeden Tag, soviel ich darf zum Leben, er gibt’s den Vögeln auf dem Dach, wie sollt er’s mir nicht geben?“ (Clau­di­us).

Sor­ge ist Sache der Hei­den, die nicht glau­ben, die sich auf ihre Kraft und Arbeit ver­las­sen, aber nicht auf Gott. Hei­den sind die Sor­gen­den dar­um, weil sie nicht wis­sen, daß der Vater weiß, daß wir des alles bedür­fen. Dar­um wol­len sie selbst tun, was sie von Gott nicht erwar­ten. Für den Nach­fol­gen­den aber gilt: Trach­tet zuerst nach dem Reich Got­tes und nach sei­ner Gerech­tig­keit, so wird euch sol­ches alles zufal­len.“ Damit ist deut­lich gemacht, daß Sor­ge für Essen und Klei­dung noch nicht Sor­ge für das Reich Got­tes ist, wie wir es gern ver­ste­hen möch­ten, als sei Erfül­lung unse­rer Arbeit für unse­re Fami­lie und uns, als sei unse­re Sor­ge um Brot und Woh­nung schon das Trach­ten nach dem Reich Got­tes, als voll­zö­ge die­ses sich nur inner­halb jener Sor­gen. Das Reich Got­tes und sei­ne Gerech­tig­keit ist hier etwas von dem, was uns an Gaben der Welt zufal­len soll, ganz und gar Unter­schie­de­nes. Es ist nichts ande­res als die Gerech­tig­keit, von der Mt. 5 und 6 gespro­chen wur­de, die Gerech­tig­keit des Kreu­zes Chris­ti und der Nach­fol­ge unter dem Kreuz. Die Gemein­schaft Jesu und der Gehor­sam gegen sein Gebot kommt zuerst, alles ande­re folgt nach. Es ist kein Inein­an­der, son­dern ein Nach­ein­an­der. Vor den Sor­gen um unser Leben, um Essen und Klei­dung, um Beruf und Fami­lie steht das Trach­ten nach der Gerech­tig­keit Chris­ti. Es ist hier nur die äußers­te Zusam­men­fas­sung des­sen gege­ben, was schon gesagt war. Auch die­ses Wort Jesu ist ent­we­der eine uner­träg­li­che Last, eine unmög­li­che Ver­nich­tung der mensch­li­chen Exis­tenz der Armen und Elen­den – oder aber es ist das Evan­ge­li­um selbst, das ganz froh und ganz frei macht. Nicht von dem, was der Mensch soll und nicht kann, spricht Jesus, son­dern von dem, was Gott uns geschenkt hat und noch ver­heißt. Ist Chris­tus uns geschenkt, sind wir in sei­ne Nach­fol­ge beru­fen, so ist uns mit ihm alles, wirk­lich alles geschenkt. Es wird uns alles ande­re zufal­len. Wer in der Nach­fol­ge Jesu allein auf Sei­ne Gerech­tig­keit blickt, der ist in der Hand und Hut Jesu Chris­ti und sei­nes Vaters, und wer so in der Gemein­schaft des Vaters ist, dem kann nichts gesche­hen, der kann auch nicht mehr zwei­feln, daß der Vater sei­ne Kin­der wohl ernäh­ren kann und nicht hun­gern las­sen wird. Gott wird zur rech­ten Stun­de hel­fen. Er weiß, was wir bedürfen.

Der Nach­fol­ger Jesu wird noch nach lan­ger Jün­ger­schaft auf die Fra­ge des Herrn: Habt ihr auch je Man­gel gehabt?“ ant­wor­ten: Herr, nie­mals!“ Wie soll­te der auch Man­gel haben, der in Hun­ger und Blö­ße, in Ver­fol­gung und Gefahr der Gemein­schaft Jesu Chris­ti gewiß ist?