Bon­hoef­fer wur­de im April 1945 hin­ge­rich­tet, somit sind sei­ne Wer­ke seit 1. Janu­ar 2016 gemein­frei. Wir ver­öf­fent­li­chen hier in wöchent­li­chen Abschnit­ten sein Buch »Nach­fol­ge« von 1938 als gan­zes.

Mat­thä­us 6: 

Von der Ver­bor­gen­heit des christ­li­chen Lebens.

Die ver­bor­ge­ne Gerech­tig­keit.

»Habt acht auf eure Gerech­tig­keit, daß ihr sie nicht tut vor den Leu­ten, daß ihr von ihnen gese­hen wer­det; ihr habt anders kei­nen Lohn bei eurem Vater im Him­mel. Wenn du nun Almo­sen gibst, sollst du nicht las­sen vor dir posau­nen, wie die Heuch­ler tun in den Schu­len und auf den Gas­sen, auf daß sie von den Leu­ten geprie­sen wer­den. Wahr­lich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin. Wenn du aber Almo­sen gibst, so laß dei­ne lin­ke Hand nicht wis­sen, was die rech­te tut, auf daß dein Almo­sen ver­bor­gen sei; und dein Vater, der in das Ver­bor­ge­ne sieht, wird dir’s ver­gel­ten öffent­lich« (Mt. 6,1–4).

Nach­dem das 5. Kapi­tel von der Sicht­bar­keit der Gemein­de der Nach­fol­gen­den gespro­chen hat und in dem PERISSON gip­felt, nach­dem also das Christ­li­che als das aus der Welt Hin­aus­tre­ten­de, die Welt Über­ra­gen­de, Außer­or­dent­li­che ver­stan­den wer­den muß, knüpft das nächs­te Kapi­tel unmit­tel­bar an die­ses PERISSON an und ent­hüllt es in sei­ner Zwei­deu­tig­keit. Zu groß ist ja die Gefahr eines völ­li­gen Miß­ver­ständ­nis­ses durch die Jün­ger, als soll­ten sie nun doch ans Werk gehen, unter Ver­ach­tung und Zer­stö­rung der Ord­nung der Welt ein himm­li­sches Reich auf Erden auf­zu­rich­ten, in schwär­me­ri­scher Gleich­gül­tig­keit gegen die­sen Äon das Außer­or­dent­li­che der neu­en Welt nun­mehr zu voll­brin­gen, sicht­bar zu machen, sich mit allem Radi­ka­lis­mus und aller Kom­pro­miß­lo­sig­keit von der Welt zu tren­nen, um das Christ­li­che, das der Nach­fol­ge Gemä­ße, das Außer­or­dent­li­che zu erzwin­gen. All­zu nahe lag die Ver­wechs­lung, es wer­de ihnen hier doch wie­der eine – aller­dings freie, neue, begeis­tern­de – from­me Lebens­form und Lebens­ge­stal­tung gepre­digt. Und wie gern wäre das from­me Fleisch bereit, die­ses Außer­or­dent­li­che, Armut, Wahr­haf­tig­keit, Lei­den auf sich zu neh­men, ja zu suchen, wenn nur damit end­lich der Begier­de des Her­zens genug getan wür­de, etwas zu sehen mit eige­nen Augen und nicht nur zu glau­ben. Die Bereit­schaft, hier eine klei­ne Ver­schie­bung der Gren­ze vor­zu­neh­men, indem from­me Lebens­form und Gehor­sam gegen das Wort ein­an­der all­zu nahe rück­ten und schließ­lich gar nicht mehr aus­ein­an­der zu hal­ten wären, wäre gewiß dage­we­sen. Es geschah ja um des einen Zie­les wil­len, daß das Außer­or­dent­li­che end­lich ver­wirk­licht wer­de.

Umge­kehrt muß­ten ja die­je­ni­gen sogleich auf dem Plan sein, die auf das Wort Jesu von dem Außer­or­dent­li­chen nur gewar­tet hat­ten, um ihn nun um so wüten­der anzu­grei­fen. Hier war ja der Schwär­mer, der revo­lu­tio­nä­re Enthu­si­ast end­lich ent­larvt, der die Welt aus den Angeln heben will, der sei­ne Jün­ger die Welt ver­las­sen und eine neue Welt auf­bau­en heißt. Ist das noch Gehor­sam gegen das Wort des Alten Tes­ta­ments? Ist das nicht die voll­ende­te selbst­ge­wähl­te, eige­ne Gerech­tig­keit, die hier auf­ge­rich­tet wird? Weiß Jesus nichts von der Sün­de der Welt, an der alles, was er gebie­tet, schei­tern muß? Weiß er nichts von den offen­ba­ren Gebo­ten Got­tes, die die Sün­de zu ban­nen gege­ben wur­den? Ist die­ses Außer­or­dent­li­che, das da gefor­dert ist, nicht der Erweis des geist­li­chen Hoch­muts, der der Anfang aller Schwär­me­rei gewe­sen ist? Nein, gera­de nicht das Außer­or­dent­li­che, son­dern das ganz All­täg­li­che, das Regu­lä­re, das Ver­bor­ge­ne ist das Zei­chen ech­ten Gehor­sams und ech­ter Demut. Wie­se Jesus sei­ne Jün­ger hin­ein in ihr Volk, in ihren Beruf, ihre Ver­ant­wor­tung, in den Gehor­sam gegen das Gesetz, wie es die Schrift­ge­lehr­ten dem Volk aus­leg­ten, dann hät­te er sich als ein From­mer, ein wahr­haf­ti­ger Demü­ti­ger, ein Gehor­sa­mer gezeigt. Er hät­te einen kräf­ti­gen Antrieb zu erns­te­rer Fröm­mig­keit, stren­ge­rem Gehor­sam gege­ben. Er hät­te gelehrt, was die Schrift­ge­lehr­ten auch wuß­ten, aber gewiß gern mit Nach­druck gepre­digt hör­ten, daß wah­re Fröm­mig­keit und Gerech­tig­keit nicht nur in der äuße­ren Tat, son­dern auch in der Gesin­nung des Her­zens, aber auch nicht nur in der Gesin­nung des Her­zens, son­dern eben auch in der Tat bestehe. Das wäre wirk­lich »bes­se­re Gerech­tig­keit« gewe­sen, wie sie das Volk brauch­te, wie sich ihr kei­ner hät­te ent­zie­hen kön­nen. Aber nun war das alles zer­bro­chen. Statt des demü­ti­gen Leh­rers des Geset­zes erkann­te man den hoch­mü­ti­gen Schwär­mer. Gewiß hat­te zu allen Zei­ten die Pre­digt der Schwär­mer das mensch­li­che Herz zu begeis­tern ver­stan­den, ja gera­de das edle mensch­li­che Herz. Aber wuß­ten die Leh­rer des Geset­zes nicht, daß aus die­sem Her­zen in allem Guten und Edlen eben doch die Stim­me des Flei­sches sprach, kann­ten sie nicht selbst die­se Gewalt des from­men Flei­sches über den Men­schen? Jesus opfer­te die bes­ten Söh­ne des Lan­des, die auf­rich­tig From­men nutz­los in einem Kampf um eine Chi­mä­re. Das Außer­or­dent­li­che – das war ja das schlecht­hin frei­wil­li­ge, dem eig­nen Her­zen ent­sprun­ge­ne Werk des from­men Men­schen. Es war das Auf­trump­fen der mensch­li­chen Frei­heit gegen den schlich­ten Gehor­sam gegen das Gebot Got­tes. Es war die uner­laub­te Selbst­recht­fer­ti­gung des Men­schen, die das Gesetz nie­mals zuläßt. Es war die gesetz­lo­se Selbst­hei­li­gung, die vom Gesetz ver­wor­fen wer­den muß­te. Es war das freie Werk, das sich dem unfrei­en Gehor­sam ent­ge­gen­stell­te. Es war die Zer­stö­rung der Gemein­de Got­tes, die Ver­leug­nung des Glau­bens, es war Läs­te­rung des Geset­zes, Got­tes­läs­te­rung. Das Außer­or­dent­li­che, das Jesus lehr­te, war vor dem Gesetz der Todes­stra­fe wür­dig.

Was sagt Jesus zu dem allen? Er sagt: »Habt acht auf eure Gerech­tig­keit, daß ihr sie nicht tut vor den Men­schen, um von ihnen gese­hen zu wer­den.« Der Ruf zum Außer­or­dent­li­chen ist die gro­ße, unver­meid­li­che Gefahr der Nach­fol­ge. Dar­um: habt acht auf die­ses Außer­or­dent­li­che, auf die­ses Sicht­bar­wer­den der Nach­fol­ge. Jesus setzt der unbe­dach­ten, unge­bro­che­nen, gerad­li­ni­gen Freu­de an die­sem Sicht­ba­ren ein Halt! ent­ge­gen. Er gibt dem Außer­or­dent­li­chen einen Sta­chel. Jesus ruft zur Refle­xi­on. Die Jün­ger sol­len die­ses Außer­or­dent­li­che nur in der Refle­xi­on haben. Sie sol­len dar­auf acht­ha­ben. Das Außer­or­dent­li­che soll näm­lich nicht gesche­hen, damit es gese­hen wer­de, also das Außer­or­dent­li­che soll nicht um des Außer­or­dent­li­chen wil­len getan wer­den, das Sicht­bar­wer­den soll nicht um des Sicht­bar­wer­dens wil­len gesche­hen. Die­se bes­se­re Gerech­tig­keit der Jün­ger soll nicht Selbst­zweck sein. Zwar muß es sicht­bar wer­den, muß das Außer-ordent­li­che gesche­hen, aber – habt acht, daß es nicht geschieht, damit es sicht­bar wer­de. Zwar hat die Sicht­bar­keit der Nach­fol­ge einen not­wen­di­gen Grund, näm­lich den Ruf Jesu Chris­ti, aber sie ist nie­mals selbst ein Ziel; denn dann wäre ja die Nach­fol­ge selbst wie­der aus dem Auge ver­lo­ren, dann wäre da ein Augen­blick Ruhe ein­ge­tre­ten, die Nach­fol­ge wäre unter­bro­chen, und sie wäre jeden­falls nicht mehr an der Stel­le, an der wir aus­ru­hen woll­ten, fort­zu­set­zen, son­dern im sel­ben Augen­blick wären wir zurück­ver­setzt an den ers­ten Anfang. Wir müß­ten mer­ken, daß wir gar nicht mehr Nach­fol­gen­de sind. Also, es muß etwas sicht­bar wer­den, aber – para­dox: Habt acht, daß es nicht gesche­he, damit es die Leu­te sehen. »Laßt euer Licht leuch­ten vor den Leuten…«(5,16), aber: Habt acht auf die Ver­bor­gen­heit! Kapi­tel 5 und 6 pral­len hart auf­ein­an­der. Das Sicht­ba­re soll zugleich das Ver­bor­ge­ne sein; das Sicht­ba­re soll zugleich nicht gese­hen wer­den kön­nen. Die Refle­xi­on, von der gespro­chen wur­de, ist also gera­de dar­auf zu rich­ten, daß wir nicht in die Refle­xi­on über unser Außer­or­dent­li­ches gera­ten. Das Acht­ha­ben auf unse­re Gerech­tig­keit soll gera­de dem die­nen, daß wir nicht auf sie acht­ha­ben. Sonst ist das Außer­or­dent­li­che nicht mehr das Außer­or­dent­li­che der Nach­fol­ge, son­dern das Außer­or­dent­li­che eines eige­nen Wol­lens und Gelüs­tens.

Wie ist die­ser Wider­spruch zu ver­ste­hen? Wir fra­gen ers­tens: Wem soll das Sicht­ba­re der Nach­fol­ge ver­bor­gen sein? nicht den ande­ren Men­schen, sie sol­len viel­mehr das Licht des Jün­gers Jesu leuch­ten sehen, wohl aber dem, der das Sicht­ba­re tut, soll es ver­bor­gen sein. Er soll in der Nach­fol­ge blei­ben und auf den sehen, der ihm vor­an­geht, nicht aber auf sich selbst und das was er tut. Der Nach­fol­gen­de ist sich selbst ver­bor­gen in sei­ner Gerech­tig­keit. Natür­lich sieht er das Außer­or­dent­li­che auch, aber er bleibt sich selbst dar­in ver­bor­gen; er sieht es nur, indem er auf Jesus sieht, und hier eben sieht er es nicht mehr als das Außer­or­dent­li­che, son­dern als das Selbst­ver­ständ­li­che, Regu­lä­re. So ist ihm das Sicht­ba­re in der Tat ver­bor­gen, näm­lich im Gehor­sam gegen das Wort Jesu. Wäre ihm das Außer­or­dent­li­che als Außer­or­dent­li­ches wich­tig, so han­del­te er schwär­me­risch aus eig­ner Gewalt, aus dem Fleisch her­aus. Weil aber der Jün­ger Jesu im schlich­ten Gehor­sam gegen sei­nen Herrn han­delt, dar­um kann er das Außer­or­dent­li­che nur als die selbst­ver­ständ­li­che Tat des Gehor­sams sehen. Es kann ja nach dem Wort Jesu nicht anders sein, als daß der Nach­fol­gen­de das Licht ist, das leuch­tet, er tut gar nichts dazu, er ist es eben in der Nach­fol­ge, die nur auf den Herrn sieht. Also gera­de weil das Christ­li­che not­wen­dig, d.h. indi­ka­ti­visch, das Außer­or­dent­li­che ist, dar­um ist es zugleich das Regu­lä­re, Ver­bor­ge­ne. Es ist eben sonst nicht das Christ­li­che, der Gehor­sam gegen den Wil­len Jesu Chris­ti.

Wir fra­gen zwei­tens: Wor­in besteht denn nun im Inhalt des Han­delns in der Nach­fol­ge die Ein­heit von Sicht­ba­rem und Ver­bor­ge­nem? Wie kann denn das­sel­be Ding zugleich sicht­bar und ver­bor­gen sein? Wir brau­chen bei der Ant­wort nur auf das zurück­grei­fen, was sich im 5. Kapi­tel ergab. Das Außer­or­dent­li­che, das Sicht­ba­re ist das Kreuz Chris­ti, unter dem die Jün­ger ste­hen. Das Kreuz ist zugleich das Not­wen­di­ge, Ver­bor­ge­ne und das Sicht­ba­re, Außer­or­dent­li­che.

Wir fra­gen drit­tens: Wie löst sich also die Para­do­xie zwi­schen dem 5. und dem 6. Kapi­tel? Der Begriff der Nach­fol­ge selbst löst sie. Sie ist die allei­ni­ge Bin­dung an Jesus Chris­tus. So sieht der Nach­fol­gen­de immer nur sei­nen Herrn und folgt ihm. Sähe er das Außer­or­dent­li­che selbst, so stün­de er schon nicht mehr in der Nach­fol­ge. Der Nach­fol­gen­de tut im schlich­ten Gehor­sam den Wil­len des Herrn als das Außer­or­dent­li­che und weiß in allem nur dar­um, daß er nicht anders kann, daß er also das schlecht­hin Selbst­ver­ständ­li­che tut.

Die ein­zi­ge und gebo­te­ne Refle­xi­on des Nach­fol­gen­den geht dar­auf, ganz unwis­send, ganz unre­flek­tiert zu sein im Gehor­sam, in der Nach­fol­ge, in der Lie­be. Tust du Gutes, so laß dei­ne lin­ke Hand nicht wis­sen, was die rech­te tut. Du sollst dein eige­nes Gutes nicht wis­sen. Sonst ist es wirk­lich dein Gutes, aber nicht das Gute Chris­ti. Das Gute Chris­ti, das Gute in der Nach­fol­ge geschieht ohne Wis­sen. Das ech­te Werk der Lie­be ist immer das mir ver­bor­ge­ne Werk. Habt acht dar­auf, daß ihr es nicht wißt! Nur so ist es das Gute Got­tes. Will ich mein Gutes, mei­ne Lie­be ken­nen, so ist es schon nicht mehr Lie­be. Auch die außer­or­dent­li­che Lie­be zum Feind bleibt dem Nach­fol­gen­den ver­bor­gen. Er sieht den Feind ja nicht mehr als Feind, wenn er liebt. Die­se Blind­heit oder viel­mehr die­ser durch Chris­tus erleuch­te­te Blick des Nach­fol­gen­den ist sei­ne Gewiß­heit. Die Ver­bor­gen­heit sei­nes Lebens vor sich selbst ist sei­ne Ver­hei­ßung.

Der Ver­bor­gen­heit ent­spricht die Öffent­lich­keit. Es ist nichts ver­bor­gen, das nicht offen­bar wer­de. Das ist von Gott her so, vor dem alles Ver­bor­ge­ne schon offen-bar ist. Gott will uns das Ver­bor­ge­ne zei­gen, sicht­bar machen. Die Öffent­lich­keit ist der von Gott geord­ne­te Lohn der Ver­bor­gen­heit. Die Fra­ge ist nur, wo und von wem der Mensch die­sen Lohn der Öffent­lich­keit emp­fängt. Begehrt er die­se Öffent­lich­keit vor Men­schen, so hat er mit ihr sei­nen Lohn dahin. Es ist dabei kein Unter­schied, ob er sie in der gro­ben Form der Öffent­lich­keit vor ande­ren Men­schen oder in der fei­ne­ren Form der Öffent­lich­keit vor sich selbst sucht. Wo die lin­ke Hand weiß, was die rech­te tut, wo ich mein ver­bor­ge­nes Gutes vor mir selbst ans Licht brin­ge, wo ich um mein eige­nes Gutes wis­sen will, dort berei­te ich mir selbst schon den öffent­li­chen Lohn, den Gott mir vor­be­hal­ten woll­te. Ich bin es, der sich das eige­ne Ver­bor­ge­ne zeigt. Ich war­te nicht, bis es Gott selbst mir zeigt. So habe ich mei­nen Lohn dahin. Wer aber in der Ver­bor­gen­heit vor sich selbst beharrt bis ans Ende, der wird den Lohn des Offen­bar­wer­dens von Gott emp­fan­gen. Wer aber kann so leben, daß er das Außer­or­dent­li­che in der Ver­bor­gen­heit tut? daß die lin­ke Hand nicht weiß, was die rech­te tut? Was für eine Lie­be ist das, die nicht um sich selbst weiß, son­dern ver­bor­gen blei­ben kann vor sich selbst bis zum jüngs­ten Tag? Es ist deut­lich: Weil sie ver­bor­ge­ne Lie­be ist, kann sie nicht eine sicht­ba­re Tugend, ein Habi­tus des Men­schen sein. Habt acht – heißt es –, daß ihr die wah­re Lie­be nicht ver­wech­selt mit einer lie­bens­wür­di­gen Tugend, mit einer mensch­li­chen »Qua­li­tät«! Sie ist ja die selbst­ver­ges­se­ne Lie­be im ech­ten Sin­ne des Wor­tes. In die­ser selbst­ver­ges­se­nen Lie­be aber muß der alte Mensch mit allen sei­nen Tugen­den und Qua­li­tä­ten ster­ben. In der selbst­ver­ges­se­nen, an Chris­tus allein gebun­de­nen Lie­be des Jün­gers stirbt der alte Adam. In dem Satz: laß dei­ne lin­ke Hand nicht wis­sen, was die rech­te tut, ist der Tod des alten Men­schen ver­kün­digt. Also noch ein­mal: Wer kann so leben, daß er Kapi­tel 5 und 6 ver­eint? Kei­ner als der, der nach sei­nem alten Men­schen gestor­ben ist durch Chris­tus und in sei­ner Gemein­schaft der Nach­fol­ge ein neu­es Leben gefun­den hat. Lie­be als Tat des schlich­ten Gehor­sams ist das Ster­ben am alten Men­schen, der sich wie­der­ge­fun­den hat in der Gerech­tig­keit Chris­ti und im Bru­der. Nun lebt nicht mehr er, son­dern Chris­tus lebt in ihm. Die Lie­be Chris­ti des Gekreu­zig­ten, der den alten Men­schen in den Tod gibt, ist es, die in dem Nach­fol­gen­den lebt. Nun fin­det er sich nur noch in Chris­tus und im Bru­der.