In die­ser Feri­en­zeit ver­öf­fent­li­chen wir hier Abschnit­te aus Bon­hoef­fers Band »Nach­fol­ge« (gemein­frei seit 2016), ins­be­son­de­re aus dem zwei­ten Teil »Die Kir­che Jesus Chris­ti und die Nach­fol­ge« und dazu eini­ge Gedan­ken von mir heu­te, eben Impul­se, die mir bei der Lek­tü­re durch den Kopf gin­gen, und die mög­li­cher­wei­se auch ande­ren nütz­lich wer­den kön­nen.

Der Leib Chris­ti. 

Die ers­ten Jün­ger leb­ten in Jesu leib­li­cher Gegen­wart und Gemein­schaft. Was bedeu­tet das und wor­in setzt sich für uns die­se Gemein­schaft fort? Durch die Tau­fe sind wir Glie­der am Lei­be Chris­ti gewor­den, sagt Pau­lus. Die­ser Satz, der uns so fremd und unzu­gäng­lich ist, bedarf der gründ­li­chen Erläu­te­rung. Es ist uns damit gesagt, daß die Getauf­ten auch nach Tod und Auf­er­ste­hung des Herrn in Jesu leib­li­cher Gegen­wart und Gemein­schaft leben sol­len. Kei­nen Ver­lust bedeu­tet Jesu Hin­gang für die Sei­nen, son­dern viel­mehr ein neu­es Geschenk. Die ers­ten Jün­ger konn­ten in der leib­li­chen Gemein­schaft Jesu nichts ande­res und nichts mehr haben, als wir heu­te haben, ja die­se Gemein­schaft ist uns fes­ter, vol­ler, gewis­ser gege­ben als jenen. Wir leben in der vol­len Gemein­schaft der leib­li­chen Gegen­wart des ver­klär­ten Herrn. Die Grö­ße die­ser Gabe darf unserm Glau­ben nicht unbe­wußt blei­ben. Der Leib Jesu Chris­ti ist der Grund und die Gewiß­heit unsers Glau­bens, der Leib Jesu Chris­ti ist die eine und voll­kom­me­ne Gabe, in der wir des Heils teil­haf­tig wer­den, der Leib Jesu Chris­ti ist unser neu­es Leben. Im Lei­be Jesu Chris­ti sind wir von Gott in Ewig­keit ange­nom­men. Seit dem Fall Adams hat Gott in die sün­di­ge Mensch­heit sein Wort gesandt, Men­schen zu suchen und anzu­neh­men. Dazu ist das Wort Got­tes bei uns, die ver­lo­re­ne Mensch­heit wie­der anzu­neh­men. Got­tes Wort kam als Ver­hei­ßung, es kam als Gesetz. Es wur­de schwach und gering um unsert­wil­len. Aber die Men­schen ver­stie­ßen das Wort und lie­ßen sich nicht anneh­men. Sie brach­ten Opfer, sie taten Wer­ke, die soll­te Gott anneh­men an ihrer Statt, aber sich selbst kauf­ten sie damit frei.

Da geschieht das Wun­der aller Wun­der. Got­tes Sohn wird Mensch. Das Wort ward Fleisch. Der von Ewig­keit her in der Herr­lich­keit des Vaters war, der die Got­tes­ge­stalt trug, der im Anfang Mitt­ler der Schöp­fung war, so daß die geschaf­fe­ne Welt nur durch ihn und in ihm erkannt wer­den kann, Gott selbst (1. Kor. 8,6; 2. Kor. 8,9; Phil. 2,6ff.; Eph. 1,4; Kol. 1,16; Joh. 1,1ff.; Hebr. 1,1ff.), nimmt die Mensch­heit an und kommt auf die Erde. Er nimmt die Mensch­heit an, indem er mensch­li­ches Wesen, mensch­li­che »Natur«, »sünd­li­ches Fleisch«, mensch­li­che Gestalt annimmt (Röm. 8,3; Gal. 4,4; Phil. 2,6ff.). Gott nimmt die Mensch­heit an, nicht mehr allein durch das gepre­dig­te Wort, son­dern im Lei­be Jesu. Got­tes Erbar­men schickt sei­nen Sohn ins Fleisch, damit er mit dem Fleisch die gan­ze Mensch­heit selbst auf sich lade und tra­ge. Got­tes Sohn nimmt die gan­ze Mensch­heit leib­haf­tig an, die im Got­tes­haß, im Stolz des Flei­sches Got­tes lei­b­lo­ses, unsicht­ba­res Wort ver­warf. Jetzt ist sie im Lei­be Jesu Chris­ti leib­haf­tig und wahr­haf­tig ange­nom­men, so wie sie ist, aus gött­li­chem Erbar­men. Die Väter der Kir­che haben bei der Betrach­tung die­ses Wun­ders mit Lei­den­schaft dar­um gestrit­ten, daß hier gesagt wer­den müs­se, Gott habe die mensch­li­che Natur ange­nom­men, nicht aber, daß Gott sich einen ein­zel­nen voll­kom­me­nen Men­schen erwählt habe, um sich mit die­sem zu ver­ei­ni­gen. Gott wur­de Mensch. Das heißt: Gott nahm die gan­ze kran­ke, sün­di­ge mensch­li­che Natur an, Gott nahm die gan­ze abge­fal­le­ne Mensch­heit an; nicht aber: Gott nahm den Men­schen Jesus an. Das rech­te Ver­ständ­nis der gan­zen Heils­bot­schaft hängt an die­ser kla­ren Unter­schei­dung. Der Leib Jesu Chris­ti, in dem wir mit der gan­zen Mensch­heit ange­nom­men sind, ist nun der Grund unse­res Heils.

Es ist das sünd­li­che Fleisch, das er trägt – doch ohne Sün­de (2. Kor. 5,21; Hebr. 4,15). Wo sein mensch­li­cher Leib ist, da ist Ange­nom­men­sein für alles Fleisch. »Für­wahr, er trug unse­re Krank­heit und lud auf sich unse­re Schmer­zen« – dar­um allein konn­te Jesus die Krank­hei­ten und Schmer­zen der mensch­li­chen Natur hei­len, weil er all unse­re Krank­heit und Schmer­zen an sei­nem Lei­be trug (Mt. 8,15–17). »Er ist um unse­rer Mis­se­tat wil­len ver­wun­det und um unse­rer Sün­de wil­len zer­schla­gen.« Er trug unse­re Sün­de – dar­um konn­te er Sün­de ver­ge­ben, weil in sei­nem Lei­be unser sün­di­ges Fleisch »ange­nom­men« war. Dar­um nahm Jesus die Sün­der an (Lk. 15,2), weil er sie leib­haf­tig trug. Mit Jesus war das »ange­neh­me (DEKTON) Jahr des Herrn« ange­bro­chen (Luk. 4,19). So war der mensch­ge­wor­de­ne Sohn Got­tes bei­des, Er selbst und die neue Mensch­heit. Was er han­del­te, han­del­te er zugleich für die neue Mensch­heit, die er in sei­nem Lei­be trug. So ist er ein zwei­ter Adam, der »letz­te« Adam (1. Kor. 15,45). Auch in Adam war der Ein­zel­ne und die gan­ze Mensch­heit in Einem. Auch Adam trug die gan­ze Mensch­heit in sich. In ihm fiel die gan­ze Mensch­heit, in »Adam« (Mensch) fiel »der Mensch« (Röm. 5,19). Chris­tus ist der zwei­te Mensch (1. Kor. 15,47), in dem die neue Mensch­heit geschaf­fen wird. Er ist der »neue Mensch«.

Von hier aus ver­ste­hen wir erst das Wesen der leib­li­chen Gemein­schaft, die den Jün­gern mit Jesus geschenkt war. Daß die Bin­dung der Jün­ger in der Nach­fol­ge eine leib­li­che war, ist nicht zufäl­lig, son­dern von der Mensch­wer­dung her not­wen­dig. Der Pro­phet und Leh­rer bedürf­te kei­ner Nach­fol­ger, er brauch­te Schü­ler und Zuhö­rer. Der mensch­ge­wor­de­ne Sohn Got­tes, der in das mensch­li­che Fleisch gekom­men ist, braucht eine Nach­fol­ger­ge­mein­de, die nicht nur sei­ner Leh­re, son­dern gera­de auch sei­nes Lei­bes teil­haf­tig wird. Am Lei­be Jesu Chris­ti haben die Nach­fol­ger die Gemein­schaft. In der leib­li­chen Gemein­schaft Jesu leben sie und lei­den sie. Die Gemein­schaft des Lei­bes Jesu legt ihnen das Kreuz auf. Denn in ihm sind sie alle getra­gen und ange­nom­men.

Jesu irdi­scher Leib wird gekreu­zigt und stirbt. In sei­nem Tode wird die neue Mensch­heit mit­ge­kreu­zigt und stirbt mit ihm. Weil Chris­tus nicht einen Men­schen, son­dern die mensch­li­che »Gestalt«, das sünd­li­che Fleisch, die mensch­li­che »Natur« ange­nom­men hat­te, dar­um lei­det und stirbt mit ihm alles, was er trug. Es ist unser aller Krank­heit und unser aller Sün­de, die er ans Kreuz trägt; wir sind es, die mit ihm gekreu­zigt wer­den und ster­ben. Zwar stirbt der irdi­sche Leib Chris­ti, aber als ein unver­wes­li­cher, ver­klär­ter Leib ersteht er vom Tode. Es ist der­sel­be Leib – das Grab war ja leer! – und es ist doch ein neu­er Leib. So trägt er die Mensch­heit, mit der er starb, hin­durch in die Auf­er­ste­hung. So trägt er noch in sei­nem ver­klär­ten Lei­be die Mensch­heit, die er auf Erden ange­nom­men hat. Wie gewin­nen wir nun leben­di­gen Anteil an die­sem Lei­be Chris­ti, der dies alles für uns tat? Denn das ist gewiß, es gibt kei­ne Gemein­schaft mit Jesus Chris­tus, es sei denn als Gemein­schaft mit sei­nem Leib, in dem allein wir ange­nom­men sind, in dem allein unser Heil liegt! Der Gemein­schaft des Lei­bes Chris­ti wer­den wir teil­haf­tig gemacht durch die bei­den Sakra­men­te des Lei­bes Chris­ti, durch Tau­fe und Abend­mahl. Der Evan­ge­list Johan­nes läßt in unüber­seh­ba­rer Andeu­tung die Ele­men­te bei­der Sakra­men­te, Was­ser und Blut, aus dem gekreu­zig­ten Lei­be Jesu Chris­ti her­vor­ge­hen (Joh. 19,34.35). Die­ses Zeug­nis wird durch Pau­lus bestä­tigt, indem er Glied­schaft am Lei­be Chris­ti ganz an die bei­den Sakra­men­te bin­det (Anm.: Auch Eph. 3,6 umschließt die gan­ze Heils­ga­be, Wort, Tau­fe, Abend­mahl). Ziel wie Ursprung der Sakra­men­te ist der Leib Chris­ti. Weil Leib Chris­ti da ist, dar­um allein gibt es Sakra­men­te. Nicht das Wort der Pre­digt bewirkt unse­re Gemein­schaft mit dem Lei­be Jesu Chris­ti, das Sakra­ment muß hin­zu­kom­men. Tau­fe ist Ein­glie­de­rung in die Ein­heit des Lei­bes Chris­ti, Abend­mahl ist Erhal­tung der Gemein­schaft (KOINONIA) am Lei­be. Die Tau­fe macht uns der Glied­schaft am Lei­be Chris­ti teil­haf­tig. Wir sind in Chris­tus »hin­ein­ge­tauft« (Gal. 3,27; Röm. 6,3), wir sind »zu einem Lei­be getauft« (1. Kor. 12,13). So wird uns im Tauf­tod durch den hei­li­gen Geist zuge­eig­net, was Chris­tus in sei­nem Lei­be für alle erwarb. Die Gemein­schaft des Lei­bes Jesu, die wir emp­fan­gen, wie sie die Jün­ger und Nach­fol­ger der ers­ten Zeit emp­fin­gen, bedeu­tet, daß wir nun »mit Chris­tus« sind, »in Chris­tus« sind und daß »Chris­tus in uns« ist. Vom rech­ten Ver­ständ­nis des Lei­bes Chris­ti her bekom­men die­se Aus­drü­cke kla­ren Sinn.

»Mit Chris­tus« sind zwar alle Men­schen schlecht­hin in der Kraft der Mensch­wer­dung. Jesus trägt ja die gan­ze mensch­li­che Natur. Dar­um ist sein Leben, sein Ster­ben und Auf­er­ste­hen ein rea­les Gesche­hen an allen Men­schen (Röm. 5,18ff.; 1. K. 15,22; 2. Kor. 5,14). »Mit Chris­tus« sind aber die Chris­ten in beson­de­rer Wei­se. Was den andern zum Tode wird, wird ihnen zur Gna­de. In der Tau­fe wird es ihnen zuge­sagt, daß sie »mit Chris­tus gestor­ben« (Röm. 6,8), »mit­ge­kreu­zigt« (Röm. 6,6; Kol. 2,20), »mit­be­gra­ben« (Röm. 6,4; Kol. 2,12), »mit­ge­pflanzt zu glei­chem Tode« (Röm. 6,5) sind und daß sie eben dar­um auch mit ihm leben wer­den (Röm. 6,8; Eph. 2,5; Kol. 2,12; 2. Tim. 2,11; 2. Kor. 7,3). »Wir mit Chris­tus« – das hat sei­nen Grund dar­in, daß Chris­tus der Imma­nu­el, der »Gott-mit-uns« ist. Nur dem, der Chris­tus so erkennt, wird das Mit-Chris­tus-sein zur Gna­de. Er wird »in Chris­tus hin­ein­ge­tauft« (EIS), in die Gemein­schaft sei­nes Lei­dens. So wird er selbst ein Glied die­ses Lei­bes, und die Gemein­schaft der Getauf­ten wird zu dem einen Leib, der Chris­ti eige­ner Leib ist. So sind sie »in Chris­to« (EN), und so ist »Chris­tus in ihnen«. Sie sind nicht mehr »im Gesetz« (Röm. 2,12; 3,19), »im Fleisch« (Röm. 7,5; 8,3.8.9; 2. Kor. 10,3), »in Adam« (1. Kor. 15,22), son­dern in ihrer gan­zen Exis­tenz und in allen Lebens­äu­ße­run­gen sind sie von nun an »in Chris­to«.

In einer schier uner­schöpf­li­chen Fül­le von Bezie­hun­gen kann Pau­lus das Wun­der der Mensch­wer­dung Chris­ti zum Aus­druck brin­gen. Alles Gesag­te läßt sich zusam­men­fas­sen in dem Satz: Chris­tus ist »für uns«, nicht nur in Wort und Gesin­nung, son­dern mit sei­nem leib­haf­ti­gen Leben. Er steht mit sei­nem Lei­be dort, wo wir vor Gott ste­hen soll­ten. Er ist an unse­re Stel­le getre­ten. Er lei­det und stirbt für uns. Das kann er, weil er unser Fleisch trägt (2. Kor. 5,21; Gal. 3,13; 1,4; Tit. 2,14; 1. Thess. 5,10 etc.) Der Leib Jesu Chris­ti ist im eigent­lichs­ten Sin­ne »für uns«, am Kreuz, im Wort, in Tau­fe, in Abend­mahl. Dar­in liegt der Grund aller leib­li­chen Gemein­schaft mit Jesus Chris­tus.

Der Leib Jesu Chris­ti ist die von ihm ange­nom­me­ne neue Mensch­heit selbst. Der Leib Chris­ti ist sei­ne Gemein­de. Jesus Chris­tus ist Er selbst und sei­ne Gemein­de zugleich (1. Kor. 12,12). Jesus Chris­tus lebt seit Pfings­ten auf Erden in der Gestalt sei­nes Lei­bes, der Gemein­de. Hier ist sein Leib, der gekreu­zig­te und auf­er­stan­de­ne, hier ist die ange­nom­me­ne Mensch­heit. Getauft­wer­den heißt daher Glied der Gemein­de wer­den, Glied am Lei­be Chris­ti (Gal. 3,28; 1. Kor. 12,13). In Chris­tus sein heißt dar­um in der Gemein­de sein. Sind wir aber in der Gemein­de, so sind wir auch wahr­haf­tig und leib­haf­tig in Jesus Chris­tus. Nun wird der Begriff des Lei­bes Chris­ti in sei­ner gan­zen Fül­le offen­bar. Der Raum Jesu Chris­ti in der Welt nach sei­nem Hin­gang wird durch sei­nen Leib, die Kir­che, ein­ge­nom­men. Die Kir­che ist der gegen­wär­ti­ge Chris­tus selbst. Damit gewin­nen wir einen sehr ver­ges­se­nen Gedan­ken über die Kir­che zurück. Wir sind gewohnt, von der Kir­che als von einer Insti­tu­ti­on zu den­ken. Es soll aber von der Kir­che gedacht wer­den als von einer leib­haf­ten Per­son, frei­lich einer ganz ein­zig­ar­ti­gen Per­son.

Die Kir­che ist Einer. Alle Getauf­ten sind »all­zu­mal Einer in Chris­to« (Gal. 3,28; Röm. 12,5; 1. Kor. 10,17). Die Kir­che ist »Mensch«. Sie ist der »neue Mensch« (KAINOS ANTHROPOS). Als sol­cher ist die Kir­che geschaf­fen durch den Kreu­zes­tod Chris­ti. Hier wur­de die Feind­schaft zwi­schen Juden und Hei­den abge­tan, die die Mensch­heit zer­riß, »auf daß er in sich selbst die zwei schü­fe zu Einem neu­en Men­schen und Frie­den mach­te« (Eph. 2,15). Der »neue Mensch« ist Einer, es sind nicht ihrer vie­le. Außer­halb der Kir­che, die der neue Mensch ist, gibt es nur den alten, zer­ris­se­nen Men­schen.

Die­ser »neue Mensch«, der die Kir­che ist, ist »nach Gott geschaf­fen in recht­schaf­fe­ner Gerech­tig­keit und Hei­lig­keit und Wahr­heit« (Eph. 4,24). Er wird »erneu­ert zur Erkennt­nis nach dem Eben­bild des Schöp­fers« (Kol. 3,10). Hier ist von kei­nem ande­ren als von Chris­tus selbst gere­det als dem Eben­bild Got­tes. Adam war der ers­te Mensch nach dem Eben­bil­de des Schöp­fers. Aber er ver­lor das Eben­bild, als er fiel. Nun wird ein »zwei­ter Mensch«, ein »letz­ter Adam« geschaf­fen nach dem Eben­bild Got­tes; das ist Jesus Chris­tus (1. Kor. 15,47). So ist der »neue Mensch« zugleich Chris­tus und die Kir­che. Chris­tus ist die neue Mensch­heit in neu­en Men­schen. Chris­tus ist die Kir­che.

Der Ein­zel­ne ver­hält sich zu dem »neu­en Men­schen« so, daß er ihn »anzieht« (Anm.: In dem Bild des ENDYSASTHAI liegt irgend­wie die räum­li­che Vor­stel­lung einer Behau­sung, einer Beklei­dung vor. Viel­leicht darf auch 2. Kor. 5,1ff. in die­sem Zusam­men­hang inter­pre­tiert wer­den. Hier begeg­net ENDYSASTHAI im Zusam­men­hang mit dem himm­li­schen OIKETERION. Der Mensch ohne die­ses OIKETERION ist GYMNOS, nackt und muß sich ängs­ten vor Gott. Er ist nicht bedeckt und hat Ver­lan­gen danach, bedeckt zu wer­den. Das geschieht durch das Ange­zo­gen­wer­den mit dem himm­li­schen OIKETERION. Soll­te das »Anzie­hen« des OIKETERION der Kir­che in die­ser Welt, nicht sei­ne Ent­spre­chung fin­den in einer Beklei­dung mit der himm­li­schen Kir­che, nach der Pau­lus sich sehnt? Es ist hier wie dort die Eine Kir­che, mit der wir über­klei­det wer­den, die Hüt­te Got­tes, der Raum der gött­li­chen Gegen­wart und Bede­ckung – es ist hier wie dort der Leib Chris­ti, der uns bedeckt). Der »neue Mensch« ist wie ein Kleid, das den Ein­zel­nen bede­cken soll. In das Eben­bild Got­tes, das Chris­tus und die Kir­che ist, soll der Ein­zel­ne sich klei­den. Wer getauft wird, der zieht den Chris­tus an (Gal. 3,27), was wie­der­um aus­zu­le­gen ist als sei­ne Ein­glie­de­rung in den Leib, in den Einen Men­schen, in dem nicht Grie­che noch Jude, nicht Frei­er noch Knecht ist, d. h. eben in die Gemein­de. Es wird kei­ner ein neu­er Mensch, es sei denn in der Gemein­de, durch den Leib Chris­ti. Wer allein ein neu­er Mensch wer­den will, bleibt beim alten. Ein neu­er Mensch wer­den heißt in die Gemein­de kom­men, Glied am Lei­be Chris­ti wer­den. Nicht der gerecht­fer­tig­te und gehei­lig­te Ein­zel­ne ist der neue Mensch, son­dern die Gemein­de, der Leib Chris­ti, Chris­tus.

Der gekreu­zig­te und auf­er­stan­de­ne Chris­tus exis­tiert durch den hei­li­gen Geist als Gemein­de, als der »neue Mensch«, so wahr er der Mensch­ge­wor­de­ne ist und in Ewig­keit bleibt, so wahr sein Leib die neue Mensch­heit ist. Wie in ihm die Fül­le der Gott­heit leib­haf­tig gewor­den ist und Woh­nung genom­men hat, so sind die Sei­nen erfüllt von Chris­tus (Kol. 2,9; Eph. 3,19). Ja, sie selbst sind die­se gött­li­che Fül­le, indem sie sein Leib sind und indem doch Er allein es ist, der alles in allem erfüllt.

Die Ein­heit Chris­ti mit sei­ner Kir­che, sei­nem Leib, for­dert zugleich, daß Chris­tus als Herr sei­nes Lei­bes erkannt wird. Dar­um wird Chris­tus in wei­te­rer Aus­füh­rung des Leib­be­grif­fes das Haupt des Lei­bes genannt (Eph. 1,22; Kol. 1,18; 2,19). Das kla­re Gegen­über wird gewahrt, Chris­tus ist Herr. Die heils­ge­schicht­li­che Tat­sa­che, die die­ses Gegen­über not­wen­dig macht, und eine mys­ti­sche Ver­schmel­zung von Gemein­de und Chris­tus nie­mals zuläßt, ist die Him­mel­fahrt Chris­ti und sei­ne Wie­der­kunft. Der­sel­be Chris­tus, der in sei­ner Gemein­de gegen­wär­tig ist, kommt wie­der vom Him­mel. Es ist der­sel­be Herr, hier wie dort, es ist die­sel­be Kir­che, hier wie dort, es ist der eine und sel­be Leib des­sen, der hier gegen­wär­tig ist und des­sen, der aus den Wol­ken wie­der­kommt. Aber es ist ein erns­ter Unter­schied, ob wir hier sind oder dort. So ist Ein­heit und Unter­schie­den­heit not­wen­dig bei­sam­men.

Die Kir­che ist Einer, sie ist der Leib Chris­ti, aber sie ist zugleich die Viel­heit und Gemein­schaft der Glie­der (Röm. 12,5; 1. Kor. 12,12ff.). Der Leib hat vie­le Glie­der und ein jedes, Auge, Hand oder Fuß, ist und bleibt, was es ist, – dies ist der Sinn des pau­li­ni­schen Ver­gleichs! Hand wird nicht Auge, und Auge wird nicht Ohr. Jedes bleibt, was es ist. Aber doch sind sie nur, was sie sind als Glie­der an dem Einen Leib, als die­nen­de Gemein­schaft in der Ein­heit. Nur von der Ein­heit der Gemein­de her ist jeder Ein­zel­ne, was er ist, und ist die Gemein­schaft, was sie ist, wie die Gemein­de nur von Chris­tus und sei­nem Lei­be her ist, was sie ist. Hier tritt das Amt des Hei­li­gen Geis­tes klar her­aus. Er ist es, der Chris­tus den Ein­zel­nen bringt (Eph. 3,17; 1. Kor. 12,3). Er erbaut durch die Samm­lung der Ein­zel­nen sei­ne Kir­che, deren Gesamt­bau doch in Chris­tus schon fer­tig ist (Eph. 2,22; 4,12; Kol. 2,2). Er schafft die Gemein­schaft (2. Kor. 13,13) der Glie­der des Lei­bes (Röm. 15,30; 5,5; Kol. 1,8; Eph. 4,3). Der Herr ist der Geist (2. Kor. 3,17). Die Kir­che Chris­ti ist der gegen­wär­ti­ge Chris­tus im Hei­li­gen Geist. So ist das Leben des Lei­bes Chris­ti unser Leben gewor­den. In Chris­tus leben wir nicht mehr unser Leben, son­dern Chris­tus lebt sein Leben in uns. Das Leben der Gläu­bi­gen in der Gemein­de ist in Wahr­heit das Leben Jesu Chris­ti in ihnen (Gal. 2,20; Röm. 8,10; 2. Kor. 13,5; 1. Joh 4,15).

In der Gemein­schaft des gekreu­zig­ten und ver­klär­ten Lei­bes Jesu Chris­ti neh­men wir teil an Chris­ti Lei­den und Ver­klä­rung. Chris­ti Kreuz liegt auf dem Lei­be der Gemein­de. Was sie unter die­sem Kreuz lei­det, ist Chris­tus­lei­den. Es ist zuerst das Erlei­den des Kreu­zes­to­des in der Tau­fe, es ist fort­an das »täg­li­che Ster­ben« der Chris­ten (1. Kor. 15,31) in der Kraft sei­ner Tau­fe. Es ist aber dar­über hin­aus noch ein Lei­den von unaus­sprech­li­cher Ver­hei­ßung: Zwar hat allein Chris­ti eig­nes Lei­den ver­söh­nen­de Kraft, er litt »für uns« und er sieg­te »für uns«, aber in der Kraft sei­nes Lei­dens gibt er denen, die sich der Gemein­schaft sei­nes Lei­bes nicht schä­men, die uner­meß­li­che Gna­de, nun auch wie­der »für ihn« lei­den zu dür­fen. Kei­ne grö­ße­re Herr­lich­keit konn­te er den Sei­nen schen­ken, kei­ne unbe­greif­li­che­re Wür­de kann es für den Chris­ten geben, als daß er »für Chris­tus« lei­den darf. Was dem Gesetz im tiefs­ten zuwi­der ist, wird hier wahr. Nach dem Gesetz kön­nen wir nur die Stra­fe für unse­re eige­nen Sün­den lei­den. Nicht ein­mal sich selbst zugu­te ver­mag hier ein Mensch etwas zu tun oder zu lei­den, wie­viel weni­ger einem ande­ren zugu­te, wie­viel weni­ger Chris­tus zugu­te! Der Leib Chris­ti, der für uns gege­ben ist, der für unse­re Sün­de die Stra­fe erlitt, macht uns frei, »für Chris­tus« da zu sein, im Tod und im Lei­den. Es kann nun für Chris­tus gear­bei­tet und gelit­ten wer­den, ihm zugu­te, der uns alles zugu­te getan hat! Das ist das Wun­der und die Gna­de in der Gemein­schaft des Lei­bes Chris­ti (Phil. 1,25; 2,17; Röm. 8,35ff.; 1. Kor. 4,10; 2. Kor. 4,10; 5,20; 13,9). Wie­wohl Jesus Chris­tus alles ver­söh­nen­de, stell­ver­tre­ten­de Lei­den erfüllt hat, sind doch sei­ne Lei­den auf die­ser Erde noch nicht zu Ende. Er hat in sei­ner Gna­de für die­se letz­te Zeit bis zur Wie­der­kunft sei­ner Gemein­de einen Rest (HYSTEREMATA) von Lei­den zurück­ge­las­sen, die noch erfüllt sein wol­len (Kol. 1,24). Die­ses Lei­den darf dem Lei­be Chris­ti, der Kir­che, zugu­te kom­men. Ob wir dar­an den­ken dür­fen, daß auch die­ses Lei­den der Chris­ten sün­den­ver­zeh­ren­de Kraft hat (vergl. 1. Pt. 4,1), bleibt unsi­cher. Deut­lich aber ist es, daß der Lei­den­de in der Kraft des Lei­bes Chris­ti stell­ver­tre­tend »für« die Gemein­de, für den Leib Jesu lei­det, daß er tra­gen darf, was ande­ren erspart bleibt. »Wir tra­gen alle­zeit das Ster­ben des Herrn Jesu an unse­rem Lei­be, auf daß auch das Leben des Herrn Jesu an unse­rem Lei­be offen­bar wer­de. Denn wir, die wir leben, wer­den immer­dar in den Tod gege­ben um Jesu wil­len, auf daß auch das Leben Jesu offen­bar wer­de an unse­rem sterb­li­chen Flei­sche. Dar­um ist nun der Tod mäch­tig in uns, aber das Leben in euch« (2. Kor. 4,10–12; vergl. 1,5–7; 13,9; Phil. 2,17). Es ist dem Lei­be Chris­ti ein Maß von Lei­den ver­ord­net. Gott gibt dem einen die Gna­de, an des ande­ren Stel­le beson­de­res Lei­den zu ertra­gen. Das Lei­den muß ja erfüllt, getra­gen und über­wun­den wer­den. Selig, wer von Gott gewür­digt ist, für den Leib Chris­ti zu lei­den. Sol­ches Lei­den ist Freu­de (Kol. 1,24; Phil. 2,17). In sol­chem Lei­den darf sich der Gläu­bi­ge rüh­men, er tra­ge das Ster­ben Jesu Chris­ti, er tra­ge Chris­ti Wund­ma­le an sei­nem Lei­be (2. Kor. 4,10; Gal. 6,17). Nun darf der Gläu­bi­ge dazu die­nen, daß »Chris­tus ver­herr­licht wer­de an mei­nem Lei­be, es sei durch Leben oder durch Tod« (Phil. 1,20). Sol­ches stell­ver­tre­ten­de Tun und Lei­den der Glie­der am Lei­be Chris­ti ist selbst das Leben des Chris­tus, der in sei­nen Glie­dern Gestalt gewin­nen will (Gal. 4,19). In alle­dem aber ste­hen wir in der Gemein­schaft der ers­ten Jün­ger und Nach­fol­ger Jesu.

Der Abschluß die­ser Betrach­tung muß nun dar­in bestehen, daß wir das Zeug­nis vom Lei­be Chris­ti im Schriftgan­zen wie­der­fin­den. Hier erweist sich, daß im Lei­be Chris­ti die gro­ße alt­tes­ta­ment­li­che Weis­sa­gung vom Tem­pel Got­tes ihre Erfül­lung fin­det. Nicht im Zusam­men­hang des hel­le­nis­ti­schen Gebrauchs die­ses Bil­des, son­dern von der alt­tes­ta­ment­li­chen Weis­sa­gung des Tem­pels her ist der Begriff des Lei­bes Chris­ti zu ver­ste­hen. David will Gott einen Tem­pel bau­en. Er befragt den Pro­phe­ten. Die­ser über­bringt David Got­tes Wort zu sei­nem Vor­ha­ben: »soll­test du mir ein Haus bau­en, daß ich dar­in woh­ne? … der Herr ver­kün­digt dir, daß der Herr dir ein Haus machen will« (2. Sam. 7,5.11). Got­tes Tem­pel kann nur von Gott selbst gebaut wer­den. Zugleich emp­fängt David in selt­sa­mem Wider­spruch zu dem vor­her Gesag­ten die Ver­hei­ßung, daß einer aus sei­nem Samen Gott das Haus bau­en soll und daß sein Reich in Ewig­keit bestehen wer­de (v. 12.13). »Ich will sein Vater sein und er soll mein Sohn sein« (v. 14). Salo­mo, der »Sohn des Frie­dens« Got­tes mit dem Hau­se David, hat die­se Ver­hei­ßung auf sich bezo­gen. Er bau­te den Tem­pel und wur­de von Gott dar­in bestä­tigt. Den­noch war in die­sem Tem­pel die Weis­sa­gung nicht erfüllt; denn er war von Men­schen­hän­den gebaut und muß­te zer­bre­chen. So blieb die Weis­sa­gung uner­füllt bestehen. Noch war­tet das Volk Isra­el auf den Tem­pel, der von dem Sohn Davids gebaut wer­den soll­te, des­sen Reich ewig bestün­de. Der Tem­pel in Jeru­sa­lem war mehr­fach abge­bro­chen, ein Zei­chen, daß es nicht der ver­hei­ße­ne Tem­pel ist. Wo war der wahr­haf­ti­ge Tem­pel? Chris­tus selbst sagt es uns, indem er die Weis­sa­gung des Tem­pels bezieht auf sei­nen Leib. »Da spra­chen die Juden: Die­ser Tem­pel ist in 46 Jah­ren erbaut; und du willst ihn in drei Tagen auf­rich­ten? Er aber rede­te von dem Tem­pel sei­nes Lei­bes. Da er nun auf­er­stan­den war von den Toten, gedach­ten sei­ne Jün­ger dar­an, daß er dies gesagt hat­te, und glaub­ten der Schrift und der Rede, die Jesus gesagt hat­te« (Joh. 2,20ff.). Der Tem­pel, auf den Isra­el war­tet, ist der Leib Chris­ti. Der alt­tes­ta­ment­li­che Tem­pel ist nur der Schat­ten sei­nes Lei­bes (Kol. 2,17; Hebr. 10,1; 8,5). Jesus meint sei­nen mensch­li­chen Leib.

Er weiß, daß auch der Tem­pel sei­nes irdi­schen Lei­bes abge­bro­chen wird, aber er wird auf­er­ste­hen, und der neue Tem­pel, der ewi­ge Tem­pel wird sein auf­er­stan­de­ner, ver­klär­ter Leib sein. Dies ist das Haus, das Gott sei­nem Sohn selbst baut und das doch auch der Sohn dem Vater baut. In die­sem Haus wohnt Gott wahr­haf­tig und zugleich die neue Mensch­heit, die Gemein­de Chris­ti. Der mensch­ge­wor­de­ne Chris­tus selbst ist der Tem­pel der Erfül­lung. Es ent­spricht dem, was die Offen­ba­rung des Johan­nes vom neu­en Jeru­sa­lem sagt, daß dar­in kein Tem­pel sei, »denn der all­mäch­ti­ge Gott ist ihr Tem­pel und das Lamm« (21,22). Der Tem­pel ist der Ort der gnä­di­gen Gegen­wart und Woh­nung Got­tes unter den Men­schen. Er ist zugleich der Ort, an dem die Gemein­de von Gott ange­nom­men wird. Bei­des ist wahr gewor­den allein im mensch­ge­wor­de­nen Jesus Chris­tus. Hier ist die Gegen­wart Got­tes wahr­haft und leib­haf­tig. Hier ist die Mensch­heit wahr­haft und leib­haf­tig; denn er hat sie in sei­nem eige­nen Lei­be ange­nom­men. So ist der Leib Chris­ti der Ort der Annah­me, der Ver­söh­nung und des Frie­dens zwi­schen Gott und Men­schen. Gott fin­det im Leib Chris­ti den Men­schen, und der Mensch fin­det sich im Lei­be Chris­ti von Gott ange­nom­men. Chris­ti Leib ist der geist­li­che Tem­pel (OIKOS PNEUMATIKOS), der aus leben­di­gen Stei­nen gebaut ist (1. Pt. 2,5ff). Chris­tus ist allein Grund und Eck­stein die­ses Tem­pels (Eph. 2,20; 1. Kor. 3,11), er ist zugleich selbst der Tem­pel (OIKODOME Eph. 2,21), in dem der hei­li­ge Geist wohnt und die Her­zen der Gläu­bi­gen erfüllt und hei­ligt (1. Kor. 3,16; 6,19). Got­tes Tem­pel ist die hei­li­ge Gemein­de in Jesus Chris­tus. Chris­ti Leib ist der leben­di­ge Tem­pel Got­tes und der neu­en Mensch­heit.

Bon­hoef­fers Gedan­ken wir­ken wie­der schwer und erha­ben auf mich; dabei zutiefst durch­dacht und in gleich­sam mys­ti­scher Unklar­heit und geis­ti­ger und geist­li­cher Schär­fe. Wie­der kann ich nicht über alles hier nach­den­ken, was Bon­hoef­fer anbie­tet. Bloß etwas zur Pra­xis unse­rer Evan­ge­lisch-metho­dis­ti­schen Kir­che bezüg­lich der unter­schied­li­chen Sta­tus von Men­schen in der Gemein­de.

Die Gemein­de ist Leib Got­tes, so viel ist klar. Sie geht nicht dar­in auf, denn Chris­ti Him­mel­fahrt bedeu­tet sei­ne Tren­nung von aller irdi­schen Gegen­wart, eine Ver­ein­nah­mung Chris­ti durch die Kir­che (wie sie in man­chen röm.-kath. Ent­wür­fen gedacht sein könn­te) lehnt hier Bon­hoef­fer klar ab. Ande­rer­seits ist der Platz des wah­ren Men­schen Chris­tus der Platz der Kir­che.

Wenn es so ist, dass der ein­zel­ne Mensch den »neu­en Men­schen« anzieht,  wenn er in der Gemein­de ist, dann folgt für mich die Fra­ge, wie das mit Glie­dern, Ange­hö­ri­gen, Zuge­hö­ri­gen und Freun­den zusam­men­passt.

Freun­de

Bei uns ist es ja so, dass vie­le in der Gemein­de dabei sind, mit­ar­bei­ten in unter­schied­li­cher Wei­se, in Krei­sen und Grup­pen mit­ma­chen. Sie blei­ben aber dabei, nicht Kir­chen­glied unse­rer EmK zu wer­den. Das ist völ­lig in Ord­nung. Bei bestimm­ten Ämtern kön­nen sie als sol­che nicht mit­wir­ken oder mit­wäh­len. Sonst aber ist das kein Hin­der­nis. – Sind die (im Bild gespro­chen) geist­lich unbe­klei­det, wenn sie mög­li­cher­wei­se unge­tauft sind? Oder haben die etwas ande­res an, wenn sie wei­ter­hin z.B. Glied einer Groß­kir­che sind?

Geht es über­haupt um die­sen kir­chen­recht­li­chen Sta­tus und nicht viel­mehr um den Glau­ben?

Kir­chen­glied

Muss man denn erst Mit­glied (einer oder gar unse­rer) Kir­che wer­den? Muss man getauft sein, sich womög­lich vor der Gemein­de zur Gemein­de Chris­ti beken­nen? Wie ist das Ver­hält­nis des Wir­kens Got­tes an den Ein­zel­nen und damit zur Gemein­de? Klar ist: Der Glau­be ist eine Gabe des Geis­tes, ein Geschenk, das der annimmt, der Gott glaubt. Dass die­ser Mensch sich hier oder da einer Gemein­de zuord­net, vor ihr ein Bekennt­nis ablegt, ist sekun­där. Es ist aber für die meis­ten Men­schen wich­tig.

Die Gemein­de bleibt der »Leib Chris­ti« auch dann, wenn ich mich ihr nicht anschlie­ßen kann oder – nach gründ­li­cher Prü­fung – aus irgend­ei­nem Grund zu der Ein­sicht gelan­ge, die Gemein­de oder Kir­che wech­seln zu müs­sen.

Bei Bon­hoef­fer sind die Kir­chen kein The­ma. Er tut so, als gäbe es bloß eine. Und theo­lo­gisch hat er damit Recht. Dass wir statt der Ein­heits­ge­mein­de, die es ver­mut­lich nie gab, son­dern ver­schie­de­ne Haus­kir­chen auch schon in der frü­hen Chris­ten­heit, heu­te so eine gro­ße Viel­falt der Kir­chen­land­schaft haben, stellt uns vor Her­aus­for­de­run­gen, auf die Bon­hoef­fer nicht ein­geht.

Schma­les Bekennt­nis legt öku­me­ni­sches Wir­ken nahe

Anders als die Kir­chen­grund­la­gen vie­ler Kir­chen sind bei uns in der EmK die­se Grund­la­gen weni­ge. Statt 1380 Sei­ten Bekennt­nis der ev,-luth. Kir­che in Deutsch­land sind es bei uns unter fünf­zig (Ver­fas­sung, Leh­re, Ord­nung der EmK umfasst etwas über 400 Sei­ten, davon ist aber das meis­te wer wen wie wählt, dele­giert, ein­setzt usw. – fürs eigent­li­che Bekennt­nis blei­ben etwa 50 Sei­ten).

Wenn wir den Leib Chris­ti als viel­fäl­tig und viel­ge­stal­tig wahr­neh­men, dann viel­leicht auch, weil unter­schied­li­che Men­schen unter­schied­li­che Gemein­de und Kir­che brau­chen? – Ein wei­tes Feld.

F.W.

Fort­set­zung folgt.