3 Antworten auf „Vir­tu­el­ler Haus­kreis Febru­ar 2019“

  1. Lie­be Cori­na, lie­ber vir­tu­el­ler Haus­kreis,
    ich gehe einen guten Schritt wei­ter. Ich las neu­lich die Ver­se 21 und 22 aus Mat­thä­us 5 (der »Berg­pre­digt«) gele­sen, da steht:
    Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist (2.Mose 20,13; 21,12): »Du sollst nicht töten«; wer aber tötet, der soll des Gerichts schul­dig sein. Ich aber sage euch: Wer mit sei­nem Bru­der zürnt, der ist des Gerichts schul­dig; wer aber zu sei­nem Bru­der sagt: Du Nichts­nutz!, der ist des Hohen Rats schul­dig; wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höl­li­schen Feu­ers schul­dig.
    Wie oft den­ken wir schlecht von ande­ren? Viel­leicht weil sie (sub­jek­tiv zu lang­sam) vor uns her­fah­ren oder weil sie einen Bei­trag von uns in sozia­len Medi­en nicht ver­ste­hen, ver­meint­lich »blö­de« Fra­gen stel­len oder gar einen Dis­li­ke-Knopf drü­cken.
    Klar, es gibt Trol­le, die allent­hal­ben nur nega­tiv drauf sind. Aber wie ist das mit uns, mit mir: Mei­ne ich wirk­lich stets den ande­ren im bes­ten Sin­ne? Erwar­te ich etwas vom Gegen­über oder steckt da nicht (lieb­los) jemand in einer Schub­la­de?
    Wenn das letz­te­re der Fall ist, dann wäre ich so jemand, der des »himm­li­schen Feu­ers« schul­dig ist?
    Das möch­te ich nicht sein, um der ande­ren Wil­len, um Got­tes Wil­len, und um mei­ner selbst Wil­len. – Aber was folgt für mich dar­aus?
    Lebe ich Lie­be? In jeder Hin­sicht? Wie den­ke ich von Frem­den? Was den­ke ich etwa von Donald Trump oder ande­ren »star­ken Män­nern«, ob in der Tür­kei oder in Russ­land? Den­ke ich acht­sam und lie­be­voll von Lieb­lo­sen? Wie kommt es, dass vie­le im Zwei­fel mit ein­fa­chen Paro­len Mehr­hei­ten schaf­fen? Bin ich da nicht auch (an wel­cher Stel­le auch immer) emp­fäng­lich?
    Bin ich jemand, der Kon­flik­te scheut: Jesus hat ja vie­le Kon­flik­te offen­bar für nötig erach­tet und pro­vo­ziert. Ande­rer­seits: Es ging nicht um ihn selbst.
    Wenn ich den Ham­ba­cher Forst wich­tig fin­de, fin­de ich dann, dass eini­ge Dör­fer bei Garz­wei­ler eher geop­fert wer­den soll­ten? Wie kann ich ver­ant­wort­lich mit der stets anfal­len­den Schuld umge­hen?
    Bei mir blei­ben viel mehr Fra­gen offen als ich beant­wor­ten könn­te.
    Mir erscheint es so, dass alles Tun (alle Taten der Lieb­lo­sig­keit) mit dem Spre­chen begin­nen (eben lieb­lo­sem Spre­chen von jeman­dem), und alles Spre­chen setzt im Den­ken an.
    Nun kann ich mein Den­ken schlecht kon­trol­lie­ren, aber ich kann mich bemü­hen, es durch mein Spre­chen zu wen­den: Wenn ich nega­tiv von jeman­dem den­ke, und das mer­ke, kann ich für die Per­son beten. Mög­li­cher­wei­se kann ich etwas Posi­ti­ves über sie zu einer/einem Drit­ten sagen. Viel­leicht kann ich ein ehr­li­ches Gutes Wort für die Per­son fin­den, von der ich schlecht dach­te. Und mit­tel­fris­tig kann ich so anders zu den­ken ein­üben.
    Ich bin davon über­zeugt, dass Gott jeden Men­schen gebrau­chen kann. Auch einen Cae­sar oder Hit­ler. – Fragt sich jeweils bloß wozu. Da bin ich manch­mal rat­los.
    Aber ich bin ja noch nicht am Ziel.
    Gruß
    F.W.

  2. Hm, wofür Gott Hit­ler wohl gebrau­chen hät­te kön­nen??? Das ist für mich schon eine har­te Über­le­gung. Ich den­ke, was das Heu­te betrifft, dass zumin­dest alle bös­ar­ti­gen Strö­mun­gen und Ansich­ten mich dazu auf­for­dern, Stel­lung zu bezie­hen – und zwar aktiv. Unser Haupt­pro­blem ist wohl dabei die Träg­heit. Das Nichts-Tun, das Nicht-Stel­lung­neh­men, das Gesche­hen-Las­sen, das Nicht-Ein­grei­fen: unse­re Bequem­lich­keit bringt uns dazu, alles ein­fach immer so wei­ter zu machen. Ech­te Lie­be, so wie Gott sie von uns und für uns wünscht, wür­de das nicht hin­neh­men. Ech­te Lie­be wür­de uns »erei­fern«, so dass wir gar nicht weg­schau­en könn­ten. Aber ich gebe zu: gera­de letz­ten Sonn­tag nach dem Got­tes­dienst dach­te ich, ich könn­te mich doch mal in Lie­be üben und ein­fach mal mit einer Frau, die nun schön öfter da war, spre­chen. Sie wirkt lebens­lus­tig und redet ger­ne – und es war sonst kei­ner da, der sich zu ihr setz­te. Also hab ich es gemacht. Spä­ter dach­te ich: Mit mei­ner Lie­be steht es schlecht: ich ver­stand sie kaum, ich hat­te auch den Ein­druck, dass sie etwas wirr ist – sie rede­te von Ent­füh­rung, davon, dass ihr Sohn zum Arbei­ten gezwun­gen wür­de, und er vom Amt nicht mal Socken bekommt. Falls ich das rich­tig ver­stan­den habe. Es hör­te sich jeden­falls echt wild an. Ich habe ihr gesagt, dass ihr Sohn etwa so alt sei wie ich – und ob er sich denn nicht sel­ber um Socken küm­mern kön­ne. Ich habe das Gespräch irgend­wann abge­bro­chen, weil ich nicht immer wie­der klei­ne Tröpf­chen Spu­cke abbe­kom­men woll­te, die vor lau­ter Auf­re­gung mit­flo­gen. Naja, immer­hin weiß ich ihren Namen, und habe nun schon öfter mit ihr gespro­chen. Ich wer­de es auch wie­der tun. Ver­spro­chen, Gott!

  3. Bei einem Freund habe ich mal erfah­ren, was pas­sie­ren kann, wenn man sich selbst aus den Augen ver­liert. Er hat­te sich gera­de frisch ver­lobt. Alle um ihn her­um haben sich rie­sig für ihn gefreut. Nur er nicht. Der Grund kam ihm eini­ge Zeit spä­ter: Er war nicht mehr er selbst. Immer­zu hat er sich nur gefragt, was sei­ne Ver­lob­te von ihm erwar­ten wür­de. Genau das hat er gemacht. Egal ob das sei­nem Cha­rak­ter ent­sprach oder nicht.
    Lie­be heißt nicht, sich selbst zu ver­ges­sen. Viel mehr bedeu­tet es für mich, den ande­ren anzu­neh­men mit allen Stär­ken, Schwä­chen und den Frei­hei­ten die er braucht. Dabei muss ich mir aber auch mei­ner Stär­ken, Schwä­chen und Bedürf­nis­se bewusst sein. Daher gehört es für mich in jedes Gebet, mei­ne Wün­sche vor Gott zu brin­gen. Das kann durch­aus viel Raum in Anspruch neh­men. Ich hal­te das nicht zwin­gend für selbst­ver­liebt.
    Mir kommt dazu eine Sze­ne von Bruce All­mäch­tig in den Sinn. Kurz vor dem Ende steht Bruce vor Gott und der for­dert ihn auf zu beten. Das macht Bruce. Er bit­tet für Welt­frie­den, für Wohl­stand in den USA, sozia­le Gerech­tig­keit und so. Gott mein­te dann: »Das war ein gutes Gebet. Wenn du der Prä­si­dent der Ver­ei­nig­ten Staa­ten wärst…«
    Um ehr­lich zu sein, bete ich nicht für Welt­frie­den. Es ist für mich ein­fach kein Her­zens­an­lie­gen. Ich bete mehr für die Men­schen um mich her­um. Leu­te aus der Gemein­de. Bei­des hat mei­ner Mei­nung nach sei­ne Berech­ti­gung. Wich­tig ist für mich nur, dass es ein ehr­li­ches Gebet ist. Gott hat uns geschaf­fen, er kennt uns und er liebt uns. Die­se Lie­be dür­fen wir auf unse­re ganz eige­ne Art und Wei­se erwi­dern.
    Lie­be heißt auch bei Wei­tem nicht immer brav dem ande­ren zustim­men. Bei mei­nen 5. Kläss­lern zie­he ich gera­de die Dau­men­schrau­ben ganz schön an. Letz­te Woche muss­ten sie einen Test schrei­ben, mor­gen samm­le ich die Haus­auf­ga­ben ein und bewer­te sie. Das mache ich aber nicht aus Bos­haf­tig­keit, son­dern weil ihre Arbeits­mo­ral sehr zu wün­schen übrig lässt. Gera­de in der 5. Klas­se wer­de aber die Grund­la­gen für alle wei­te­ren Schul­jah­re gelegt. Weil mir mei­ne Schü­ler wich­tig sind, muss ich sie in Lie­be erzie­hen – manch­mal mit (für bei­de Sei­ten) unan­ge­neh­men Metho­den.
    Zum The­ma Jesus und Kon­flik­te kann ich Frank nur zustim­men. Jesus hat Kon­flik­te nicht gescheut. Oft hat er Din­ge sehr dras­tisch dar­ge­stellt (z.B. Mt 5,29: »Wenn dich aber dein rech­tes Auge ver­führt, so reiß es aus und wirf’s von dir«) und mit sei­ner Schwarz-Weiß-Male­rei Kon­flik­te ver­ur­sacht. Damit woll­te er aber die Leu­te wach rüt­teln, die auf dem fal­schen Weg waren. Soll­te ich obi­ges Zitat ernst neh­men, dass müss­te ich zuerst mein Gehirn aus­rei­ßen, denn es ver­ur­teilt immer wie­der Men­schen, steckt sie in fal­sche Schub­la­den und ver­lei­tet mich zur Sün­de. Aller­dings brau­che ich es zum über­le­ben. So hat Gott den Men­schen eben geschaf­fen…
    So neh­me ich die Aus­sa­ge Jesu zum Anlass mein Ver­hal­ten zu hin­ter­fra­gen. Sind mei­ne Gedan­ken von Lie­be geprägt? Kann ich Men­schen unvor­ein­ge­nom­men begeg­nen?
    Zum Schluss habe ich euch noch ein Zitat von Elie Wie­sel mit­ge­bracht: »Der Gegen­satz von Lie­be ist nicht Hass, der Gegen­satz von Hoff­nung ist nicht Ver­zweif­lung, der Gegen­satz von geis­ti­ger Gesund­heit und von gesun­dem Men­schen­ver­stand ist nicht Wahn­sinn, und der Gegen­satz von Erin­ne­rung heißt nicht Ver­ges­sen,
    son­dern es ist nichts ande­res als jedes Mal die Gleich­gül­tig­keit.«

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