Typisch methodistisch? – Die allgemeinen Regeln:

Zugegeben: 1739 ist schon lange her. Damals wünschten einige, als Christenmenschen geistlich weiter zu kommen. Christ zu werden ist nicht schwer, Christ zu sein, dagegen sehr. – Sie trafen sich einmal wöchentlich, halfen einander geistlich weiter, ermahnten einander. Wäre uns das heute zu viel Einmischung anderer in unser Leben?

Damals jedenfalls baten sie Wesley, ihnen eine Anleitung und Hilfe zu geben, wie sie die Sünde meiden und zum Heil fortschreiten könnten. Wesley formulierte daraufhin die Allgemeinen Regeln, die sprachlich und in den Konkretionen in ihrer Zeit stehen. Sklaven halten wir nicht mehr und Zollvergehen gibt es wohl, aber im Leben der meisten spielen sie keine große Rolle.

Es wird daher von allen, welche Mitglieder der Gemeinschaft sein und bleiben wollen, erwartet, dass sie ihr Verlangen nach Seligkeit stets dadurch beweisen, dass sie erstens:
Nichts Böses tun, sondern Böses aller Art meiden…
[es folgt eine längere Liste, nachzulesen etwa in Verfassung Lehre Ordnung der Evangelisch-methodistischen Kirche, die auf der Internet-Seite www.emk.de in der je aktuellen Fassung herunterzuladen ist – dort Seite 48ff]

zweitens: Dadurch, dass sie Gutes tun; in jeder Hinsicht nach ihrem Vermögen sich barmherzig erweisen und bei jeder Gelegenheit Gutes aller Art, soweit die Kräfte reichen, allen Menschen erzeigen
[hier folgt eine längere Liste beispielhafter guter Taten, die von den Mitgliedern der Gemeinschaft als selbstverständlich erwartet wurden, aber doch genannt werden mussten…]

drittens: Durch den Gebrauch aller von Gott verordneten Gnadenmittel, als da sind:
Der öffentliche Gottesdienst.
Das Hören des Wortes Gottes, es werde solches gelesen oder ausgelegt. Das Abendmahl des Herrn.
Das Beten mit der Familie und im Verborgenen. Das Forschen in der Schrift. Fasten und Enthaltsamkeit.

Auch wenn einige böse Taten und einige gute Taten konkret benannt werden, geht es doch nicht um einen Katalog von Lastern oder guten Werken: Es geht darum, dass Christ-Sein ohne Vorbedingung möglich ist, dass wir aber, wenn wir Jesus nachfolgen, eben nicht die selben Sünder bleiben sollen wie vordem. Wir werden nicht selbst-gerecht, aber wir dürfen Gottes Plan für unser Leben ähnlicher werden.

Das war den frühen Methodisten ein Anliegen, und ich denke, dass es uns heutigen auch eines sein sollte. Vielleicht können uns die Allgemeinen Regeln dabei helfen. Beim Gebrauch der Gnadenmittel etwa kommt es mir so vor, als hätten wir durchaus noch Luft nach oben. – Beim Meiden des Bösen und beim Tun des Guten sicher auch.
Wie gesagt: Nicht, weil wir uns einen Platz im Himmel verdienen möchten (oder das könnten), sondern aus Dank gegen Gott: Christ-Sein ist nicht nur Geschenk und Gnade, sondern stets auch Aufgabe!
Frank Weber