Monats­spruch Mai: »Leben aus der Quel­le«

Alles, was Gott geschaf­fen hat, ist gut, und nichts ist ver­werf­lich, was mit Dank­sa­gung emp­fan­gen wird.
1. Timo­theus 4,4

Zu allen Zei­ten haben Chris­ten sich gefragt, wel­che Ver­hal­tens­wei­sen im All­tag zum Glau­ben pas­sen und wel­che nicht. In den meis­ten Fäl­len sind dann Regeln auf­ge­stellt wor­den, die dar­über Aus­kunft gaben,was man als Christ/in zu tun und zu las­sen hat­te. Die stärks­te Wir­kung auf die all­täg­lich geleb­te Kul­tur von Gemein­den und gan­zen Kir­chen haben dabei die Ver­bo­te aus­ge­übt.

Manch­mal ist man dann aber doch über­rascht, wenn man in der Bibel nach­liest, in wel­chem Zusam­men­hang ein bestimm­ter Vers steht, der die­ses The­ma berührt. Mit dem Monats­spruch ist es genau­so. An Timo­theus, einen Gemein­de­lei­ter einer der ers­ten jun­gen Gemein­den, ist der Brief gerich­tet, in dem der Vers zu fin­den ist. Aus dem Brief­zu- sam­men­hang wird deut­lich, dass es auch damals schon Men­schen gege­ben hat, die aus Sor­ge, den Glau­ben im all­täg­li­chen Ver­hal­ten zu ver­ra­ten, sich an fes­te Regeln zu hal­ten such­ten. Sie woll­ten sich schüt­zen vor Schuld und Sün­de, in dem sie lie­ber auf man­ches ver­zich­te­ten. Ihr Bemü­hen war von der Unsi­cher­heit getra­gen, sozu­sa­gen ohne Gelän­der den rich­ti­gen Weg zu ver­las­sen.

Im Brief an Timo­theus wird dies ange­spro­chen. Aber da- bei fin­det ein inter­es­san­ter Wech­sel des Blick­win­kels statt. Nicht Furcht und Sor­ge vor einem mög­li­chen Fehl­tritt sol­len die Grund­hal­tung unse­res all­täg­li­chen Lebens sein. Viel­mehr sind wir ein­ge­la­den, täg­lich, stünd­lich, jede Minu­te unse­res Lebens aus der Fül­le der Gna­de Got­tes zu leben. Nicht Furcht, son­dern Dank­bar­keit und Stau­nen über die Grö­ße und Güte unse­res Got­tes ste­hen dem Glau­ben gut an. »Leben aus der Quel­le, Leben nur aus dir, Leben aus der Quel­le des Lebens« heißt ein Lob­preis­lied, das wir gele­gent­lich gesun­gen haben und das die­se Glau­bens­hal­tung gut zum Aus­druck bringt. Aber, so mögen man­che ein­wen­den, das ist doch kein Frei­brief für alle mög­li­chen Ver­hal­tens­wei­sen. Natür­lich nicht. Des­halb steht im Monats­spruch, dass die Dank­sa­gung dazu gehört. Kann ich Gott für alles dan­ken, was ich den Tag über tue, sage, den­ke? Darf und kann er dabei sein oder stört er mich viel­leicht? Das ist die Fra­ge, die mit uns gehen soll­te. Wohl­ge­merkt: Das ist nicht die Rück­kehr eines Regel­wer­kes durch die Hin­ter­tür. Der ent­schei­den­de neue Blick­win­kel des Glau­bens bleibt. Nicht die Angst vor Ver­sa­gen und Fehl­trit­ten lei­tet mich und lässt mich letzt­lich in Furcht vor Gott leben, son­dern Got­tes Lie­be erfüllt mich. Ich suche in allem sei­ne Nähe und ent­de­cke so, wie gut er es mit mir meint, ent­de­cke auch, was mir gut tut und was nicht. Das macht aus einem ängst­li­chen Leben ein Leben, das an der Güte und den Ver­hei­ßun­gen unse­res Herrn ori­en­tiert ist und zudem Aus­strah­lung hat. Ich wün­sche uns allen jeden Tag neu die Nähe unse­res Got­tes.

Hart­mut Kraft